Die Monate Juni und Juli 2026 waren in Westeuropa so heiß wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur lag 2,79 Grad über dem langjährigen Referenzwert – das zeigen Daten des EU-Klimabeobachtungsprogramms Copernicus. Flüsse wie Rhein, Seine und Donau sanken auf teils außergewöhnlich niedrige Wasserstände, Waldbrände wüteten von der iberischen Halbinsel bis nach West- und Südeuropa. Das alles droht zur Normalität zu werden: Laut dem Forschungsnetzwerk World Weather Attribution hat die Klimakrise die Wahrscheinlichkeit für extremes Feuerwetter in Teilen Spaniens auf mindestens das Zwanzigfache erhöht.
Viele tausend Menschen starben: Nach aktuellen Schätzungen (Stand: 20.08.2026) des Robert Koch-Instituts kamen allein in Deutschland in diesem Sommer rund 14.000 Menschen durch extreme Hitze ums Leben. Besonders gefährdet sind Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen und Personen ohne Zugang zu kühlen Räumen. Diese Realität zwingt uns zu einer doppelten Antwort: Wir müssen die Ursachen der Klimakrise bekämpfen und gleichzeitig die Menschen vor den Folgen schützen, die sich nicht mehr abwenden lassen. Es wäre ein Irrtum, diese Maßnahmen als ein Entweder-oder zu diskutieren – denn beides ist nötig.
Wo Hitzeschutz vor allem versagt: Schulen, Kliniken, Pflegeheime
Die Lücke zwischen dem, was nötig wäre, und dem, was passiert, ist nirgends so deutlich wie in öffentlichen Gebäuden. In deutschen Klassenräumen wurden in diesem Sommer Temperaturen von bis zu 45 Grad gemessen. Während für Arbeitnehmer:innen laut Arbeitsschutzregel ein Richtwert von 26 Grad für die Raumtemperatur gilt, gibt es für Schüler:innen keine bundesweit einheitliche Regelung. Der Sanierungsstau an Schulen beträgt laut KfW-Kommunalpanel knapp 70 Milliarden Euro, und 17 Prozent aller Kommunen geben an, nicht einmal mehr den regulären Unterhalt ihrer Schulgebäude finanzieren zu können.
In Krankenhäusern und Pflegeheimen ist die Lage noch ernster, weil die Menschen dort besonders verletzlich sind. Die meisten Kliniken verfügen über keine Klimaanlagen oder wirksamen Kühlsysteme – die Folge eines jahrzehntelangen Investitionsstaus. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert ein Investitionsprogramm von 31 Milliarden Euro für klimaneutrale und zugleich klimaresiliente Krankenhäuser. In Pflegeheimen kommt ein strukturelles Dilemma hinzu, das den Stillstand geradezu vorprogrammiert: Vermieter:innen würden eine Klimaanlage gern einbauen, Bewohner:innen hätten sie gern – aber die Betreiber können die Kosten nicht refinanzieren.
Solange dieses strukturelle Dilemma nicht aufgelöst wird, bleibt der Ventilator die einzige Antwort auf hohe Temperaturen im Zimmer. Erschwerend kommt hinzu, dass Hitzeschutzpläne vielerorts auf dem Papier zwar existieren, aber selten verbindlich sind. Die derzeitige Realität sieht in allen drei Bereichen leider gleich aus: Die Technik für wirksamen Hitzeschutz existiert – was fehlt, sind verbindliche Vorgaben und die Bereitschaft, sie zu finanzieren. Hitzeschutz ist dabei keine rein technische Frage, sondern auch eine soziale.
Wer in einer schlecht gedämmten Mietwohnung ohne Balkon lebt, hat weder Wärmepumpe noch Balkonkraftwerk. Wer in einem einkommensschwachen Stadtquartier aufwächst, wohnt dort, wo besonders viel versiegelter Beton die Hitze speichert und wenige Bäume Schatten spenden. Ältere Menschen in Pflegeheimen, Menschen mit geringem Einkommen in überhitzten Wohnungen – sie tragen die größte Last dieser Krise, obwohl sie am wenigsten zu ihr beigetragen haben. Klimaanpassung ohne Klimagerechtigkeit ist keine echte Anpassung.
Kühlen ohne das Klima zu heizen
Herkömmliche Klimaanlagen verbrauchen viel Strom und blasen Abwärme ins Freie – in dicht besiedelten Stadtgebieten treibt das die gefühlte Temperatur weiter nach oben. Das ist kein tragfähiges Modell. Kühlung muss dabei nicht immer technisch sein. Stadtbäume, begrünte Dächer und Fassaden, entsiegelte Plätze mit Wasserelementen können die gefühlte Temperatur in Städten um mehrere Grad senken – ganz ohne Strom.
Das sogenannte Schwammstadt-Prinzip geht noch weiter: Anstatt Regenwasser schnell abzuleiten, wird es in Böden, Parks und Grünmulden zurückgehalten, verdunstet langsam und kühlt dabei die Umgebung. Was für die Anpassung an Hitze funktioniert, hilft gleichzeitig beim Klimaschutz: Bäume und begrünte Flächen speichern CO₂, fördern Biodiversität und verbessern die Luftqualität. Hier zeigt sich besonders gut, was möglich ist, wenn Klimaschutz und Klimaanpassung wirklich zusammengedacht werden.
Für Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeheime und Schulen, die zuverlässig kühle Räume brauchen, sind technische Lösungen dennoch nötig – aber sie können weit effizienter sein: Moderne Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln können heizen und kühlen, mit einem Bruchteil der Emissionen älterer Anlagen. Ein Krankenhaus im dänischen Sønderborg geht noch weiter: Die Abwärme aus den Kühlsystemen wird zurückgewonnen und ins lokale Fernwärmenetz eingespeist. Das Krankenhaus ist damit nicht mehr nur Verbraucher, sondern auch Energieproduzent. Einen ähnlichen Weg verfolgt die Berliner Charité: Sie setzt auf ein kaltes Nahwärmenetz, das derzeit entsteht. Es soll die Abwärme aus Kühlung, IT und medizinischen Geräten im Boden speichern und im Winter für die Gebäudeheizung nutzen.
Was für große Einrichtungen gilt, funktioniert auch im Kleinen: Wer eine Wärmepumpe betreibt, kann dieselbe Anlage im Sommer zur Kühlung nutzen, besonders effizient in Kombination mit Solarstrom vom Dach. Wir haben das in einem eigenen Blogartikel aufgeschlüsselt – von mobilen Geräten bis zur Wärmepumpe mit Kühlfunktion.
Was die Politik jetzt tun muss
Ein Bündnis aus 36 Organisationen hat die Bundesregierung aufgefordert, einen Hitzegipfel einzuberufen, einen bundesweiten Hitzeschutzplan zu verabschieden und Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern. Bundesumweltminister Schneider hat sich dieser Forderung angeschlossen: Er will die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankern, damit der Bund Hitzeschutzmaßnahmen direkt finanzieren kann. Wer die nötigen Investitionen scheut, sollte sich vor Augen führen, was Nichtstun kostet: Die wirtschaftlichen Schäden durch Extremwetterereignisse belaufen sich in Deutschland bereits auf Milliarden Euro jährlich. Prävention ist fast immer günstiger als Reaktion. Hitzeschutz ist keine Nischenaufgabe, sondern Daseinsvorsorge.
Er braucht Kommunen, die Schulhöfe entsiegeln und Stadtbäume pflanzen, Bund und Länder, die Investitionen ermöglichen, Unternehmen, die klimagerecht bauen und wirtschaften – und eine Energiewende, die nicht irgendwann kommt, sondern jetzt vorangetrieben wird. Genau deshalb ist die Debatte um die Grundgesetzänderung mehr als ein verfassungsrechtlicher Streit. Sie ist die Frage, ob Deutschland die institutionellen Voraussetzungen schafft, um Klimaanpassung als das zu behandeln, was sie ist: eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Bund, Länder und Kommunen gemeinsam tragen müssen. Bekenntnisse allein reichen nicht – es braucht konkrete Maßnahmen, verlässliche Finanzierung und klare Zuständigkeiten.
Das tun die EWS
Auf diese Rahmenbedingungen warten wir nicht. Beim Klimaschutz setzen wir auf den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien: Mit mehreren Wind- und Solarparks erzeugen wir Ökostrom. Unsere Solarparks sind zugleich ökologisch gestaltet: Schafe beweiden die Flächen unter den Modulen – für lokale Schäfer:innen ein Vorteil, weil die Tiere dort Nahrung und Schatten finden, während die Umzäunung zugleich Schutz vor Wölfen bietet.
Auch bei der Klimaanpassung vor Ort sind wir aktiv: Mit dem «Klimaschutzfonds Rohrenkopf» stellen wir jährlich 35.000 Euro bereit, um konkrete Anpassungsprojekte in den Gemeinden Schopfheim, Zell und Häg-Ehrsberg zu fördern: Wasserversorgung auf Weideflächen, Keyline-Design zur Wasserrückhaltung in der Fläche und eine aufsuchende Energieberatung, die direkt zu den Menschen kommt.
Und wer die Energiewende von unten aktiv voranbringen will, kann über unser Förderprogramm «Sonnencent» Unterstützung beantragen: für gemeinschaftliche Energieerzeugung und -speicherung, Bildung und Kampagnen zur Energiewende, Studien, nachhaltige Mobilität oder globale Energiegerechtigkeit.
Die Klimakrise wartet nicht auf den nächsten Sommer – wir auch nicht.
Bildnachweise
- Titelbild: Adobe Stock (Asset-ID-Nr.: 751135860)
- Ältere Frau sitzt auf einem Sofa: Adobe Stock (Asset-ID-Nr.: 935653410)
- Illustration einer erdgebundenen Wärmepumpe: Adobe Stock (Asset-ID-Nr.: 610909047)
- Windpark Rohrenkopf: © EWS