Energiepolitik

Die Preisexplosion bei fossilem Gas lässt auch die Strompreise in die Höhe steigen. Wir erklären, warum davon leider auch klimabewusste Bürger:innen betroffen sind, die Ökostrom beziehen.

Warum steigt in der fossilen Energiekrise auch der Preis für Ökostrom?

Es ist eine verflixte Geschichte. Viele klimabewusste Bürgerinnen und Bürger sind schon seit Jahren bei echten Ökostromanbietern, um gesichert Strom aus 100 Prozent Erneuerbaren Energien zu beziehen. Da ist es nachvollziehbar, dass diese in der aktuellen Situation, in der die Preisexplosion bei fossilem Gas auch die Strompreise in die Höhe schnellen lässt, die Erwartung haben, dass sie als Bezieher:innen von Ökostrom nicht betroffen sein sollten. Warum das leider nicht so ist, wollen wir hier erklären.

Preisbildung durch Merit-Order-Prinzip

Ganz übergeordnet lässt sich sagen, dass der Strompreis, wie viele andere Preise auch, in Europa den Gesetzen des freien Marktes folgt. Der wesentliche Mechanismus hinter der Preisbildung am Strommarkt ist die sogenannte Merit-Order. Vereinfacht gesprochen gruppiert diese alle zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Stromerzeugungskapazitäten entlang ihrer kurzfristigen Produktionskosten, das sind insbesondere die Brennstoffkosten. Die Fachleute sprechen hier von den Grenzkosten der jeweiligen Erzeugungstechnologie. Da bei der Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Wasser keine Brennstoffkosten anfallen, werden diese Anlagen in der Regel immer zuerst genutzt, um die Stromnachfrage zu einem bestimmten Zeitpunkt zu decken.

Erst wenn die Stromnachfrage nicht ausreichend durch Erneuerbare gedeckt werden kann, kommen konventionelle Kraftwerke (AKW, Stein-/Braunkohle, Gas) zum Zuge. Umso wichtiger ist ein beschleunigter Zubau von Erneuerbarer Kraftwerksleistung, um teure konventionelle Kraftwerke zu verdrängen. Wir sind hier noch nicht schnell genug, aber immerhin auf einem guten Weg: Im Schnitt lassen sich heute bereits knapp 50 Prozent der Nachfrage durch erneuerbare Stromproduktion bedienen. Mehr Tempo beim Ausbau hilft also nicht nur dabei, unsere Klimaschutzziele zu erreichen, sondern führt auch zu günstigeren Preisen im Markt.

Gaskraftwerke sind teuerste Stromproduzenten

Die Krux ist nämlich, dass der Strompreis für alle Kraftwerke sich immer an dem Kraftwerk orientiert, das eingeschaltet wird, um die letzte Stromnachfragerin zu einem bestimmten Zeitpunkt zu bedienen. Das heißt, dass immer das teuerste Kraftwerk den Preis auch für alle anderen vorgibt. Und zu den teuersten Stromproduzenten gehörten schon immer die Gaskraftwerke. Mit der kriegsbedingten Preisexplosion beim Erdgas sind deren Kosten noch einmal drastisch angestiegen und haben so zugleich die Stromerzeugung insgesamt verteuert.

Ein direkter Markteingriff zur Behebung dieses Problems ist mit sehr vielen Herausforderungen verbunden und kurzfristig nicht ratsam. Gaskraftwerke sind zudem sehr flexibel und können schnell an- und abgeschaltet werden, sodass immer genau die Strommenge im Netz ist, die gerade nachgefragt wird. Diese Flexibilität auf der Angebotsseite ist eminent wichtig für ein Stromsystem, das auf eine wachsende Einspeisung aus volatilen Erzeugungsquellen wie Sonne und Wind setzt.

Börsenstrompreis als wichtigste Orientierungsmarke

Es lohnt darüber hinaus ein Blick auf die europäische Strombörsen, zum Beispiel die EEX in Leipzig, um das Zustandekommen des Strompreises noch besser zu verstehen. Denn dort treffen Stromanbieter (z.B. Kraftwerksbetreiber), Stromabnehmer (z.B. Energieversorger) und Stromhändler (z.B. Banken) aufeinander. Gehandelt wird dort der Strom in Lieferverträgen mit ganz unterschiedlichen Laufzeiten. Das können Strommengen direkt für die nächste Stunde, aber auch Verträge auf Jahre im Voraus sein.

Der Preis über die Merit-Order bildet sich hauptsächlich über die sehr kurzfristigen Verträge zur Lieferung von Strommengen für den kommenden Tag im sogenannten Day-Ahead-Handel. Für diesen Zeitraum ist die tatsächliche Stromproduktion besser abschätzbar, da zum Beispiel eine solide Vorhersage der Erneuerbaren-Produktion dank verlässlicherer Wetterprognosen möglich wird. Auch die Preise für Lieferverträge, die auf den sogenannten Terminmärkten weiter in der Zukunft liegen, basieren auf dem von den Marktteilnehmer:innen erwarteten Day-Ahead-Preis zum Zeitpunkt der künftigen Lieferung.

Natürlich können Sie als Kund:in nun einwenden, dass echte Ökostromanbieter ihren Strom nicht über die Strombörse, sondern direkt bei Grünstromerzeugern oder bei Direktlieferanten für Erneuerbare Energien beziehen. Das stimmt, aber auch diese orientieren sich als Teilnehmende des freien Marktes am Börsenpreis. Bisher hat sich hier immer die gewünschte Balance eingestellt. Hätten die Direktlieferanten zu hohe Preise verlangt, wären die Ökostromanbieter am Markt nicht konkurrenzfähig. Wenn die Ökostromanbieter allerdings nicht einen bestimmten Preis zu zahlen bereit sind, dann gehen die Direktlieferanten zu einem anderen Abnehmer oder verkaufen direkt an der Börse. Auch bei den derzeit exorbitanten Preisen bleibt der Börsenstrompreis die wichtigste Orientierungsmarke für erneuerbare Stromproduzenten.

Preiserhöhung in 2023 ist unvermeidlich

Da wir eine solide Strategie verfolgen und die Strommengen für unsere Kund:innen lange im Voraus beschaffen, konnten wir die Preise für unsere Bestandskund:innen bislang stabil halten. Aber auch diese Verträge laufen nach und nach aus und sind damit zunehmend von den Preissteigerungen an den Energiemärkten betroffen, sodass auch wir im kommenden Jahr die Preise erhöhen werden müssen. Hier weiterführende Informationen