Die laut geäußerten Gedankenexperimente der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die feste Einspeisevergütung für PV-Anlagen zu streichen, haben für viel Verunsicherung gesorgt. Denn damit würde ein Instrument beerdigt, das wesentlich zum Siegeszug der Photovoltaik der vergangenen Jahre beigetragen hat.
In einer von uns beauftragten Studie haben wir dargestellt, dass die Pflicht zur Direktvermarktung den benötigten Zubau der Photovoltaik bremsen würde – mehr dazu lesen Sie hier. Die Verunsicherung sorgt bereits dafür, dass der Ausbau ins Stocken gerät. Diese Stimmungslage betrifft in der Praxis viele Menschen, die konkret vor der Frage stehen, ob sie noch auf Dach-PV setzen sollen – und wenn ja, wie viel.
Mit solchen Fragen kennt sich Johannes Jung von der Energieagentur Regio Freiburg bestens aus. Der DGS-zertifizierte Solarberater ist täglich mit Menschen in Kontakt, die sich mit konkreten Fragen zu ihrem Anschaffungsvorhaben an ihn wenden, unter anderem auch im Rahmen der EWS-Energieberatungs-Hotline «Ruf die Sonne an». Somit also der perfekte Ansprechpartner, um sich nach der aktuellen Lage für Heim-PV zu erkundigen.
Interview
Wenn Leute dich fragen, ob sich eine PV-Aufdachanlage lohnt – antwortest du immer mit „ja“ oder stellst du erst mal Gegenfragen?
Johannes Jung: Ja, eine Aufdachanlage lohnt sich in den allermeisten Fällen. Selbst auf einem Nord-Dach erhält man heutzutage durch stetige Verbesserungen in der Modultechnologie starke 70 Prozent der maximal möglichen Jahresernte.
Entscheidend ist aber auch die Verbrauchssituation – je mehr Eigenverbrauch anliegt, desto wirtschaftlicher ist eine PV-Anlage. Im Durchschnitt unserer Beratungen sehen wir bei Mehrparteienhäusern etwa 8-12 Jahre Amortisation und bei Einfamilienhäusern 8-14 Jahre Amortisation. Wenn man da eine betriebswirtschaftliche Rendite berechnen würde, so übertrifft das eigene PV-Dach auch in 2026 einige Formen der sonstigen Geldanlage.
Mit welchen Kosten muss man ungefähr rechnen, runtergerechnet auf den Quadratmeter Dachfläche?
Wir beobachten im Markt für mittelgroße Hausdach-Anlagen Anschaffungspreise von etwa 1.300 Euro/kWp für PV-Anlagen schlüsselfertig und etwa 400-500 Euro/kWh für Speicher. Für ein mittleres Einfamilienhaus sind das manchmal nur 15.000 bis 20.000 Euro. Viele unserer Beratungskund:innen sind überrascht, wie die Preise gesunken sind, und wie einfach eine weitreichende Energie-Autarkie in den eigenen vier Wänden machbar ist.
Wenn die nächste Reform des EEG die feste Einspeisevergütung beendet – lohnt es sich immer noch, sich eine PV-Anlage aufs Dach zu bauen? Genau das ist ja die Argumentation der Wirtschaftsministerin, die feste Vergütung zu streichen.
Ja, das würde sich in den meisten Fällen immer noch lohnen. Der Eigenverbrauch ist im Jahr 2026 die wichtigste Quelle der Wirtschaftlichkeit. Aber: Wenn man anfinge, PV-Anlagen nur noch auf den Eigenverbrauch hin zu optimieren und deswegen durch kleinere Anlagen nicht mehr die gesamte Dachfläche zu nutzen, dann ist das Ergebnis persönlich zwar wirtschaftlich, aber für die Allgemeinheit gesellschaftlich nicht optimal. Denn günstiger PV-Strom im Netz macht die Stromkosten für die Allgemeinheit günstiger, nicht teurer.
Empfiehlst du die Anschaffung eines Batteriespeichers, bzw. wann empfiehlst du sie?
Je höher der mögliche Eigenverbrauch ist, desto sinnvoller ein Batteriespeicher – gerade bei den aktuell stark sinkenden Preisen. Mit einem Großverbraucher wie einer Wärmepumpe oder Elektroauto ist ein Batteriespeicher wirtschaftlich meist sinnvoll. Gleichzeitig wird das Thema Bidirektionales Laden – das bedeutet, den großen 50+ kWh Speicher im Elektroauto auch als Solar-Heimspeicher für den Haushalt zu nutzen – zukünftig eine interessante Alternative werden, und umweltverträglichere Batterietechniken zeichnen sich schon am Horizont ab.
«Aus unserer unabhängigen Sicht ist das Frühjahr 2026 ein sehr guter Moment für eine eigene PV-Anlage.»
Welche Unterstützung bekommt man für die Anschaffung PV/Speicher aktuell noch?
Eine spürbare Unterstützung ist die weiterhin geltende Reduktion auf 0% Umsatzsteuer/MwSt. (statt 19%), die man auf der Rechnung des Solarteurs sehen kann. Diese gilt nicht nur für die PV-Technik, sondern auch für die Handwerksleistung. Gleichzeitig ist momentan noch die Einspeisevergütung von etwa 7 Cent/kWh eine verlässliche Ertragsquelle, da diese ab Inbetriebnahme für 20 Jahre lang fix gilt.
Manche sagen, das sei ja viel weniger als in vorigen Jahrzehnten – das stimmt zwar, aber durch die stark gesunkenen Anschaffungspreise lohnt sich heutzutage eine PV-Anlage je nach Einzelfall oft deutlich mehr als zu vielen früheren Zeitpunkten. Aus unserer unabhängigen Sicht ist das Frühjahr 2026 ein sehr guter Moment für eine eigene PV-Anlage auf dem Einfamilienhaus oder Mehrparteienhaus.