Ein Luftbild der Stadt Osnabrück, überlagert von einer ausgefüllten Bewertungsmatrix
Initiativen

Der vom EWS-Förderprogramm unterstützte Verein Stadt.Land.Klima! will dem kommunalen Klimaschutz Beine machen – als Mitmachprojekt.

Klimaschutz vor Ort in die Spur bringen

Nicht nur die Bundespolitik ist entscheidend für den Klimaschutz – nicht weniger wichtig ist die kommunale Politik. Denn hier geht es an die Umsetzung. Hier werden Verkehrsführungen geplant, Bauprojekte genehmigt, Förderungen ausgestellt und Wärmepläne erarbeitet. Hier sind zahlreiche Hebel, die in Bewegung gesetzt werden können, um CO2-Emissionen handfest zu verringern.

Nun gilt es, dass sie tatsächlich bewegt werden! Und da setzt der Verein Stadt.Land.Klima! an. Gegründet wurde er von Engagierten aus der Klimabewegung, die noch mehr machen wollten als Demos. Die dort wirken wollten, wo die Entscheidungswege überschaubar sind. Das tut die Initiative für die kurze Zeit ihres Bestehens überaus erfolgreich. Grund genug für uns, den Verein nicht nur mit unserem Förderprogramm zu unterstützen, sondern ihn euch auch mal hier vorzustellen.

Vorstand Lukas Langer hat sich Zeit für ein Interview mit dem EWS Blog genommen. Vielen Dank dafür!

Interview

Magst du mal kurz zusammenfassen, worum es bei Stadt.Land.Klima! geht?

Lukas: Stadt.Land.Klima! ist ein gemeinnütziger Verein. Wir betreiben ein Portal, das alles rund um den kommunalen Klimaschutz an einem Ort zusammenbringt.

Ein zentraler Bestandteil ist unser kommunales Klimaschutz-Ranking. Dafür geben wir Menschen aus der Zivilgesellschaft praktische Werkzeuge an die Hand, mit denen sie fundiert erfassen können: Wie weit ist unsere Kommune beim Klimaschutz? Welche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt? Und wo gibt es noch Potenzial? Aus den Bewertungen der Lokalteams entsteht ein Ranking, das den Kommunen transparent widerspiegelt, wo sie aktuell stehen.

Daneben gibt es unsere Rubrik «Erfolgsprojekte». Dort bereiten wir gelungene Pilotprojekte aus Kommunen redaktionell auf und machen sie bekannter. Denn gute Lösungen müssen nicht überall neu erfunden werden – Kommunen können viel voneinander lernen.

Hinzu kommt eine umfangreiche Statistikseite, auf der wir unterschiedlichste Zahlen, Daten und Fakten zum kommunalen Klimaschutz bündeln. Diese Daten dienen dann als Entscheidungsgrundlage für Zivilgesellschaft, Stadtrat und Verwaltung.

Zu den anstehenden Kommunalwahlen betreiben wir außerdem gemeinsam mit LocalZero einen Klima-Wahlcheck nach dem Vorbild des Wahl-O-Mat. 

«Unsere Vision ist, die Zivilgesellschaft dabei zu unterstützen, vor Ort wirksam zu werden – und zugleich kommunale Verwaltungen zu stärken, die Klimaschutzmaßnahmen engagiert voranbringen möchten.»

Wie ist das Projekt entstanden, und wie viele Leute sind bei euch aktiv?

Stadt.Land.Klima! ist 2022/23 aus verschiedenen Teilen der Klimabewegung heraus entstanden, unter anderem aus Fridays for Future, Engineers for Future und Creatives for Future. Der Gedanke dahinter war, neben Demonstrationen auch die inhaltliche Arbeit an konkreten Klimaschutzmaßnahmen vor Ort zu stärken.

Seitdem ist das Projekt deutlich gewachsen. Wir sind sowohl in kleinen als auch in größeren Kommunen vertreten. Diese Bandbreite ist uns sehr wichtig, weil die Bedingungen und Herausforderungen vor Ort sehr unterschiedlich sein können, und insbesondere die Perspektiven ländlicher Kommunen in der Klimabewegung oftmals stark unterrepräsentiert sind. Mittlerweile gibt es zahlreiche Lokalteams, die bei SLK an der Bewertung ihrer Kommune arbeiten. Das sind zum Beispiel lokale Gruppen der For-Future-Bewegung, dem BUND oder NABU, sowie lokale Bürgerinitiativen. Teilweise haben sich für die Bewertung auch neue Stadt.Land.Klima!-Teams zusammengefunden, die vorher noch nicht gemeinsam aktiv waren.

Unsere gesamte Arbeit ist ehrenamtlich. Im Stadt.Land.Klima!-Team engagieren sich derzeit etwa 10 bis 15 Menschen, die das Portal betreiben und weiterentwickeln. Dazu kommen die rund 100 Menschen in den Lokalteams, die ihre Kommunen bewerten und mit Hilfe unserer Tools vor Ort wichtige Klimaschutzmaßnahmen voranbringen.

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Noch sind im Ranking nur 24 Kommunen aufgelistet. Das heißt, ihr wollt langfristig alle Kommunen abbilden?

Genau. Letztes Jahr haben 29 Lokalteams ihre Kommunen bewertet, dieses Jahr sind wir schon im Juli bei 24 fertigen Bewertungen, und weiteren 20 in Arbeit. Langfristig möchten wir jede Kommune mit mindestens 10.000 Einwohner:innen erfassen.

Wir haben erst mal viel Arbeit in die Plattform und die Erfassungstools gesteckt, dass diese auch wirklich niederschwellig praktisch nutzbar sind. Nun wollen wir, dass die von möglichst vielen Teams genutzt werden, sodass wir nächstes Jahr idealerweise schon 100 Kommunen im Ranking haben. 

Wenn jetzt jemand das hier liest, eure Idee toll findet und mitmachen möchte, also die eigene Kommune erfassen – wie ist das Vorgehen?

Auf unserer Website gibt es einen «Mitmachen»-Button. Darüber kann man einen Account anlegen und erfährt auch, ob in der eigenen Kommune bereits ein Team aktiv ist, dem man sich anschließen kann. Falls es noch kein Lokalteam gibt, kann man selbst eines gründen. 

Wir empfehlen, nicht ganz allein zu starten: Zwei bis drei Personen sind eine gute Größe, idealerweise noch mit einer lokalen Organisation oder Ortsgruppe im Rücken. Mit mehr Personen geht es natürlich noch schneller – besonders in kleineren Kommunen ist eine so große Gruppe allerdings häufig schon Luxus.

Zum Einstieg gibt es ein Onboarding, in dem wir erklären, wie die Bewertung mit unseren Tools funktioniert. Danach beginnen die eigentliche Recherche und Bewertung. Die kann von zwei bis drei Personen gut an einem Wochenende umgesetzt werden, bei viel Vorwissen über die Kommune und Klimaschutzmaßnahmen auch an einem Abend.

Für den Austausch bieten wir Signal-Gruppen und einen E-Mail-Verteiler an. Dort können sich die Teams Tipps holen, Erfahrungen teilen und sich von anderen Gruppen inspirieren lassen. Zusätzlich unterstützen wir die Lokalteams und überprüfen die gemachten Angaben regelmäßig, damit die Inhalte sachlich korrekt sind und die Situation in der Kommune möglichst akkurat widerspiegeln.

Wie habt ihr bis jetzt die Rückmeldung von Politikerinnen und Politikern erlebt? Auf wie viel Offenheit stoßt ihr da?

Die Reaktionen fallen je nach Kommune sehr unterschiedlich aus. Von Klimaschutzmanager:innen und Kommunalverwaltungen bekommen wir häufig sehr positives Feedback. Viele freuen sich über ein unabhängiges Monitoring, das sichtbar macht, was bei ihnen bereits geschieht – und wo noch Baustellen liegen.

Zurückhaltender oder skeptischer reagieren mitunter Kommunen, bei denen der Klimaschutz bisher weniger gut vorankommt oder die eher Greenwashing als substanzielle Arbeit betreiben. Da gibt es auch einige, denen es lieber wäre, wenn ihre Klimaschutzmaßnahmen nicht mess- und bewertbar wären

Insgesamt erleben wir aber, dass die meisten Kommunen uns sehr positiv gegenüberstehen.

«Gerade nach den wohl schwierigen Wahlen im September möchten wir zeigen, wie viele großartige Ideen es in den neuen Bundesländern doch gibt.»

Lukas Langer, Vorstand von Stadt.Land.Klima!

Was ermöglicht euch die Förderung durch die EWS Sonnencents?

Mit der Förderung können wir im Herbst eine Tour durch die neuen Bundesländer umsetzen. Dabei besuchen wir verschiedene Erfolgsprojekte, führen Interviews mit den Menschen vor Ort und stellen die Projekte vor. So möchten wir dazu beitragen, dass gute Ideen bekannter werden und auch in anderen Kommunen aufgegriffen werden können.

Dabei geht es sowohl um Projekte von Kommunen – wie etwa die teilautarke Energieversorgung von Thalheim im Erzgebirge –, als auch um Initiativen aus der Zivilgesellschaft, beispielsweise Stadtwälder von unserem Partner Citizens Forests.

Gerade nach den wohl schwierigen Wahlen im September möchten wir zeigen, wie viele großartige Ideen es in den neuen Bundesländern doch gibt, und damit andere Kommunen inspirieren. Unser Netzwerk an Lokalteams ist dabei der entscheidende Weg, um erfolgreiche Ansätze in die Kommunen weiterzutragen und sagen zu können: «Schaut, dort hat sich diese Idee bereits richtig gut bewährt, warum machen wir das nicht auch bei uns?»

Sehr gerne stellen wir auch den direkten Kontakt zwischen den Beteiligten her. Denn am meisten lässt sich erreichen, wenn Kommunen ihre Erfahrungen miteinander teilen und voneinander lernen.

Wie kann man eure Arbeit noch unterstützen?

Als kleine Organisation mit vielen Ideen freuen wir uns natürlich sehr über motivierte Menschen, die Zeit haben und bei uns mitarbeiten wollen – Developer, die bei der Weiterentwicklung unseres Portals helfen, ebenso wie Verstärkung bei der Social-Media- und Pressearbeit, oder über Engagierte, die konkret bei der Planung und Logistik unserer Tour mithelfen wollen.

Wir versuchen, möglichst niederschwellige Strukturen zu haben, damit auch Menschen mit weniger Zeit mitmachen und mitgestalten können. Das ist uns sehr wichtig, und auch eine Art ein Markenzeichen unserer Organisation.

Darüber hinaus freuen wir uns auch sehr über Spenden, mit denen nicht nur bei unseren Servern die Lichter anbleiben, sondern wir auch die Weiterentwicklung unserer Plattform finanzieren und coole Projekte starten können. Als gemeinnützige Organisation können wir dafür auch Spendenbescheinigungen ausstellen.

Titelfoto: Die Stadt Osnabrück führt zum Zeitpunkt der Entstehung des Artikels das Ranking an. Foto: Adobe Stock, Screenshot von stadt-land-klima.de

Das Förderprogramm «Sonnencent»

Das Förderprogramm «Sonnencent» steht für Bürgerenergiewende, Energiegerechtigkeit und Klimaschutz. Denn alle Tarife der EWS enthalten den «Sonnencent» als Förderanteil. Damit unterstützen wir Klimaschutz- und Energiewende-Projekte, Gemeinschaftsanlagen sowie Forschung und Wissensvermittlung. Sie haben einen konkreten Projektvorschlag? Dann bewerben Sie sich! Alle Informationen zu unserer Projektförderung finden Sie auf unserer Webseite:

ews-schoenau.de/sonnencent