Windpark in Thomasburg
Energiepolitik

Öl und Gas werden teurer – ausgelöst durch einen Krieg, den wir nicht führen, aber trotzdem bezahlen. Höchste Zeit, die Abhängigkeit von fossilen Energien zu beenden.

Energiesouveränität: Schluss mit der Abhängigkeit von fossilen Energien!

Seit Ende Februar 2026 griffen Israel und die USA gemeinsam Ziele im Iran an. Der Iran konterte mit Angriffen auf Verbündete der USA in der Region und der Sperrung der Straße von Hormus – inzwischen blockieren die USA die Meerenge selbst. Trotz kurzzeitiger Feuerpause bleibt die Lage hoch angespannt. Die Folge: Die Energiemärkte geraten erneut ins Wanken. Ölpreis, Gaspreise, Benzin – alles zieht an. Wer ein wenig zurückschaut, kennt das Drehbuch. Golfkrieg, Irakkrieg, Ukrainekrieg – jedes Mal dasselbe Muster, jedes Mal dieselbe Erkenntnis: Wer fossile Energie importiert, ist erpressbar. Und wir importieren immer noch massenhaft. 

Das eigentliche Problem ist eben diese strukturelle Abhängigkeit, die wir endlich überwinden müssen. Dass das auch die breite Bevölkerung so sieht, zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft: 78 Prozent der Deutschen fühlen sich durch die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten bedroht – und mehr als zwei Drittel wünschen sich einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren als Antwort darauf.

Öl und Gas als Druckmittel – nicht nur in Kriegszeiten

Was sich gerade abspielt, ist kein Betriebsunfall. Und es braucht nicht einmal Krieg, um die Märkte zu erschüttern: OPEC-Länder drosseln Fördermengen nach geopolitischem Kalkül. Einzelne Exportstaaten knüpfen Lieferungen an politische Bedingungen. Selbst Unwetter oder Havarien an Terminals und Pipelines reichen, um die Versorgung empfindlich zu stören. Fossile Energie ist eben keine sichere Ware – sie ist ein machtpolitisches Instrument. 

Ob Krieg, politisches Kalkül oder schlichte Marktmacht, der gemeinsame Nenner ist immer derselbe: Wer fossile Energie kaufen muss, ist denjenigen ausgeliefert, die sie verkaufen. Wir überweisen dafür Jahr für Jahr Milliarden an Länder, deren Interessen unseren nicht selten diametral entgegenstehen – und finanzieren damit fragwürdige Regime. Das ist der Preis fossiler Abhängigkeit. Die Konsequenz kann nur eine sein: Wir müssen uns dauerhaft davon lossagen.

Könnte das auch den Strompreis treffen?

Viele unserer Kund:innen fragen sich zu Recht: Hat ein Krieg im Nahen Osten auch Auswirkungen auf meinen Strompreis? Die Antwort lautet: nicht zwangsläufig sofort – aber mittelfristig ist das durchaus möglich. Strom wird an der Börse nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip bepreist: Alle verfügbaren Kraftwerke werden nach ihren Produktionskosten gereiht – die günstigsten zuerst. Wind- und Solaranlagen stehen ganz vorne, weil Sonne und Wind keine Rechnung schicken. Reicht das nicht aus, um die gesamte Nachfrage zu decken, kommen konventionelle Kraftwerke dazu. Und das teuerste, das gerade läuft, bestimmt den Preis für alle – auch für den Ökostrom. Das sind nach wie vor Gaskraftwerke. Steigt der Gaspreis dauerhaft, schlägt das früher oder später auch auf den Strommarkt durch. 

Erste Signale sind bereits an der Strombörse EEX sichtbar: Die Preise für kurzfristige Lieferungen – also etwa Strom für den nächsten Tag – haben deutlich angezogen. Auch die Kontrakte für mittelfristige Lieferungen, die die Quartale bis Ende März 2027 abdecken, zeigen eine spürbar steigende Tendenz. Für Lieferzeiträume bis 2028 oder 2029 sind die Ausschläge bislang noch vergleichsweise gering, aber bei anhaltendem Konflikt dürfte sich der Druck auch dort bemerkbar machen. Für Kund:innen, die – wie bei den EWS – ihren Strom langfristig im Voraus beschafft bekommen, bedeutet das zunächst keine unmittelbaren Mehrkosten. Aber: Auch das ist auf Dauer nicht gesichert.

Erneuerbare für Energiesouveränität

Kurzfristige Entlastungsmaßnahmen mögen in einer angespannten Marktlage nötig sein – solange sie gezielt wirken und nicht auf Kosten der Steuerzahler:innen in die Taschen der Konzerne fließen. Aber sie lösen das Problem nicht grundlegend, sie verschieben es. Subventionen auf fossile Energie setzen die falschen Anreize, sie zementieren genau die Abhängigkeit, aus der wir herausmüssen. Dabei zeigt die aktuelle Lage auch, was schon funktioniert: Im ersten Quartal 2026 deckten erneuerbare Energien bereits rund 53 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Jede dieser Kilowattstunden aus Wind, Sonne und Wasser ist eine, die nicht aus dem Ausland importiert werden muss und die den Gaspreis nicht bestimmt. 

Ohne den bereits erreichten Ausbau wären die Auswirkungen der aktuellen Marktentwicklung auf den Strommarkt noch deutlich spürbarer. Die Energiewende federt diese Entwicklung also schon heute ab – und das, obwohl sie noch längst nicht abgeschlossen ist. Die einzige echte Antwort auf fossile Abhängigkeit ist daher Energie, die wir selbst erzeugen und die niemand als Druckmittel gegen uns einsetzen kann. Jede neue Windkraftanlage, jede Solaranlage auf dem Dach, jede Bürgerenergiegenossenschaft ist ein Stück weiterer fossiler Unabhängigkeit. 

Damit dieser Ausbau nicht durch politische Fehlentscheidungen ausgebremst wird, haben wir etwa vor den Risiken des geplanten Endes der festen Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen gewarnt – denn gerade die dezentrale, bürgernahe Energieerzeugung ist das Rückgrat einer echten Energiesouveränität. Das gilt nicht nur für Strom. Auch im Wärme- und Verkehrsbereich ist der Umstieg längst überfällig. Wärmepumpen und klimafreundliche Wärmenetze machen Haushalte unabhängig von Heizöl und Gas. Elektroautos entkoppeln Mobilität vom Ölpreis – Länder wie Norwegen und Dänemark zeigen, wie weit das gehen kann, wenn die Politik klare Weichen stellt. Ein attraktiver, günstiger öffentlicher Nahverkehr nimmt Millionen Menschen den Druck vom teuren Tankstellenbesuch und senkt gleichzeitig den Energieverbrauch insgesamt. Energiesouveränität entsteht nicht durch neue Lieferverträge mit dem nächsten Autokraten, sondern durch den konsequenten Umbau unseres gesamten Energiesystems. Das ist heute nicht mehr nur Klimapolitik – es ist elementare Sicherheitspolitik.

Was jetzt politisch geboten ist

Die gute Nachricht: Steigende Gaspreise müssen sich nicht zwingend in steigenden Strompreisen für Endverbraucher:innen niederschlagen. Die Politik hat Instrumente, gegenzusteuern – wenn sie diese denn nutzt. Was jetzt dringend gebraucht wird: der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien. Lange Genehmigungsverfahren, bürokratische Hürden und politische Halbherzigkeit kosten Zeit, die wir schlicht nicht haben. Hier muss im Bundeswirtschaftsministerium dringend ein Umdenken stattfinden

Gerade in Zeiten steigender Energiepreise brauchen Menschen und Unternehmen klare Signale und Investitionssicherheit für den Umstieg auf erneuerbare Energien. Hinzu kommen direkte Entlastungen als ein kurzfristig wirksamer Hebel: Rund die Hälfte des Strompreises für Endverbraucher:innen wird durch staatlich regulierte Abgaben, Umlagen und Entgelte bestimmt – also durch politische Entscheidungen, die jederzeit geändert werden könnten. Eine Senkung der Stromsteuer, die im Koalitionsvertrag bereits angekündigt wurde, steht noch immer aus. Das wäre gerade jetzt das direkteste Mittel, um Privathaushalte und Gewerbetreibende zu entlasten, und sollte nicht länger aufgeschoben werden. Zudem würde eine solche Maßnahme das richtige Signal für den Umstieg in die elektrische Zukunft mit Wärmepumpe und E-Auto setzen.

Gaspreisdeckel oder Debatten über eine Rückkehr zur Atomkraft lenken davon ab und sind der falsche Weg. Insbesondere die viel beschworenen Mini-AKW sind Scheinlösungen, denn faktisch gibt es solche Kraftwerke auf Jahre nicht, ein Endlager ist nicht in Sicht und teuer ist dieser Weg ebenfalls. Die starken Preissteigerungen im Energiebereich aus dem Winter 2022/23 haben gezeigt, dass mit Verhaltensanpassungen kurzfristig viel Energie eingespart werden kann und langfristig erneuerbare Lösungen gesellschaftlich gewünscht sind. Diese Bereitschaft wächst nur mit vertrauensbildenden Maßnahmen statt energiepolitischem Zickzackkurs.

Auch der CO₂-Preis gehört in diesen Kontext, denn dieser steht gerade unter Druck: Angesichts steigender Spritpreise fordern bereits erste Stimmen aus der Politik, wie etwa Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU), Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), die CO₂-Bepreisung auszusetzen. Das ist aus unserer Sicht der falsche Weg. Denn der CO₂-Preis macht, richtig ausgestaltet, erneuerbare Energien gegenüber fossilen Energien schrittweise wettbewerbsfähiger. Statt ihn aus kurzfristigen Erwägungen zu opfern, wäre es sinnvoller, die längst versprochene Entlastung endlich umzusetzen: Ein Klimageld, das die CO₂-Einnahmen direkt an alle Bürger:innen zurückgibt, würde spürbare Entlastung schaffen – ohne vulnerable Haushalte zu überfordern und ohne den Anreiz zum Umstieg auf klimafreundliche Alternativen zu untergraben.

Unser Strom kommt nicht aus Krisenregionen

Als die EWS die Energieversorgung in Schönau übernahmen, war die Grundidee simpel: Strom soll aus der Region kommen, sauber sein und Menschen gehören – nicht Konzernen. Diese Idee ist heute aktueller denn je. Wer auf erneuerbare Energien setzt, macht sich frei von Preisschwankungen, die durch Konflikte, politisches Kalkül oder Marktmacht weit entfernter Akteur:innen entstehen. Frei von Abhängigkeiten, die uns in moralische Widersprüche zwingen. Und frei, eine Energiezukunft zu gestalten, die uns wirklich gehört. Das nächste fossil getriebene Preishoch kommt bestimmt. Ob wir dann wieder überrascht tun oder endlich vorbereitet sind, entscheidet sich jetzt. Die EWS kämpfen seit über 30 Jahren für genau diesen Weg. Und wir hören nicht damit auf. Jetzt hier Mitglied in unserer Genossenschaft werden!

18. April: Energiewende verteidigen

Die Energiewende steht unter politischem Beschuss – doch quer durch die Gesellschaft formiert sich Widerstand. Am 18. April bringen ihn Demos für die erneuerbaren Energien auf die Straße: in Berlin, Hamburg, Köln und München. Seid dabei – für saubere Energie, für Unabhängigkeit, gegen fossile Lobbypolitik!

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