Ein Mann schraubt ein Heizungsrohr an einer neuen Wärmepumpe an
Wärmewende

Update Juli '26. Nicht erst seit dem Streit um das Gebäudeenergiegesetz wissen wir: Die Tage von Gas- und Ölheizungen sind gezählt.

Drei Gründe, warum jetzt der richtige Zeitpunkt für den Heizungswechsel ist

Update, 21. Juli 2026

Der Artikel wurde am 15. Mai 2025 in seiner ersten Fassung veröffentlicht. 

Inzwischen wurde das neue Gebäudemodernisierungsgesetz beschlossen. Zum 21. Juli 2026 haben sich in dem Zuge die Förderbedingungen für Gebäudesanierung und Heizungstausch verändert, die wir im entsprechenden Abschnitt angepasst haben. Die schrittweise Absenkung der Förderraten unterstreicht die Kernaussage des Artikels umso mehr: 

Der beste Moment für den Heizungstausch ist jetzt.

Ein Jahr nach Veröffentlichung des Artikels ist auch die politische und gesellschaftliche Stimmung bereits eine andere. Die Wärmepumpe ist die meist verbaute Heizungsart bei Neubauten. Wie sie zu Zeiten der Ampelregierung zum Opfer eines populistischen Kulturkampfs wurde, wurde inzwischen sogar wissenschaftlich untersucht. Entsprechend wird die «neue Freiheit im Heizungskeller» – die Abschaffung der 65-Prozent-EE-Regel, und damit der Freifahrtschein für neue Öl- und Gasheizungen, keineswegs begrüßt, sondern trifft auf laute Kritik. Dem tragen wir im angepassten letzten Abschnitt Rechnung.

Überarbeiteter Artikel vom 15. Mai 2025

Im vorherigen Artikel zum Thema Gebäudeenergie haben wir behandelt, warum die anstehenden Veränderungen viele Hausbesitzer:innen verunsichern. Die Frage, wie sie jetzt mit ihrer Heizung verfahren sollen, treibt viele um, bei denen das bestehende Heizsystem ans Ende seiner Lebensdauer kommt. 

Mit der alarmistisch geführten Diskussion um die Auswirkungen des novellierten Gebäudeenergiegesetzes (auch als «Heizungsgesetz» bekannt) haben sich viele Menschen noch schnell eine neue Öl- oder Gasheizung angeschafft, solange sie noch zulässig ist. Ausschlaggebend war für viele sicherlich vor allem der Anschaffungspreis der Wärmepumpe, der noch deutlich über dem eines Gas- oder Ölbrenners liegt. Dies führte zu einem regelrechten Run auf Heizungsarten für fossile Brennstoffe  – ein Effekt, der sicher nicht im Sinne des Erfinders war. 

Doch Anschaffungskosten sind eben nicht alles – es gibt auch gute Argumente dafür, den Austausch bestehender fossil betriebener Heizsysteme gegen eine klimafreundliche Alternative nicht möglichst lange hinauszuschieben, sondern anzugehen. Diese wollen wir in diesem Artikel vorstellen.

1. Die Brennstoffpreise werden sich verteuern

Der russische Angriffskrieg hatte zu einem Preissprung der Gaspreise geführt, welcher die gesamten Energiemärkte ins Chaos gestürzt hat. Dieses Ereignis hatte gezeigt: Man kann nicht darauf setzen, dass eine Kilowattstunde Gas automatisch günstiger als Strom ist. Zwar haben sich die Gaspreise inzwischen stabilisiert und sind auch wieder gesunken, aber auch daraus kann man nicht schließen, dass es dauerhaft günstiges Gas geben wird. 

Der Hauptgrund, warum ein ansteigender Preis absehbar ist, ist der Emissionshandel für fossile Brennstoffe. Eine Tonne CO₂ zu erzeugen kostet seit Januar 2024 laut Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) 55 Euro, bis 2026 wird dieser Preis auf 65 Euro steigen. Diese Abgabe fließt als Umlage mit in den Gas-Arbeitspreis ein und wird diesen stetig steigen lassen.

Ab 2028 wird der nationale Emissionshandel in das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) überführt und zudem auf den Verkehrssektor und die Gebäudeheizung ausgeweitet. Nach derzeitigen Berechnungen steigt dadurch der CO₂-Preis noch einmal deutlich an. Damit würde also ein Preisschock auf Haushalte mit Öl- und Gasheizung zukommen – und wer sich schnell noch eine neue fossile Heizung hat einbauen lassen, um der Anschaffung einer teuren Wärmepumpe zuvorzukommen, könnte im Endeffekt durch die gestiegenen Brennstoffpreise das Nachsehen haben. Dementsprechend amortisieren sich die Mehrkosten für eine Wärmepumpe in absehbarer Zeit.  

2. Die Gasnetze sind nicht für immer

Die Mannheimer Stadtwerke MVV sorgten Ende 2024 für Schlagzeilen, als sie ankündigten, ihr Gasnetz bis 2035 stillzulegen. Wörtlich begründeten sie den Schritt: «Fossil gefeuerte Gasheizungen hält MVV (…) nicht für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Beheizungsform. Transport und Nutzung von Erdgas führen zu vermeidbarem CO₂-Ausstoß, die CO₂-Kosten werden in den kommenden Jahren steigen, und da die Zahl der Gasnutzer sinkt, werden die Kosten des Gasnetzes auf immer weniger Nutzer umgelegt. MVV strebt daher an, das Gasnetz bis 2035 stillzulegen und empfiehlt seinen Kundinnen und Kunden, sich frühzeitig um alternative Heizformen zu kümmern.»

Das wird keineswegs eine Mannheimer Besonderheit bleiben. Denn mit steigendem Gaspreis wird der Bezug von Gas überall unattraktiver und es werden sich mehr Menschen für einen Umstieg entscheiden. Auch die beliebte Erzählung, dass statt Gas zukünftig einfach Wasserstoff durch die Leitungen fließen wird, darf getrost angezweifelt werden – eine Studie des Borderstep Institute kommt zum Urteil, dass dieses Szenario vor allem wegen der hohen Kosten der Wasserstoffherstellung und Umrüstung der Netze illusorisch ist.

Energieökonomin Prof. Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt beim DIW, rät den Kommunen, bei der kommunalen Wärmeplanung heute schon die Stilllegung der Gasnetze mitzudenken und die heutigen Gaskund:innen rechtzeitig über Alternativen wie Fernwärme oder Wärmepumpen zu informieren – denn sonst werde es teuer. Auch eine Kurzstudie des Fraunhofer Instituts aus dem Juli 2026 sagt den Gasnetzen ihr Ende voraus.

3. Es gibt nie wieder so viel Förderung wie jetzt

Was bei der emotional aufgeheizten Diskussion um das sogenannte Heizungsgesetz oft übersehen wurde, war, dass es nicht nur neue Grenzwerte enthielt, sondern auch umfangreiche Förderungen aufgesetzt wurden. Prominentestes Beispiel ist die Wärmepumpenförderung. 

Diese wurde nach Überarbeitung des GModG auch reformiert und teilweise gekürzt, stellt aber weiterhin eine signifikante Förderung in Aussicht, nun mit einer noch stärkeren sozialen Staffelung. Bis zu 28.000 Euro werden bei dem Einbau einer neuen Wärmepumpe derzeit durch die KfW übernommen. 

Die Grundförderung von 30 Prozent steht noch bis Februar 2027 allen zu. 

Ab 2027 reduziert sich diese auf 15 Prozent – für Wärmepumpen, die in der EU hergestellt wurden, gibt es dafür einen Wertschöpfungsbonus von weiteren 15 Prozent, welcher die Förderquote wieder auf 30 Prozent erhöht.

Jetzt handeln lohnt sich, das betont der Klimageschwindigkeitsbonus, der jetzt noch bei 16 Prozent (vorher: 20 Prozent) liegt. Der Bonus wird ab dem 01.02.2027 alle sechs Monate um vier Prozent reduziert – ab dem 01.08.2028 entfällt er ganz.

Je nach Haushaltseinkommen sind noch bis zu 40 Prozent Einkommensbonus möglich, um auch einkommensschwächeren Haushalten einen Heizungsumbau zu ermöglichen. Bei Haushalten mit mindestens einem Kind werden noch einmal 10.000 Euro auf das Jahreseinkommen angerechnet.

Der Bund der Energieverbraucher e.V. stellt auf seiner Seite einen Förderrechner bereit. Genauere Informationen über die Förderung können Sie im Rahmen Ihrer persönlichen Wärmepumpen-Beratung von EWS und GPE erhalten. 

Übrigens: Auch, wenn Ihr Haus an ein Nah- oder Fernwärmenetz angeschlossen wird, fällt die Bezuschussung der dafür nötigen Wärmeübergabestation nach diesem Muster aus.  

Schlauer sein als die Gesetzgebung

Man kann es nicht anders sagen: Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz ist eine mittelschweres Desaster, ein herber Rückschlag für den Klimaschutz, für die Wärmewende und auch die soziale Gerechtigkeit. Die Regierung ist verpflichtet, Deutschland auf Kurs Richtung Klimaneutralität zu bringen. Die Wärmewende macht einen großen Brocken dieser riesigen Aufgabe aus, der Gebäudesektor ist dabei nicht auf Kurs. Mit der Streichung der 65-Prozent-Erneuerbaren-Quote und der geschaffenen Unsicherheit geht der Kurs noch stärker Richtung Zielverfehlung. Das wird kostspielig.

Nur weil einem die Gesetze nun das Recht einräumen, sich unvernünftig zu verhalten, muss man das noch lange nicht tun.

Wichtig ist: Nur weil einem die Gesetze nun das Recht einräumen, sich unvernünftig zu verhalten, muss man das noch lange nicht tun. Gas- und Ölheizungen werden über kurz oder lang zur Kostenfalle. Energieeffizientes Heizen bleibt die schlaueste Lösung, für Klimaschutz und den eigenen Geldbeutel.

Fotos: Adobe Stock

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