Verschwitzte Feuerwehrleute, verzweifelte Anwohner:innen, gigantische Rauchsäulen und lodernde Feuerwalzen – immer mehr bestimmen derartige Bilder das Mediengeschehen im Sommer. Dieses Jahr hat deutlich gezeigt, was uns im Zuge der sich ausweitenden Klimakrise erwartet: Von Portugal bis Plauen standen Wälder in Flammen.
Hubschrauber, die über den Großbränden kreisen und ihre Ladung abwerfen, gehören ebenfalls zu diesen Bildern. Und logisch: Je größer die Brandausbreitung, desto weniger kann eine einzelne Wasserladung bewirken. Zumal Wasser im Zuge der fortschreitenden Erderwärmung zur zunehmend knappen Ressource wird. Angesichts dieser Ausgangslage gründete der Luftfahrtingenieur Philippe Telle das Unternehmen CAURUS Technologies mit dem Ziel, die Löschwirkung mithilfe smarter Technologie zu maximieren.
Mit Erfolg: Das 2022 gegründete Startup ist inzwischen international stark nachgefragt. 2025 erreichte es beim von den EWS verliehenen MakeItMatter-Award den 1. Platz.
Philippe Telle, Gründer und Geschäftsführer der CAURUS Technologies hat dem EWS-Blog anlässlich des ersten Jahrestags des Gewinns und einer erschreckenden Brandsaison einige Fragen beantwortet – vielen Dank dafür!
Interview
Was hat die Idee zu CAURUS Technologies inspiriert?
Die Inspiration und die Motivation, ein innovatives und vor allem effizientes Löschsystem zu entwickeln, stammt aus sehr persönlichen Erfahrungen. Wir beiden Gründer leben bzw. lebten in Gegenden, die stark waldbrandgefährdet sind und immer wieder Schlagzeilen machen: Südfrankreich und Spanien.
Ich selbst habe Waldbrände in Südfrankreich nahe unseres Feriendomizils beobachtet. Als ein Hubschrauber nach dem anderen großen Mengen an Wasser auf die Flammen abwarf, scheinbar ohne großen Effekt, hatte ich mir überlegt: Das muss irgendwie auch effizienter gehen.
Damit war die Idee, CAURUS Technologies zu gründen, geboren.
Warum ist es aus der Sicht von CAURUS Technologies relevant, Klimaanpassungsmaßnahmen zu entwickeln? Welche anderen Maßnahmen neben Waldbrandbekämpfung sind für Sie die bedeutendsten?
Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass klimabedingt mehr Extremwetter-Situationen auftreten: Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Wasserknappheit. Aber auch Stürme, Starkregen und Überflutungen.
Vermehrte und heftigere Waldbrände haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder gesehen: Australien, Griechenland, Kanada – Spanien und Südfrankreich besonders in diesem Jahr. Was lange in historisch weniger betroffenen Regionen unterschätzt wurde: betroffen sind heute immer mehr auch Länder wie Deutschland, England, Skandinavien und zurzeit Belgien. Waldbrände sind mit über 6 Gigatonnen CO2 mittlerweile eine genauso große CO2-Quelle wie der Transportsektor. Jeder geschützte/gerettete Hektar Wald bleibt eine CO2-Senke und wird nicht zum aktiven CO2-Emittenten. Gleichzeitig sehen wir vermehrt sinkende Pegelstände in Flüssen und Seen, die ganze Industrien lahmlegen, weil Schiffe nicht mehr fahren können. Aber auch im Falle von Waldbränden als Wasserentnahmestellen verringert zur Verfügung stehen.
«Effizienteres Kühlen bzw. Löschen von Feuern kann große Schäden verhindern, wertvolle Wasserressourcen sparen und CO2-Emissionen verringern.»
Die Übersetzung von Umwelt- in wirtschaftliche Schäden verläuft immer noch langsam. Um uns, aber auch unseren Wohlstand zu bewahren, müssen wir jedenfalls widerstandsfähiger – resilienter – werden!
Hier setzt CAURUS Technologies’ System an, denn effizienteres Kühlen bzw. Löschen von Feuern kann im Zusammenspiel der Systemkomponenten große Schäden verhindern, wertvolle Wasserressourcen sparen und CO2-Emissionen verringern.
Der optimierte Einsatz von Wasser wird immer wichtiger, denn für Länder, die nicht über Küstenlinien oder Zugang zum Meer verfügen, wird die Frage, woher das Löschwasser kommen soll, existenziell. Bei einem Pegelstand von 24 cm wird ein Löschflugzeug mit einer Kapazität von 6.000 Litern nicht mal eben im Rhein «scoopen», d. h. im Flug Wasser aufnehmen können.
Wenn wir mit präziserer Ansteuerung von Feuerherden, mit besserer Vorhersage von Wasserwirksamkeit und durch Daten ergänzter Einsatzplanung arbeiten, können wir – zusammen mit optimaler Ausbringung des Wassers am Feuer – eine Effizienzsteigerung um Faktor 10 hinbekommen. Es zählen ja nicht die «verflogenen» Liter, sondern die wirksamen am Feuer!
Wo wird CAURUS Technologies System bereits eingesetzt?
Derzeit sind Helikopter-Sensoren der Entwicklungsstufe 1 in Erprobung bei den bayerischen Feuerwehren und einem Innovationspartner in Skandinavien im Test.
Den neuen Wasserbehälter haben wir letztes Jahr aus dem Labor in den Außenbereich verlegt und im Feld aus der Luft getestet. Derzeit werden verschiedenste Elemente darum herum entwickelt, wie die Steuerung des Abkopplungs- und Öffnungsmechanismus sowie die Ansteuerung des Wassers zum Feuer.
CAURUS Technologies ist Mitglied des «Adaptation Exchange» für branchenübergreifende unternehmerische Klimaanpassung. Was macht dieses Netzwerk so wichtig und was sind die nächsten Schritte?
Der Adaptation Exchange ist ein «Zusammenschluss der Willigen», also von Firmen, die die Auswirkungen des Klimawandels bereits spüren und sich vorbereiten. Gleichzeitig sind aber immer noch viele Unternehmen wenig vorbereitet hinsichtlich des realen finanziellen Risikos und der Notwendigkeit von Klimaanpassung. Die meisten Organisationen bewerten und berichten bereits über Klimarisiken, setzen diese Erkenntnisse jedoch noch nicht konsequent in koordinierte Entscheidungen und Investitionen um. Hier will der Adaptation Exchange einen Anstoß für Veränderungen leisten, als Türöffner für notwendige Diskussionen zur Anpassung von Unternehmen fungieren und Unternehmen dabei helfen, den Schritt von der Erkennung von Klimarisiken zum Handeln zu vollziehen.
Waldbrände sind ein durch den Klimawandel befördertes Problem, welches bereits Gegenden erreicht, wo brennende Wälder in der Vergangenheit keine große Rolle spielten. Waldbrände bedrohen Leben, Eigentum und verursachen gewaltige, nur teilweise versicherte Schäden. Hinzu kommt eine verstärkte Wasserknappheit, ausgelöst durch Hitzewellen und Dürren. Es braucht also Innovationen, um sich auf diese Veränderungen einzustellen. Daher ist CAURUS Technologies stolz, eines der Gründungsmitglieder zu sein und mit den anderen Unternehmen an diesem Projekt mitzuarbeiten: Herausforderungen zu definieren, Assessmentstandards und eine gemeinsame Sprache zu erarbeiten sowie Lösungsansätze zu finden.
Europa brennt – die Folgen der Klimakrise werden in den nächsten Jahren noch deutlicher zu spüren sein. Was braucht es, um Ihre und weitere Klimaanpassungstechnologien in angemessenem Maß zu skalieren?
Es brennt bereits seit Juni. Was erneut darauf hinweist, dass sich auch die «klassische» Brandsaison verlängert und wir heute viel früher und viel länger Waldbrände sehen.
Was es braucht, sind Investments und Pragmatismus. Wir sehen immer noch, dass das Thema als «klein» wahrgenommen wird, weil es kein offensichtlicher «Hyperscale-Case» sei.
Katastrophenschutz ist etwas, um das sich Behörden kümmern. Derzeit wird z. B. viel in neue Drohnen-Technologien investiert – wir plädieren dafür, diese auch sinnvoll für den Wald einzusetzen! Der Wert des Waldes geht weit über die Holzbewirtschaftung hinaus, dies ist aber noch wenig präsent in den herkömmlichen Investmententscheidungen.
«Wenn kein Umsteuern erfolgt, werden die Schäden der Zukunft deutlich über den Investments liegen, die jetzt nötig sind.»
Wir brauchen Technologieoffenheit. Wir brauchen nicht mehr von dem Einen, sondern viele verschiedenen Lösungen. Gerade weil sich das Waldbrandrisiko überproportional beschleunigt, wird uns das Warten auf die Entwicklung des einen neuen, alles könnenden Löschflugzeugs heute kaum helfen. Wir brauchen jetzt Lösungen, mit denen bestehende Werkzeuge kosteneffizient heute schon ertüchtigt werden können – und die sich leicht nutzen lassen, zusammen mit der Erfahrung und dem Einsatz der vielen Helfer:innen. Diese, ob ehrenamtlich oder Profis, ob mit oder ohne Uniform, verdienen in jedem Fall unseren Dank! Neue Hilfsmittel sollten wir darüber hinaus mindestens versuchen.
Es muss ein Umdenken erfolgen und breiter, systemischer gedacht werden. Wenn in Zukunft Häuser, Wald, kritische Infrastruktur etc. nicht mehr versicherbar sind, werden wir immense wirtschaftliche Schäden sehen – die deutlich über den Investments liegen, die jetzt gemacht und gedacht werden müssten.
Titelfoto: Adobe Stock