Die aktuell stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft der Herren sorgt für geteilte Stimmung unter Sportfans. Während sich manche über die sommerliche Fußball-Vollbedienung mit ganzen 104 Spielen freuen, wird die Freude bei anderen durch zahlreiche Kritikpunkte am Turnier getrübt: Dass sie in gleich drei flächenmäßig riesigen Ländern – USA, Kanada und Mexiko – stattfindet, sorgt die erforderliche Logistik in Kombination mit dem XL-Turnierdesign für die klimaschädlichsten Spiele aller Zeiten – inmitten der eskalierenden Klimakrise. Ebenfalls groß ist das Ärgernis über neue Rekordpreise für Tickets, die das Event nur für sehr gut betuchte Menschen zugänglich machen. Fälle von rassistischer Diskriminierung in den USA unter der rechtsradikalen Trump-Regierung sorgen für weitere Negativschlagzeilen. Und das Gebaren der FIFA setzt dem Frust vieler Fußballfans über die hemmungslose Kommerzialisierung ihres Lieblingssports die Krone auf.
Macht’s besser
Kurzum: Die WM 2026 zeigt in vielerlei Hinsicht, wie man es nicht machen sollte.
Wie es besser geht, führen an der Basis landauf, landab unzählige Sportvereine vor. Sie ermöglichen Heranwachsenden Freude, Sinn und persönliche Entwicklung, und das oft mit viel Herzblut und wenig Geld. Und sie vermitteln dabei Werte wie Teamgeist, Fairness, Kooperation, Zusammenhalt und im besten Fall auch Nachhaltigkeit. Das leben von den EWS unterstützte Vereine wie der FC Internationale Berlin bereits vor.
Die Idee von Sportvereinen als Multiplikatoren nachhaltiger Entwicklung spielt bei den EWS schon im Vereinssponsoring eine große Rolle. Wie Sportvereine Nachhaltigkeit in ihren Vereinsalltag einbinden können, dafür hat EWS-Nachhaltigkeitsmanager Christian Krause gemeinsam mit dem Regionalmanagement und Studierenden der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach (DHBW) nun einen praktischen Leitfaden vorgestellt (Download weiter unten im Text). Er umfasst zahlreiche Maßnahmen für mehr ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit, von ganz einfachen bis solchen mit fortgeschrittenem Aufwand. Hinzu kommt eine Tabelle, mit der Maßnahmen übersichtlich evaluiert und geplant werden können. Chris erzählt uns mehr dazu im Interview:
Interview
Chris, du bist ja bei den EWS als Nachhaltigkeitsmanager tätig und beschäftigst dich dort unter anderem mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie der Entwicklung und Umsetzung konkreter Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Wie kam es dazu, dass du auch noch einen Leitfaden für Sportvereine betreut hast?
Chris Krause: Die Duale Hochschule Baden-Württemberg Lörrach (DHBW) ist an uns herangetreten. Die bilden Nachhaltigkeitsscouts über einen Zertifikatslehrgang aus und suchten Praxispartner. Für den Praxisteil hatten wir uns zusammen mit unserem Regionalmanager Philipp Appenzeller überlegt, einen Leitfaden zu entwickeln. Es ging darum, einen Kriterienkatalog für die Vereinsarbeit und unser Sponsoring zu haben, und gleichzeitig den Vereinen eine Hilfestellung an die Hand zu geben, ihre eigene Nachhaltigkeit einzuschätzen.
Ich finde das sehr passend: Vereine können als Multiplikatoren für Nachhaltigkeit, für den Klimaschutz, für Solidarität wirken – Werte, für die die EWS ebenfalls stehen. Über den Sport als Anknüpfungspunkt tragen sie diese Werte an Menschen heran und verbreiten sie weiter.
Wie seid ihr dabei vorgegangen?
Wir haben erst einmal überlegt, was Nachhaltigkeit für Sportvereine bedeutet, und das in die Bereiche ökologisch, sozial und ökonomisch unterteilt. Mit unseren Recherchen kam ein erster Katalog an Maßnahmen heraus. Mit dem sind wir dann zu unseren Partnervereinen FC Schönau, Freiburger Turnerschaft und FC Internationale Berlin gegangen und haben sie zu ihrer Nachhaltigkeitsarbeit interviewt.
Dabei war es sehr vorteilhaft, dass diese drei Vereine in unterschiedlichen Stufen stecken: Der FC Schönau steht relativ am Anfang, die Freiburger Turnerschaft befasst sich schon länger damit, und der FC Internationale ist ein echter Vorreiter. Das hat uns eine Bandbreite gegeben, was möglich ist, und wie einfach diese Maßnahmen umzusetzen sind. Diese Abstufung ist mit in den Leitfaden eingeflossen.
Mit der ersten Version sind wir dann zur Erprobung zu den Vereinen zurückgegangen. Bei diesem ersten Test ging es erst einmal darum, den Ist-Zustand festzustellen und zu dokumentieren, um eine Vorstellung zu bekommen, ob der Leitfaden einfach nutzbar und in der Praxis anwendbar ist.
Download Leitfaden
Hier könnt ihr die Dokumente kostenlos herunterladen:
Und nun ist der Leitfaden fertig und für alle Sportvereine frei verfügbar?
Genau. Natürlich gibt es bereits viele Leitfäden, von Vereinsarbeit bis Veranstaltungsmanagement. Was unseren von den anderen unterscheidet, ist das Bewertungssystem, das Nachhaltigkeit greifbarer macht. Er zählt nicht nur Maßnahmen auf. Er beantwortet auch Fragen wie: Was machen wir bereits, was vielleicht noch gar nicht als Nachhaltigkeitsmaßnahme deklariert war?
Und dann gibt er dem Verein eine Perspektive, wo die nächsten möglichen Schritte sind. Einige Maßnahmen lassen sich unkompliziert umsetzen, beispielsweise der Einsatz von Energiesparlampen oder Durchflussbegrenzern in Duschköpfen. Auch die regelmäßige Wartung technischer Anlagen leistet einen konkreten Beitrag zur Nachhaltigkeit: Sie verlängert deren Lebensdauer, senkt den Energieverbrauch und reduziert den Materialverschleiß. Dadurch werden Ressourcen geschont und Emissionen verringert.
Wir ermutigen die Vereine, sich anhand einfacher KPIs (= key performance indicators; also Maßzahlen, an denen der Erfolg gemessen wird) in einer separaten Tabelle Ziele zu setzen – beispielsweise, im nächsten Jahr 10 Prozent weniger Strom zu verbrauchen. Der Bewertungsbogen gibt dem Verein stets eine übersichtliche Rückmeldung, wo er im Bereich der Nachhaltigkeit steht.
«Wir begreifen Nachhaltigkeit als Prozess, der kontinuierlich vorangetrieben wird.»
Wie sind die ersten Schritte?
Der erste Schritt ist, sich den Leitfaden herunterzuladen, mal die Handlungsmöglichkeiten durchzulesen und im Selbst-Check einmal die Bewertungstabelle durchzugehen. Es fängt damit an, sich die Frage «Wo stehe ich» zu beantworten, bevor es an die Frage geht «Wo will ich hin?».
Auf Basis des Ist-Zustands kann der Verein konkrete Ziele formulieren: Welche Maßnahme wollen wir im nächsten Jahr umsetzen? Wer übernimmt Verantwortung? Bis wann soll was genau passiert sein? Haltet diese Vereinbarungen schriftlich fest und überprüft sie regelmäßig.
Du bietest auch Audits für Vereine an, die sich in puncto Nachhaltigkeit ambitionierte Ziele setzen.
Genau, das haben wir in der Erprobungsphase festgestellt, dass man sich im Gespräch gegenseitig Ideen gibt. Ich bin kein Experte für Sportvereine, aber als Nachhaltigkeitsmanager kann ich Vorschläge entwickeln, wenn wir die konkreten Herausforderungen der Vereine diskutieren.
Es gibt ja keine Universallösungen, die auf alle Vereine passen. Ein Verein, dem sein Gebäude selbst gehört, hat beispielsweise ganz andere Optimierungsmöglichkeiten als einer, der es mietet oder andere Hallen nutzt. Und es gibt vielleicht auch Themen, an die wir selbst noch nicht gedacht haben. Wie ich schon sagte, es ist ein ständiges Weiterentwickeln.
Bei Nachhaltigkeit hat man meist ökologische Verträglichkeit im Sinn. Warum habt ihr auch soziale und ökonomische Nachhaltigkeit in den Leitfaden aufgenommen?
Gemeinschaft zu leben, das ist ja das Wesen eines Vereins – Inklusion, Teilhabe und Chancengleichheit sind Werte, die eine Gesellschaft tragfähig machen. Darum müssen alle Säulen der Nachhaltigkeit möglichst gleichmäßig miteinander in Einklang gebracht werden. Da gibt es schon mal Zielkonflikte und Spannungsfelder.
Bei der ökonomischen Nachhaltigkeit geht es meist um die Frage, ob genug Geld da ist für die geplanten Maßnahmen. Eine aufwendige Gebäudesanierung ist sicher ökologisch sinnvoll, aber schadet dem Verein, wenn er sich dabei finanziell überhebt – das wäre also nicht nachhaltig.
Was können Vereine gewinnen, wenn sie sich Nachhaltigkeitsziele setzen?
Sie können auf allen Ebenen der Nachhaltigkeit gewinnen, aus ökologischer, ökonomischer wie auch sozialer Sicht.
Schon allein der Imagegewinn eines Vereins, der sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt, ist ein starker positiver Effekt. Er kann eine Vorbildfunktion übernehmen.
Verbrauchssenkende Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern führen auch langfristig zu Kostenersparnissen.
Wenn sich ein Verein sozial engagiert zeigt, wird er für neue Mitglieder attraktiv, was sich dann wiederum in einem höheren Budget durch mehr Mitgliedsbeiträge niederschlägt. Und Sponsoring ist auch ein Thema. Wir bei den EWS sponsern ja nicht irgendwelche x-beliebigen Vereine, sondern wollen schon sicherstellen, dass sie von den Grundwerten gut zu uns passen.
Den Weg zu mehr Nachhaltigkeit einzuschlagen, ist nicht immer gleich mit hohen Ausgaben verbunden, sondern viel mit persönlichem Engagement. Und das zahlt sich letztlich aus!
Titelfoto: © Irnis Kubat/FC Internationale Berlin