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Eine klassische Frage der Transformation ist die nach Gerechtigkeit. Doch für diese muss der Energiebedarf auf allen Ebenen reduziert werden.

2000 Watt, mehr nicht

Ein genügsamer, effizienter und nachhaltiger Umgang mit energetischen Ressourcen und der konsequente Einsatz von erneuerbaren Energien sind nicht nur für die Erreichung der Pariser Klimaziele erforderlich. Dahinter liegt auch die Erkenntnis, dass auch regenerative Ressourcen und vor allem die dafür benötigten Rohstoffe global nur begrenzt verfügbar sind. Deshalb gibt es Initiativen wie die «2000-Watt-Gesellschaft», die in der Schweiz schon seit deutlich über einem Jahrzehnt in der Öffentlichkeit präsent ist. 

Wieso 2.000 Watt?

«Ein Watt ist die physikalische Einheit für Dauerleistung. Dein Herz zum Beispiel erbringt eine Dauerleistung von 1 bis 2 Watt. Wenn du schwer arbeitest, erbringt dein Körper eine Leistung von 200 Watt. Ein Radrennfahrer kommt während einer strammen Bergetappe auf 400 Watt. Und wenn Autos, Fernseher und Waschmaschinen laufen, nehmen sie ständig Leistung auf, ein Staubsauger beim Teppichsaugen zum Beispiel 1000 Watt.»

Quelle: wirleben2000watt.com

2.000 Watt ist die Menge an Primärenergiebedarf, der rechnerisch pro Kopf weltweit im Jahr 1990 jederzeit im Schnitt benötigt wurde: 2.000 Watt Primärleistung x 24 h/Tag x 365 Tage/Jahr = 17.520 kWh/Jahr. 

Primärenergie ist die Energie, die noch keinem Umwandlungs- oder Transformationsprozess unterzogen wurde und die direkt in den Energiequellen vorhanden ist.

Die «2000-Watt-Gesellschaft»

Der Grundgedanke hinter der «2000-Watt-Gesellschaft» besteht darin, dass jedem Menschen der gleiche Anteil an Energieverbrauch und Emissionen zustehen sollte. Entwickelt wurde das Konzept an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) bereits in den 1980er Jahren. Interessant an diesem Ansatz ist, dass der Energiebedarf relativ umfassend beleuchtet wird. Die Schweiz und insbesondere verschiedene Städte und Gemeinden haben sich dazu verpflichtet, bis 2050 folgende drei Kernziele zu erreichen:

  1. Die Energieversorgung soll zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien erfolgen.
  2. Treibhausgasemissionen, die durch Energiegewinnung und Energiebedarf verursacht werden, sollen komplett vermieden werden.
  3. Der Primärenergiebedarf soll auf maximal 2.000 Watt rechnerischer Dauerleistung pro Person begrenzt werden.

Letztgenanntes Ziel ist das Spannende. 2.000 Watt Dauerleistung Primärenergie reicht aus, so die Prämisse, um in Wohlstand und bei hoher Qualität in einem Industrieland «global energiegerecht» mit 17.520 kWh Primärenergie pro Kopf und Jahr zu leben. Der aktuelle Primärenergiebedarf liegt in einem Industrieland wie Deutschland derzeit aber bei rund 40.000 kWh Energie. Dieser Bedarf muss dementsprechend deutlich über die Hälfte reduziert werden, damit u. a. die Pariser Klimaziele erreicht werden können.

Auf allen Ebenen und in allen Bereichen muss dafür agiert und gedacht werden: Ernährung, Energie, Bauwirtschaft, Mobilität, Finanzwirtschaft und anderes mehr. Das bedeutet, dass kein Geld mehr in fossile Infrastruktur investiert werden darf. Schließlich ist die Ausbeute an genutzter Energie in den bisherigen, auf fossilen Brennstoffen beruhenden Prozessen so gering, dass sie so nicht zukunftsfähig ist. Neben der Sparsamkeit ist also auch das Thema der Effizienz ein gewichtiger Baustein zum Erreichen dieser Ziele.

Auf Deutschland übertragen würde das folgende Beispielwerte pro Kopf und Jahr als Orientierung bedeuten:

Wohnen:  3.914 kWh Primärenergie
Ernährung: ca. 2.537 kWh Primärenergie
Mobilität: 2.478 kWh Primärenergie
Konsum: 7.338 kWh Primärenergie
Haushaltsgeräte: 1.253 kWh Primärenergie

Outsourcing unseres Energiekonsums

Auffällig bei der Betrachtung dieser Werte ist, dass der massive Energiebedarf, der für ein Industrie- und Rohstoffimportland wie Deutschland benötigt wird, in der öffentlichen Diskussion derzeit quasi überhaupt nicht thematisiert wird. Ein beträchtlicher Teil der Energie wird zudem im Ausland für den massiven Konsum in Deutschland aufgewendet. Die klare Botschaft: Der Energiebedarf muss in und für die Industrieländer auch bei einer kompletten Nutzung der Erneuerbaren Energien stark reduziert werden, damit die weiterhin benötigten Ressourcen gerecht auf der Welt verteilt werden können.  

Weiterführende Links

https://www.wirleben2000watt.com/wir-leben-2000-watt
Eine Initiativenseite der Städte Bregenz, Feldkirch, Konstanz, Lindau, Radolfzell, Singen, St. Gallen und Winterthur.

https://www.local-energy.swiss/arbeitsbereich/2000-watt-gesellschaft-pro/Grundlagen-und-Konventionen/Leitkonzept-2000-Watt-Gesellschaft.html 
Weiterführende Leitkonzepte für Gemeinden in der Schweiz mit z.T. umfangreichen aktuellen Berichten. Die „EnergieSchweiz“ ist das Programm des Bundesra­tes zur Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energie mit freiwilligen Maßnahmen.

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Lassen Sie uns gemeinsam Energie sparen, das Klima schützen – und Solidarität leben! Wir können der aktuellen Energiekrise – und auch künftigen – nur dann aus dem Weg gehen, wenn wir den Verbrauch fossiler Energien so schnell wie möglich reduzieren und gemeinsam, wo immer es geht, Energie einsparen. Wir wollen das mit Ihnen gemeinsam angehen!

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