Die Bundesregierung will Milliarden in neue Gaskraftwerke investieren – doch eine neue Studie von Connect Energy Economics zeigt, dass die geplanten Kapazitätsmechanismen auf unrealistischen Kostenannahmen beruhen und flexible, zukunftsfähige Technologien systematisch benachteiligen. Für uns als EWS ist das keine Energiepolitik, die nach vorne führt. Was die Studie kritisiert und stattdessen gebraucht wird, erklärt Reemt Heuke, Senior Manager Public Affairs/Energiepolitik bei den EWS.
Interview
Lieber Reemt, die Bundesregierung will Milliarden in neue Gaskraftwerke investieren. Was steckt dahinter?
Reemt Heuke: Es geht der Bundesregierung darum, in Zukunft für Versorgungssicherheit zu sorgen. Das Ziel ist auch richtig und wichtig: Wir brauchen eine sichere Stromversorgung und auch zusätzliche steuerbare Kapazitäten. Aber die Frage ist doch: Wie erreichen wir das am klügsten? Und da sagt die neue Studie von Connect Energy Economics im Auftrag von Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V. (bne), Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), European Energy Exchange AG (EEX) und Bundesverband der Energie-Abnehmer e.V. (VEA) sehr klar, dass die geplanten staatlichen Kapazitätsmechanismen genau das nicht leisten. Wir bauen Subventionsprogramme auf tönernen Füßen – und wenn die Rechnung dann nicht aufgeht, zahlen das am Ende wir alle. Das können wir nicht zulassen.
Was kritisiert die Studie konkret?
Reemt Heuke: Die Studie benennt drei zentrale Befunde: Erstens sind die Kostenannahmen unrealistisch – neue Gasturbinen werden in Deutschland teils nur halb so teuer kalkuliert wie in realen europäischen Auktionen, was zu vermeidbaren Kostensteigerungen führt, die am Ende Verbraucher:innen und Unternehmen zahlen. Zweitens wird Innovation bestraft: Flexible Technologien, die günstiger und zukunftsfähiger wären, werden in den geplanten Mechanismen voraussichtlich ausgeschlossen oder diskriminiert. Und drittens leiden die Klimaziele, denn eine Kapazitätsumlage bremst die Elektrifizierung – sie wirkt damit gegen die Energiewende und belastet Stromkund:innen zusätzlich.
«Es braucht Versorgungssicherheit durch Markt und Innovation – nicht durch Milliarden-Subventionen für fossile Kraftwerke!»
Was wäre aus Sicht der EWS die richtige Antwort auf die Frage der Versorgungssicherheit?
Reemt Heuke: Die Studie zeigt sehr überzeugend, dass eine sogenannte Absicherungspflicht die effizientere und fairere Alternative wäre. Das Prinzip ist eigentlich simpel: Wer Strom an Kund:innen verkauft, muss auch sicherstellen können, dass er diesen Strom tatsächlich liefern kann – zum Beispiel über langfristige Terminmärkte oder eigene Erzeugung. Das Entscheidende dabei ist: Dieser Ansatz ist marktwirtschaftlich, kosteneffizient und technologieoffen. Er schließt nichts aus – keine Batteriespeicher, keine Wärmepumpen, keine dezentralen Lösungen. Und er setzt echte Marktanreize, statt den Staat zum Planer zu machen. Für uns als EWS ist das der Weg: Versorgungssicherheit durch Markt und Innovation – nicht durch Milliarden-Subventionen für fossile Kraftwerke. Denn das widerspricht allem, wofür wir stehen!
Es gibt außerdem Berichte, dass das Wirtschaftsministerium bei einem Energiekonzern nach Argumenten gesucht haben soll, die Batteriespeicher bei künftigen Ausschreibungen faktisch ausschließen. Was sagst Du dazu?
Reemt Heuke: Wenn das so stimmt, wie der Spiegel berichtet, dann hat das natürlich ein ordentliches Geschmäckle – um es mal vorsichtig zu sagen. Innovative, flexible Technologien wie Batteriespeicher werden in den geplanten Mechanismen ohnehin schon benachteiligt oder schlichtweg ausgeschlossen. Das ist für uns ein zentraler Kritikpunkt: Wer Innovation diskriminiert und gleichzeitig fossile Kapazitäten mit staatlichem Geld stützt, dreht die Energiewende in die falsche Richtung. Energiepolitik sollte das Gemeinwohl im Blick haben – und den Markt für die besten Lösungen offenhalten.
Titelbild: Gaskraftwerk | Adobe Stock (Asset-ID-Nr.: 47722785)