Zwei Windräder
Sonnencent

Das EWS Förderprogramm unterstützt die Erhaltung von drei bestehenden Windenergieanlagen in Belarus als Geldquelle für soziale Projekte vor Ort.

Windräder erhalten in Belarus

Seit vielen Jahren ist der 1991 gegründete Verein «Heim-statt Tschernobyl» ein Kooperationspartner der EWS und wird vom Förderprogramm «Sonnencent» unterstützt. Nach der Katastrophe von Tschernobyl leistete der Verein zunächst humanitäre Hilfe.

Ab 1992 errichtete er im Norden von Belarus, nahe der Grenze zu Litauen, zwei ökologische Dörfer, um Menschen aus dem Südteil des Landes, die durch Tschernobyl betroffen waren, in unverstrahltes Gebiet umsiedeln zu können. «Dafür haben wir, bis Corona kam, fast jedes Jahr im Sommer Workcamps veranstaltet, in denen deutsche und belarussische Freiwillige gemeinsam arbeiteten», erzählt Edeltraud Schill, die seit 1998 im Verein engagiert ist. Seit 2012 leitet sie die Geschäftsstelle in Holzgerlingen.

Bis 2014 sind so in den zwei neuen Dörfern Drushnaja und Starij-Lepel 58 neue ökologische und energieeffiziente Häuser aus Holz, Lehm und Schilfplatten entstanden. Mit der Fertigstellung der Dörfer war die Arbeit aber noch nicht getan. «Es war wichtig, die neuen Bewohner:innen in das gewachsene Umfeld der Nachbardörfer zu integrieren», so Schill. So entstanden zum Beispiel in der nahen Kreisstadt Lepel eine Einrichtung für Behinderte, in Starij-Lepel ein Haus der Begegnung und in Drushnaja ein Gemeinschaftshaus. 

Die ersten Windräder in Belarus

Weil «Heim-statt Tschernobyl» als deutscher Verein in Belarus nicht agieren konnte, wurden 1999 der belarussische Partnerverein «ÖkoBau» und dessen Tochterunternehmen «ÖkoDomStroj» gegründet, die, staatlich anerkannt, die Projekte vor Ort umsetzen. Neben den sozialen Projekten sind für «Heim-statt Tschernobyl» und seinem Partnerverein «ÖkoBau» auch die Themen Ökologie und Erneuerbare Energien sehr wichtig.

«Um in Belarus sichtbar zu machen, dass es zur gefährlichen Atomkraft auch sinnvolle Alternativen gibt, haben wir in der Nähe des Dorfes Drushnaja inzwischen drei Windräder errichtet», sagt Gero Müller, Vorstand des Vereins «ÖkoBau» und verantwortlicher Projektleiter. Die ersten beiden wurden bereits in den Jahren 2000 bis 2002 errichtet und überwiegend mit Spendengeldern finanziert. Es waren die ersten Windräder in Belarus. Beide waren gebraucht und kamen aus Deutschland. Das dritte Windrad, durch die GLS-Bank und deutsche Bürgen finanziert, folgte 2013.

«Die Windenergie spielt für uns eine herausragende Rolle, denn mit dem Verkauf des erzeugten Stroms finanzieren wir einen guten Teil unserer Projekte und sind so weniger abhängig von Spendengeldern», sagt Gero Müller. Deshalb sei es ungemein wichtig, diese so lange wie möglich zu erhalten. Um dies zu gewährleisten, unterstützt das Förderprogramm «Sonnencent» aktuell ein Projekt der Partnervereine.

«Die beiden Vereine leisten in Belarus unverzichtbare Arbeit auf mehreren Ebenen. Zum einen helfen sie Betroffenen der Katastrophe von Tschernobyl, zudem fördern sie pragmatisch und lösungsorientiert Ökologie und Erneuerbare Energien vor Ort. Genauso wichtig ist aber, dass sie mit den Projekten auch die Gemeinschaftlichkeit und den Zusammenhalt der Bevölkerung vor Ort stärken», sagt Nadine Hoffmann-Hauser von unserem Förderprogramm «Sonnencent».

Wartungsschulungen und Rettungsübung

Das aktuelle Förderprojekt umfasst mehrere Arbeitspakete. Zum einen wurden belarussische Mitarbeiter:innen in Deutschland bei der Firma wind@work geschult, die auf die Wartung von Windkraftanlagen spezialisiert ist.

«Der große Vorteil ist, dass sie dann vor Ort die Wartungen selbstständig durchführen können», erklärt Gero Müller. Seit dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine ist der Zugang von Deutschland nach Belarus erheblich erschwert, vor allem, weil es keine Flüge mehr gibt. Das bedeutet, dass Fachkräfte aus Deutschland nicht eben mal schnell kommen und eventuelle Schäden beheben können.

Ein weiterer Bestandteil des Projektes ist die Beschaffung von wichtigen Ersatzteilen und Materialien wie zum Beispiel Getriebeöl für die Rotoren und Softwarekomponenten. Zum Dritten wurden die Mitarbeiter:innen von «ÖkoDomStroj» in Rettungsmaßnahmen durch eine deutsche Fachkraft für Arbeitssicherheit geschult. «Geprobt wurde vor allem das Ablassen von Verletzten von der Kanzel der Windkraftanlage», so Müller.

Als letzten Projektbestandteil soll noch ein Erklärfilm über Windkraftanlagen gedreht werden. «Es ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit, junge Menschen an Schulen und Universitäten über erneuerbare Energien zu informieren, um bei ihnen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es zukunftsfähige Alternativen zur Atomenergie gibt», sagt Müller. Dazu soll der Film einen Beitrag leisten.

Auch in den aktuell schwierigen Zeiten sind die beiden Vereine weiter sehr aktiv. «Wir wollen auch 2023 ein Workcamp in Belarus durchführen», sagt Edeltraud Schill. Dann sollen neben belarussischen und deutschen Freiwilligen auch ukrainische Freiwillige dabei sein.

Zu tun gibt es weiterhin genug. In einer kleinen Fabrik werden Schilfmatten für die Häuserdämmung produziert. Dort sollen die Lagerhäuser saniert werden. Außerdem will das internationale Team einem belarussischen Heim für psychisch kranke Menschen helfen, eine Toilette zu installieren. «ÖkoDomStroj» arbeitet außerdem auch an ökologischen Pflanzenkläranlagen, um die Umweltproblematik durch versickernde Abwässer zu entschärfen.

«In Belarus gibt es noch unendlich viel zu tun», so Edeltraud Schill, «aber wir freuen uns auch wirklich sehr darauf, die Menschen dort wiederzusehen und mit ihnen Gemeinschaft zu erleben.»

Das Förderprogramm «Sonnencent»

Das Förderprogramm «Sonnencent» steht für Bürgerenergiewende, Energiegerechtigkeit und Klimaschutz. Denn alle Tarife der EWS enthalten den «Sonnencent» als Förderanteil. Damit unterstützen wir Vereine und Initiativen bei ihren vielfältigen Projekten zur Energiewende. Sie haben einen konkreten Projektvorschlag? Dann bewerben Sie sich! Alle Informationen zu unserer Projektförderung finden Sie auf unserer Webseite:

ews-schoenau.de/sonnencent