Mann in Weiß an großer Maschine
Mitstreiter:innen

Warum Tradition und EWS-Ökostrom bei der Feinkostfirma Steck untrennbar sind, erzählt uns Inhaber Bilfried Schwaab im Interview.

Senf mit Seele

Die Gebrüder Steck GmbH aus Schönau im Schwarzwald produziert seit 134 Jahren Senf und Feinkost – und ist einer der ältesten Gewerbekunden der EWS. Bilfried Schwaab, Inhaber in vierter Generation, spricht über natürliche Zutaten, regionale Verwurzelung und eine Partnerschaft, die längst weit mehr ist als ein Stromvertrag. 

Interview

Herr Schwaab, wenn wir in unseren Archiven graben, reicht unsere gemeinsame Geschichte bis zu den Anfängen der EWS zurück. Wie hat diese Verbindung begonnen?

Schwaab: Das ist tatsächlich organisch gewachsen. Wir sind Kunden der ersten Stunde. Ursprünglich bezogen wir unseren Strom vom Kraftwerk Rheinfelden, und als die Liberalisierung des Strommarktes kam, war der Wechsel zur EWS für uns ein ganz natürlicher Schritt. Die Familie Sladek kennen wir persönlich aus Schönau – in einem so kleinen Ort kennt man sich. 

Als die EWS dann als rein ökologischer Anbieter startete, passte das nahtlos zu unseren Überzeugungen. Konsequenz war uns damals zentral und ist es bis heute: Bei den EWS gibt es keine Verflechtungen mit Atom- oder Kohlekonzernen. Sauber heißt wirklich sauber. Genau dieses Prinzip kennen wir aus unserer eigenen Produktion – deshalb hat die Zusammenarbeit von Anfang an gepasst.

Steck ist heute in vielen Supermärkten präsent, vor allem im Südwesten. Aber angefangen hat alles ganz anders, oder?

Schwaab: Mein Großvater hat das Unternehmen aufgebaut und war mit einem Holzvergaser-LKW im ganzen Schwarzwald unterwegs. Er belieferte Kolonialwarengeschäfte, Metzgereien und Gasthöfe. Große Supermarktketten gab es nicht, jedes Dorf hatte seinen eigenen Laden. In den 60er Jahren hat mein Vater übernommen und den Betrieb an den Wandel angepasst, als sich Einzelhändler zu Genossenschaften wie Edeka zusammenschlossen. Eines hat sich aber nie verändert: unser Standort Schönau. Wir sind immer hier geblieben – eine bewusste Entscheidung, die über die Jahrzehnte auch den Charakter unserer Produkte geprägt hat.

Heute ist Steck vor allem für die Bio-Linie bekannt. War Nachhaltigkeit schon immer Teil der Firmenphilosophie?

Schwaab: Wenn man ehrlich ist: ja, nur hieß es früher nicht so. Mein Großvater produzierte Essig und Senf mit Wasserkraft. Der Essig reifte in Eichenholzfässern, die Senfkörner kamen unbehandelt in Säcken und wurden in Steinmühlen gemahlen. Im Grunde das natürlichste Bio-Produkt, das man sich vorstellen kann. 

Erst nach dem Krieg, als alles auf maximale Erträge, Spritzmittel und strombetriebene Maschinen umgestellt wurde, entfernte sich die Lebensmittelproduktion weit von diesen natürlichen Ursprüngen. Wir haben uns irgendwann gefragt: Warum eigentlich? Und Stück für Stück zurückgefunden.


Wann fiel der bewusste Entschluss, wieder zu diesen Wurzeln zurückzukehren und eine eigene Bio-Linie aufzubauen?

Schwaab: Das war Ende der 70er Jahre. Ein Bio-Großhändler fragte an, ob wir Senfprodukte ohne chemische Zusätze herstellen könnten. Damals entstanden die ersten Bioläden, und die suchten Hersteller, die bereit waren, anders zu denken. Wir haben über Jahrzehnte als «White Label» für andere Marken produziert. Irgendwann kam der Moment, in dem wir uns sagten: Wir haben das Know-how, wir haben die Qualität – das tragen wir jetzt unter unserem eigenen Namen nach draußen. 

Der Anfang im konventionellen Einzelhandel war mühsam, Bio war noch kein großes Thema. Heute liegt unser Bio-Senf in der Tube, unser Hauptprodukt, in fast jedem Markt zwischen Heidelberg und Ravensburg.

Was unterscheidet Ihren Bio-Senf konkret von herkömmlichen Produkten – und wo kommt dabei eigentlich die Energie ins Spiel?

Schwaab: Unsere Philosophie ist klar: Vom Umpflügen des Ackers bis zur fertigen Tube im Einkaufskorb kommt nichts Künstliches hinein. Keine Wachstumsförderer, keine Pestizide, keine Desinfektionsmittel bei der Lagerung. In konventionellen Produkten können bis zu 50 verschiedene Zusatzstoffe stecken – bei uns keine. 

Und wenn man diesen Anspruch konsequent zu Ende denkt, hört er nicht an der Ackergrenze auf. Auch die Energie, mit der wir mahlen, mixen und abfüllen, ist Teil des Produkts. Deshalb ist der Ökostrom der EWS für uns kein Beiwerk, sondern logischer Bestandteil unserer Qualität. Wir können mit Fug und Recht sagen: Unsere Produkte sind nicht nur Bio – sie werden auch mit reinem Biostrom hergestellt.

Regionalität ist ein zweiter großer Pfeiler Ihrer Arbeit. Warum halten Sie daran so konsequent fest, obwohl eine Expansion nach außerhalb der Region wahrscheinlich leicht möglich wäre?

Schwaab: Wir wollen kein austauschbares Industrieprodukt sein. Regionalität bedeutet Frische, kurze Wege, lebendige Beziehungen zu Bäuer:innen und Zulieferern vor Ort – und nicht zuletzt die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft. Ein Schwarzwälder Senf schmeckt auch nach der Region. Wir haben unsere Rezepturen über die Jahrzehnte übrigens leicht angepasst: Heute darf es gerne etwas würziger und feiner süßer sein, früher mochte man es saurer. 

Transparenz gehört ebenfalls dazu – wir vertreiben nur, was wir wirklich selbst vor Ort herstellen. Dass auch unser Stromanbieter vor Ort sitzt und in der Region verwurzelt ist, passt genau in dieses Bild. Man braucht Partner, die die gleichen Überzeugungen leben, sonst bleibt Regionalität ein Werbeversprechen.

Die letzten Jahre waren für die gesamte Wirtschaft herausfordernd. Wie hat Steck Energiekrise und Preissteigerungen erlebt?

Schwaab: Es war eine Achterbahnfahrt. Zuerst Corona, dann die Kostenexplosion durch den Ukraine-Krieg – bei Rohstoffen, Verpackung und natürlich Energie. Als kleiner regionaler Hersteller hat man nicht die Einkaufsmacht eines Weltkonzerns. Wir mussten Preise anpassen, unsere Kund:innen hatten dafür Verständnis, weil sie die Qualität schätzen. 

So eine Phase zeigt aber auch, wie wichtig verlässliche Partner sind: Wenn der Stromanbieter konsequent auf erneuerbare Quellen setzt und eben nicht an internationalen Gas- und Kohlepreisen hängt, ist das in solchen Zeiten ein echter Stabilitätsanker. Es ist ein permanenter Prozess, den Menschen den Wert von regionalem Bio immer wieder nahezubringen – gerade in Zeiten, in denen das Geld nicht locker sitzt.

Zum Abschluss: Gibt es Pläne, die Partnerschaft zwischen Steck und den EWS in Zukunft noch sichtbarer zu machen?

Schwaab: Wir finden den Gedanken spannend, unsere gemeinsame Philosophie noch deutlicher nach außen zu tragen. Es gab früher schon Überlegungen, das EWS-Logo auf unsere Etiketten zu bringen. Da unsere Bio-Tube so weit verbreitet ist – von Heidelberg über Freiburg bis Ulm und runter nach Ravensburg –, wäre das eine schöne Möglichkeit zu zeigen, dass regionales Handwerk und saubere Energie zusammengehören. 

Und vielleicht ist das erst der Anfang: Ich könnte mir gemeinsame Veranstaltungen in unserer Manufaktur vorstellen, kleine Einblicke hinter die Kulissen, vielleicht auch Formate mit anderen EWS-Gewerbekunden. Wir haben in der Region viele kleine und mittlere Betriebe, die ähnlich denken. Wenn wir als Ökostromer und Ökoproduzenten sichtbarer zusammen auftreten, dann erzählt das eine starke Geschichte.

Herr Schwaab, vielen Dank für dieses offene Gespräch – und den spannenden Einblick in die Welt der Schwarzwälder Feinkost.