Hitzewellen, die Erträge schmälern. Anlagen, die bei extremen Temperaturen nicht mehr voll funktionieren. Flüsse mit so wenig Wasser, dass Schiffe kaum noch fahren können und selbst die Kühlung technischer Anlagen schwierig wird. Was in diesem Sommer in vielen Betrieben in Deutschland passiert ist, war für die Belegschaften und die Geschäftsführungen kein abstraktes Klimathema mehr, sondern ein ganz konkretes betriebliches Risiko.
Auch die Landwirtschaft verzeichnete deutliche Einbußen, weil Wasser für die Bewässerung knapp wurde. Am schwersten aber wiegt die menschliche Bilanz: Laut Robert Koch-Institut starben bis September rund 16.000 Menschen in Deutschland an den Folgen der Hitze. Diese Zahl macht etwas sichtbar, das in der politischen Debatte oft zu kurz kommt: Klimaschutz ist kein Kostenfaktor, sondern Risikovorsorge – für Menschen genauso wie für Unternehmen.
«Der Sommer 2026 brachte Deutschland extreme Hitze, Dürre, Niedrigwasser und so viele Hitzetage wie nie zuvor. Und statt darauf zu reagieren, fährt die Bundesregierung Klimaschutzinstrumente zurück. Wer heute zögert, verschiebt die Kosten auf morgen, auf unsere Betriebe und auf die nächste Generation. Als Genossenschaft wissen wir aus Erfahrung: Wo eine Gemeinschaft entschlossen handelt, bewegt sich etwas.»
Genau aus dieser Erfahrung heraus haben wir gemeinsam mit den Bürgerwerken, Green Planet Energy und naturstrom einen Appell an die Bundesregierung initiiert: Klimaschutz endlich als Wirtschaftspolitik zu verstehen. Weitere Unternehmen wie VAUDE, Neumarkter Lammsbräu, die GLS Bank, der Maschinenbauer Ohrmann, GP Joule, ARGE Netz und die Hofgemeinschaft Heggelbach haben sich unseren Forderungen angeschlossen.
Warum Betriebe auf verlässliche Politik angewiesen sind
Wer investiert, braucht einen verlässlichen Rahmen. Das gilt für ein mittelständisches Unternehmen ebenso wie für einen Konzern: Entscheidungen über neue Anlagen, Standorte oder Technologien werden meist auf viele Jahre hinaus getroffen und sie setzen voraus, dass politische Zusagen auch über einen Regierungswechsel oder einen Haushaltszyklus hinaus Bestand haben. Diese Verlässlichkeit sehen wir derzeit gefährdet.
Während die Bundesregierung im Sommer 2026 zur wirtschaftlichen Lage intensiv Stellung bezogen hat, blieb diese zu Hitzewellen, Dürren und Waldbränden weitgehend aus – trotz der offensichtlichen wirtschaftlichen Schäden. Parallel dazu wurden mehrere wirtschaftspolitische Instrumente, die auf Emissionsreduktion ausgerichtet waren, geschwächt: Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds sollen ab 2027 in den allgemeinen Bundeshaushalt einfließen. Dem CO₂-Preispfad für 2027 droht eine mögliche Abschwächung bzw. ein Einfrieren. Und die EEG-Novelle sowie das neue Netzpaket erschweren mit zusätzlichen Vorbehalten den Netzanschluss und Ausbau Erneuerbarer-Energien-Anlagen.
Für Unternehmen, die gerade jetzt in eigene Erzeugungs- oder Speicherkapazitäten investieren wollen, bedeutet das: Projekte verzögern sich, Finanzierungszusagen stehen auf wackligem Grund – und am Ende rechnet sich eine Investition unter Umständen nicht mehr.
«Heute entscheidet sich, wo die industrielle Wertschöpfung der Zukunft stattfindet. Wir bauen Maschinen in Deutschland und konkurrieren weltweit. Wer den Industriestandort Deutschland stärken will, muss Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen geben und eine Richtung, die nicht mit politischen Mehrheiten wechselt. Klimapolitik ist wirtschaftliche Zukunftssicherung. Deshalb gehört sie als Gemeinschaftsaufgabe verbindlich ins Grundgesetz.»
Hinzu kommt: Klimaanpassung, beispielsweise in sozialen Einrichtungen, wird bislang nur über einzelne, zeitlich begrenzte Förderfenster unterstützt, statt diese dauerhaft und strukturell abzusichern. Für Unternehmen, die auf Basis mehrjähriger politischer Zusagen kalkulieren, entzieht das den Boden unter den Füßen. Der Appell macht deshalb deutlich: Wenn sich die Rahmenbedingungen fortlaufend verschieben, wird jede langfristige Investitionsentscheidung zum Risiko. Gleichzeitig zeichnen wir ein Zukunftsbild, für das sich zu investieren lohnt – ein Industrieland, das seine Energie selbst erzeugt, die entstehende Wertschöpfung im Inland hält und sich damit unabhängiger von Energieimporten macht.
Dieser Umbau ist bereits im Gange, finanzierbar und schafft sowohl neue Arbeitsplätze als auch Innovationen mit Exportpotenzial. Was aus unserer Sicht jetzt entscheidend ist: dass die Politik diesen Weg nicht durch wechselnde Rahmenbedingungen wieder gefährdet.
Erstmals meldet sich die Wirtschaft selbst zu Wort
Der Appell reiht sich in eine Vielzahl von Initiativen der vergangenen Wochen ein. Bereits am 5. August hatten 36 zivilgesellschaftliche Organisationeneinen nationalen Hitzegipfel und eine verbindliche Vorsorgestrategie gefordert. Kommunale Vertreter:innen werben seither dafür, die Energiewende stärker als Standortfaktor und kommunale Wirtschaftspolitik zu verstehen. Ende August folgte ein gemeinsamer Appell von 16 Wirtschafts- und Umweltverbänden an die Bundesregierung und die Haushaltspolitiker:innen im Bundestag.
Bemerkenswert: Auf keiner dieser Listen stand ein einzelnes Unternehmen als Unterzeichner. Es waren Verbände, Organisationen und Kommunen, die sich zu Wort meldeten, nicht die Betriebe selbst, die täglich produzieren, Menschen beschäftigen und investieren. Mit unserem Appell treten wir nun direkt an die Politik heran. Wir unterstützen die Anliegen der vorangegangenen Initiativen ausdrücklich und ergänzen sie um vier eigene Forderungen. Sie knüpfen direkt an die Erfahrungen dieses Sommers an und zielen darauf, Investitionssicherheit wiederherzustellen, bevor der nächste Haushalt und die nächste Novelle neue Unsicherheit schaffen.
Im Zentrum des Appells stehen vier konkrete Punkte:
- Verlässlicher und ambitionierter CO₂-Preis: Die Einnahmen sollten über eine Senkung der Stromsteuer oder über Förderprogramme an Haushalte und Betriebe zurückfließen.
- Investive Verwendung der Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds: Sie gehören in Klimaschutz und Transformation, nicht in den allgemeinen Haushalt.
- Verbindlicher Fahrplan für vollständig erneuerbare Energieversorgung: Zügiger Netzausbau und vor allem Bedingungen, unter denen sich Investitionen tatsächlich rechnen.
- Klimaschutz, Klimaanpassung und Naturschutz im Grundgesetz: Darin verankert als abgesicherte Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern.
Mit unserem Appell wenden wir uns bewusst an die aktuellen politischen Beratungen: Sowohl der Bundeshaushalt 2027 als auch mehrere energiepolitische Neuregelungen befinden sich derzeit in der parlamentarischen Abstimmung. Aus unserer Sicht werden in den kommenden Wochen wichtige Weichen dafür gestellt, ob Investitionen in Klimaschutz und Klimavorsorge in Deutschland auch künftig planbar bleiben. Für ein Gespräch stehen wir der Politik ausdrücklich zur Verfügung. Wenn ausbleibender Klimaschutz für Unternehmen selbst zum wirtschaftlichen Risiko wird, gehört unsere Stimme in die politische Debatte – gemeinsam mit den Stimmen aus Zivilgesellschaft, Kommunen und Verbänden, die sich bereits in den Wochen zuvor geäußert haben: Hier unser vollständiger Appell an die Bundesregierung
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