Eine Gruppe von drei lachenden jungen Frauen sitzt an einer Biergarnitur an einem gemauerten Hofeingang und redet mit einer Frau, die von hinten zu sehen ist.
Initiativen

Das EWS-Förderprogramm «Sonnencent» bezuschusst PV-Gemeinschaftsanlagen – wie die des Augsburger Hausprojekts Pa*radieschen. Wir fragen mal nach, wie es steht.

Eroberung des Paradieschens

Menschen, die sich für ein großes Ziel zusammentun, die fest überzeugt sind, dass man Dinge auch anders machen kann, die nicht aufgeben und Widerstände überwinden – das ist der Geist, aus dem nicht nur die EWS entstanden sind. Viele Initiativen im ganzen Land führen dies mit ihren Aktivitäten vor – beispielsweise gemeinschaftliche Wohnprojekte.

Im Zuge der Neuausrichtung des Förderprogramms «Sonnencent» haben wir die Förderung privater PV-Aufdachanlagen ersetzt durch die gezielte Förderung gemeinschaftlich genutzter Anlagen. 

Eines der ersten Projekte, das bei der Anschaffung von PV-Anlage und Speichertechnik unterstützt wurde, war das Pa*radieschen in Augsburg. Wir hatten schon einmal über das Hausprojekt berichtet, das damals noch im Entstehen war. Wie ging es seitdem weiter? Wir haben uns mit Maximilian Schorer, einem der Bewohner:innen, zum Gespräch verabredet.

Endlich angekommen

Die beste Nachricht zuerst: Bis auf eine Einheit sind alle Wohnungen fertig, die 15 Mieter:innen eingezogen und das Pa*radieschen mit Leben gefüllt. Max ist hörbar zufrieden, wenn er davon erzählt: «Das gemeinschaftliche Leben ist jetzt voll im Gange. Es ist einfach schön, dass man mit Freund:innen zusammenwohnen kann und nicht mit einer anonymen Nachbarschaft. Wenn man einfach so im Garten sitzt, und jemand kommt zum Quatschen dazu … das macht richtig Laune.» 

Auch sonst ist manches anders im Vergleich zum normalen Mietverhältnis: Die Mieten orientieren sich zwar an der ortsüblichen Vergleichsmiete, dafür sind sie in die Zukunft festgeschrieben und erhöhen sich nicht mit jedem neuen Mietspiegel. Das Haus ist alleine zum Wohnen da und dient nicht dazu, Rendite abzuwerfen. Und niemand als die Bewohner:innen selbst entscheidet über bauliche Maßnahmen und Veränderungen; ein Verkauf des Gebäudes ist ohnehin ausgeschlossen. Und anders als bei den meisten genossenschaftlichen Wohnmodellen kann man auch ohne Eigenkapitalanlage Mieter:in werden. Diese Sicherheit kommt jedoch mit dem Preis eines gewissen zeitlichen Investments, wie Max berichtet:

«Die Selbstverwaltung darf man nicht unterschätzen. Wir haben eine GmbH zu führen und müssen uns um alles kümmern, was sonst eine Hausverwaltung macht.» Darum stehen im wöchentlichen Plenum so einige Themen auf der Tagesordnung – insbesondere während der Sanierungsphase, die sich langsam dem Ende entgegen neigt.

Und immer das liebe Geld

Auch finanziell ist die kleine Gemeinschaft nicht mit den Möglichkeiten einer Immobilienfirma ausgestattet. Manche Baumaßnahmen wurden am Ende dann doch teurer als veranschlagt, durch Kostensteigerungen bei Materialien oder unvorhergesehenen Verzögerungen.

Direktkredite von Unterstützer:innen anzuwerben (oder nach deren Kündigung wieder zurückzuzahlen), ist darum weiterhin eines der Dinge, die die Hausgemeinschaft umtreibt. Wer also inspiriert und begeistert ist vom Elan des Hausprojekts und etwas Geld auf dem Konto herumliegen hat, kann den Verein direkt mit einem privaten Darlehen unterstützen.

Auf dieser Seite gibt es alle Infos dazu.

Wohnen ist politisch

Das Pa*radieschen will jedoch nicht nur privates Wohnglück verwirklichen, sondern das Wohnen öffentlichkeitswirksam thematisieren. Schließlich betrifft es jede:n einzelne:n von uns. Die Mitglieder engagieren sich darum gegen Verdrängung, Immobilienspekulation, Mietwucher und für sozial gerechte Stadtentwicklung, unter anderem im Bündnis «Augsburg für alle». 

Mit ihrem gemeinschaftlichen Zusammenleben will die Hausgemeinschaft gezielt ein Gegenmodell zur zunehmenden Anonymisierung und Vereinzelung, die besonders in Großstädten um sich greift, setzen. Darum war die Idee von Anfang an, das Pa*radieschen teilweise für die Öffentlichkeit zu öffnen, um das selbstverwaltete Wohnen bekannter zu machen. Im Keller entsteht derzeit noch der Veranstaltungsraum, in dem künftig Konzerte, Workshops, Vorträge, Yoga sowie Film- und Bastelabende stattfinden sollen.

Es dürfte also auch in Zukunft ziemlich lebendig zugehen in der Weißenburger Straße. Doch zwischen aller Aktivität genießt die Hausgemeinschaft erst einmal die Früchte von zwei Jahren Arbeit: das gute Gefühl, endlich zu Hause angekommen zu sein.

Das Förderprogramm «Sonnencent»

Das Förderprogramm «Sonnencent» steht für Bürgerenergiewende, Energiegerechtigkeit und Klimaschutz. Denn alle Tarife der EWS enthalten den «Sonnencent» als Förderanteil. Damit unterstützen wir Klimaschutz- und Energiewende-Projekte, Gemeinschaftsanlagen sowie Forschung und Wissensvermittlung. Sie haben einen konkreten Projektvorschlag? Dann bewerben Sie sich! Alle Informationen zu unserer Projektförderung finden Sie auf unserer Webseite:

ews-schoenau.de/sonnencent