#WirSparenDas

In sozialen Netzwerken kursiert der Mythos, dass Fahren per E-Bike klimafreundlicher sei als Radeln mit Muskelkraft. Was ist da dran?

Klimabilanz: Faulheit For Future?

Sie treiben gerne Sport? Sie alte Umweltsau!

Wissen Sie denn nicht, dass Sie damit dem Klima schaden!?

Denn, so erfährt man in einer Berechnung, die derzeit in den sozialen Netzwerken herumgereicht wird, wer sich körperlich anstrengt, muss dem Körper mehr Energie zuführen, und auch diese Energie hat Klimafolgen.

Beispiel: Eine Stunde zügiges Joggen (10 km) benötigt etwa 600 Kalorien oder rund 1,2 kg CO2Äq, wenn die Energie danach wieder dem Körper zum Beispiel durch fleischreduzierte Mischkost zurückgeführt wird.

Wer sich sportlich intensiv betätigt oder körperlich anstrengende berufliche Tätigkeiten absolviert, benötigt deutlich mehr Kalorien als jemand, der dies nicht tut. Dieser Unterschied, abhängig von der konkreten Ernährung, dem Stoffwechsel, Geschlecht, Gewicht sowie weiteren Rahmenbedingungen, kann zusammen locker zu einem 400 kg erhöhten CO2Äq-Ausstoß pro Kopf und Jahr führen.

Keine Bewegung!

Eine Stunde Pedelec/E-Bike-Fahren verbraucht, abhängig von konkreten Rahmenbedingungen, etwa 250 Kalorien, die mit 500 Gramm CO2Äq zu Buche schlagen. Dieselbe Zeit auf einem normalen Fahrrad (20 km) kostet je nach Körpergewicht und sonstigen Rahmenbedingungen gut 300 Kalorien oder 600 Gramm CO2Äq. Wer also weniger Kraft aufwenden muss, hat nach dieser Betrachtungsweise also Energie gespart und 100 g CO2 vermieden. Demnach wäre Fahrrad per Muskelkraft im Vergleich zum Pedelec das umweltschädlichere Fortbewegungsmittel. Wäre es in derselben Logik nicht sogar noch umweltfreundlicher, gleich klimaneutral mit dem E-Auto zu fahren?

Wenn Sie eh Sportmuffel sind, können Sie sich ob dieser Nachricht freuen: Sie sind nicht faul, Sie betreiben aktiv Klimaschutz!

«Kommst du mit zum Sport?»
«Nee, ich will Energiesparen!»

Von Faultieren lernen heißt siegen lernen! Umweltbewusstes Verhalten war noch nie so einfach … gäbe es da nicht auch einen Haken.

Nämlich: Diese Rechnung geht nicht auf. Ursprung ist wohl eine amateurwissenschaftliche Berechnung eines Twitter-Nutzers, der eine bessere Klimabilanz fürs Dieselauto als fürs Fahrrad ermittelt haben wollte. Zum einen baut diese von vorneherein auf fragwürdigen Annahmen auf, zum anderen lässt sie die Klima-Gesamtbilanz der einzelnen Fortbewegungsarten ganz außer Acht. Obwohl die Behauptung schon 2019 widerlegt wurde, taucht sie bis heute noch in diversen Social-Media-Postings auf.

Auf die Gesamtbilanz kommt es an

Der Bedarf an «grauer Energie» (Energie, die für die Herstellung und den Betrieb eines Produkts aufgewendet wird) ist für E-Bikes deutlich höher als der für ein normales Fahrrad. Letzteres ist somit in einer umfassenden Gesamtbilanz klimafreundlicher als das E-Bike. Elektrische Autos verlangen bei der Herstellung noch viel mehr Ressourcen und eingesetzte Energie als Pedelecs. Den Klimavorteil haben sie nur im Vergleich mit einem Auto mit Verbrennungsmotor.

Guter Sport, schlechter Sport

Es gibt viele Faktoren, die über den Klima-Impact von Sport entscheiden. Beispielsweise, ob dafür ein ressourcenhungriges Sportgerät gebraucht wird. Ob dafür weite Wege zurückgelegt werden, wie fürs Skifahren. Wie diese Wege zurückgelegt werden – per Zug oder PKW? Ob dafür eine energieaufwendige Infrastruktur betrieben werden muss, wie etwa Eislaufhallen, Schwimmhallen oder Skilifte. Und viele weitere.

Zudem dürfen die gesundheitsförderlichen Aspekte von Sport nicht unter den Tisch fallen. Wir leben in einer Überflussgesellschaft, in der dem Körper schnell mal mehr Kalorien zugeführt werden als er (ver)braucht – die Übergewichts-Statistiken zeigen dies nur allzu deutlich. Vor dieser Ausgangslage ist ein Zuviel an Sport das geringste Problem, um das wir uns Sorgen machen müssten.

Sparen am richtigen Ende


Der menschliche Energieverbrauch ist also ein Bereich, bei dem es recht unsinnig ist, ihn mit dem CO2-Rechner zu hinterfragen. Jede Tätigkeit, selbst das stille Rumsitzen, benötigt einen Grundeinsatz, etwa 60 Kalorien pro Stunde an Kalorien/Energie und verursacht somit letztlich auch CO2. Die gute Nachricht: Diese Mengen sind vollkommen irrelevant, besonders im Vergleich zu großen Emittenten wie Kohlekraftwerken. Sie haben viele Möglichkeiten, Ihr Dasein auf diesem Planeten klimaverträglich zu gestalten, und sich sogar für eine bessere Zukunft einzusetzen. Obige Grafik zeigt ein paar der Handlungsfelder auf, die die größte Auswirkung auf den persönlichen CO2-Fußabdruck haben. Und siehe da: Das Fahrrad ist ein großer Gewinn für den Klimaschutz, gerade wegen dessen großer Bedeutung für die Verkehrswende.

Und wenn Sie gerne Sport treiben, können Sie dies ohne jeden Gewissensbiss weiter tun: Wenn Sie Ihren dadurch erhöhten Kalorienbedarf öfter mal auf pflanzlicher Basis decken, haben Sie dem Klimaschutz unterm Strich mehr genutzt als geschadet. 

Fotos von Pixabay: tookapic, skitterphoto

#WirSparenDas

Lassen Sie uns gemeinsam Energie sparen, das Klima schützen – und Solidarität leben! Wir können der aktuellen Energiekrise – und auch künftigen – nur dann aus dem Weg gehen, wenn wir den Verbrauch fossiler Energien so schnell wie möglich reduzieren und gemeinsam, wo immer es geht, Energie einsparen. Wir wollen das mit Ihnen gemeinsam angehen!

Je mehr Menschen mitmachen, desto größer wird die Spendensumme, mit der die EWS das bundesweite Sozialprojekt «Stromspar-Check» gegen Energiearmut unterstützen.

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