Gruppenfoto von sieben Personen nebeneinander.
Veranstaltung

In Freiburg wurden zum achten Mal die MakeItMatter-Awards vergeben – an junge Unternehmen mit guten Ideen für die Welt von morgen.

Mach's besser!

Bei den EWS fragen wir uns täglich: Wie kann man die Welt besser machen? Fossilen Strom und Atomstrom durch Ökostrom zu ersetzen, ist dabei unser Hauptanliegen. Doch es gibt noch so viele weitere Baustellen zu bearbeiten, wenn man weg von unserer rücksichtslosen Konsum- und Wirtschaftsweise hin zu einem Leben innerhalb der planetaren Grenzen gelangen will. Das Gute ist: Viele Menschen arbeiten bereits daran. Einige davon unterstützen wir mit unserem Förderprogramm «Sonnencent».

Manche dieser Baustellen wollen indes erst noch erschlossen werden. Man muss nur genau hinsehen: Wo lässt sich etwas besser machen als bisher? Und wie? 

Diese Fragen stehen am Anfang vieler Unternehmensgründungen. Denn es gibt so viele Menschen mit zündenden Ideen zur Weltverbesserung, die nur darauf warten, verwirklicht zu werden.

Darum haben wir 2019 gemeinsam mit dem Freiburger Programm Smart Green Accelerator den MakeItMatter-Award ins Leben gerufen. Dieser prämiert junge Unternehmensneugründungen mit tollen Ideen für morgen und gibt ihnen etwas finanzielle Starthilfe. Er richtet sich dezidiert an junge, innovative Unternehmen in der Startphase, die einen «triple impact» aufweisen, also drei Kriterien erfüllen: ökologisch sinnvoll, sozial gewinnbringend wie auch wirtschaftlich tragfähig.

Am 24. September wurde der Preis im Rahmen des «GreenTech Capital Forum» entsprechend schon zum achten Mal verliehen. 

Über 90 sehr vielversprechende Bewerbungen sind dieses Jahr in der Bewerbungsphase eingegangen. Unter all diesen eine Top 6 und dann schließlich die finalen Preisträger:innen zu bestimmen, stellte die siebenköpfige Fachjury vor eine knifflige Aufgabe. Doch am Ende gab es leider nur drei Plätze auf dem Treppchen. Wir stellen euch die diesjährigen Gewinner-Startups vor:

Platz 1: Ligaro

Fossilfreie und ungiftige Klebstoffe

LIGARO wurde 2026 von Florentine Adams, Joana Kappes und Mona Körding in Hannover gegründet. Die drei Frauen wollten sich nicht damit abfinden, dass industrielle Klebstoffe, zum Beispiel für Baustoffe, Möbel oder Verpackungen, bis heute zum großen Teil aus Erdöl hergestellt werden und darüber hinaus je nach System krebserregendes Formaldehyd enthalten können. Sie entwickelten mit ihrem Team Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen, die fossilfrei hergestellt werden und industriell einsetzbar sind. Die Gründerinnen haben für ihre Lösungen zwei Patentanmeldungen eingereicht.

«Bis jetzt ist verarbeitetes Holz, zum Beispiel für Möbel, wegen der verwendeten konventionellen Klebstoffe nicht recyclebar. Unser großes Ziel ist es, mit den von uns entwickelten Klebstoffen verarbeitetes Holz vollständig recyclebar zu machen.» 

Joana Kappes, CEO von LIGARO

Die junge Unternehmerin freut sich sehr über die Auszeichnung: «Das Preisgeld werden wir dafür verwenden, eine größere Menge unseres Klebers herzustellen und bei unseren ersten Kunden vor Ort im Arbeitsumfeld umfassend zu testen.»

Platz 2: Qurie

Kühlen ohne Kompressoren und Kältemittel

Das junge Unternehmen Qurie hat eine neue Generation der Kältetechnik entwickelt, die ohne klimaschädliche Kältemittel auskommt. Dafür nutzen die Gründer:innen elektrokalorische Materialien, zumeist spezielle Keramiken oder Polymere. Diese verändern ihre Temperatur unter dem Einfluss von elektrischen Feldern. Auf diese Weise werden Temperatursysteme effizienter, leiser und nachhaltiger. Die Elektrokalorik kann zum Heizen und Kühlen verwendet werden und Qurie ist angetreten, diese zu einer weltweit führenden Technologie für Klimaanlagen und Wärmepumpen zu entwickeln. Das Unternehmen wurde 2026 mit einem neunköpfigen Team aus dem Fraunhofer IPM in Freiburg heraus gegründet.

«Wir wollen mit unserer Technologie den Wärme- und Kältemarkt revolutionieren. Die herausragende Neuerung ist es, dass wir den Kompressor überflüssig machen, indem die Kälte oder Wärme direkt elektrisch erzeugt wird. Das macht den Prozess wesentlich effizienter, leiser und nachhaltiger.»

Dr. Christian Vogel, CEO von Qurie

Platz 3: ReWorth Blocks

Leichtbausteine aus Bauschutt

ReWorth Blocks aus München setzt mit seiner ressourceneffizienten Lösung im Bausektor an. Das junge Team, bestehend aus Antonia Oschmann, Esther Heyse und Oskar Leibnitz, hat in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik einen Porenbetonblock entwickelt, der zu mehr als 40 Prozent aus mineralischen Bauabfällen besteht. Der sogenannte ReBlock hat eine hohe Dämmleistung und ist für den tragenden und nicht tragenden Wandbau konzipiert. Die Mission der Gründer:innen ist es, im Bausektor die Kreislaufwirtschaft zu etablieren, um die endlichen Ressourcen nicht zu verschwenden. Gleichzeitig sind die Bausteine von ReWorth erschwinglich und einfach in bestehende und bewährte Bauprozesse integrierbar.

«Was heute als Bauschutt gilt, ist für uns Rohstoff: Aus gemischten mineralischen Abbruchfraktionen stellen wir Leichtbausteine her. Damit entsteht im Hochbau eine Wertschöpfungskette, die es bisher nicht gab» 

Esther Heyse, CEO von ReWorth Blocks

Kreativität ist eine erneuerbare Ressource

Nach der Preisverleihung, stilecht mit Konfettiregen, folgte der gemütliche Teil des Abends: Bei Getränken, Livemusik und ziemlich leckerem vegan/vegetarischem Essen wurde geplaudert und das Netzwerk erweitert. Schließlich ging es beim Green Tech Capital Forum darum, aufstrebende Start-ups mit Investoren zusammenzubringen, um den guten Ideen auf die Startbahn zu helfen. Und wer weiß, vielleicht startete an diesem Abend die Geschichte eines künftigen Gewinnerunternehmens? 

Wir sind jedenfalls jedes Jahr aufs Neue begeistert von der Leidenschaft, der Kreativität und dem Einfallsreichtum der vielen Jungunternehmen. Die bessere Welt, sie kommt erst, wenn wir daran arbeiten.