Wolfgang Oels auf der Bühne
Initiativen

Die großen Tech-Monopolisten gefährden Umwelt, Klima und Demokratie, mahnt Wolfgang Oels, COO von Ecosia. Dabei gibt es längst Alternativen.

Surfen gegen Superschurken

«Googeln» hat sich längst in unserem Sprachschatz etabliert, genauso wie iPhone, ChatGPT oder die Namen der größten sozialen Netzwerke fast jedem Menschen bekannt sind. Es sind nur eine Handvoll Websites, die den Löwenanteil des Traffics im Web auf sich vereinen. Das hat Konzerne wie Google/Alphabet, Meta, Apple und Microsoft mit einer gigantischen Marktmacht ausgestattet. 

Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass diese Konzerne irgendetwas für Menschen und Umwelt übrig hätten. Regenbogen-Bekenntnisse halten nur, so lange man sie kommerziell vorteilhaft einsetzen kann. Sobald Faschismus im Trend liegt, biedern sich Mark Zuckerberg, Elon Musk, Jeff Bezos und Tim Cook willig bei Möchtegern-Diktator Trump an. Die großen Social-Media-Plattformen tragen mit ihren Algorithmen selbst dazu bei, rechte Narrative favorisiert zu verbreiten, und damit die soziale Spaltung voranzutreiben. Die Versuche der EU, den großen Tech-Konzernen etwas Regulierung entgegenzusetzen, wirken zunehmend verzagt. Im Selbstverständnis der Big Player sind sie es, die die Regeln machen, und nicht etwa der Staat.

Wieder einmal stellt es sich also als ziemlich schlechte Idee heraus, einige wenige Menschen mit einer schier endlosen Fülle an Geld, Macht und Einfluss zu versehen. Dagegen gibt es nur ein Rezept: die Geldströme wegzuleiten von den Monopolisten und sie für die Allgemeinheit gewinnbringend einzusetzen. 

Das tut zum Beispiel die Suchmaschine Ecosia, deren Gewinn unter anderem dazu verwendet wird, Bäume zu pflanzen. Deren COO Dr. Wolfgang Oels sprach darüber in seinem Vortrag auf der Langen Nacht des Klimas – und mit dem EWS Blog:

Interview

In Ihrem Vortrag haben Sie den Satz gesagt «Ohne die Entmachtung von Big Tech können wir den Klimakollaps nicht aufhalten». Wie hängt beides zusammen?

Wolfgang Oels: Um den Klimakollaps und das sechste Massensterben aufzuhalten, braucht die Welt zusätzliche Investitionen von rund 600 Milliarden Euro. Das klingt nach einer astronomischen Summe – ist es aber nicht. Es ist weniger als das, was allein in diesem Jahr in KI-Datencenter fließen soll. Und weniger als der kombinierte Jahresgewinn der fünf größten Tech-Konzerne der Welt.

Das Geld ist also da. Die Frage ist nur, wohin es fließt. Solange Big Tech Hunderte von Milliarden anhäuft, in Aktienrückkäufe steckt oder in immer größere Datencenter pumpt, fehlt dieses Kapital dort, wo es gebraucht wird.

Aber es geht nicht nur ums Geld. Eine Handvoll Tech-Oligarchen unterstützt weltweit Autokraten und spaltet unsere Gesellschaften – als Geschäftsmodell, weil Polarisierung mehr Klicks bringt. Oder weil sie selbst autokratische und transhumanistische Ziele verfolgen. 

Wer die Klimakrise lösen will, braucht handlungsfähige Demokratien. Und handlungsfähige Demokratien brauchen eine digitale Infrastruktur, die nicht von einigen wenigen Oligarchen kontrolliert wird. Beides hängt unmittelbar zusammen.

Sie betreiben mit Ecosia einen Gegenentwurf, bei dem Sie die operativen Gewinne nicht zur Kapitalanhäufung nutzen, sondern zur Bekämpfung der Klimakrise. Wie funktioniert das konkret?

Ecosia ist ein Purpose-Unternehmen. Das bedeutet: 100 Prozent der Gewinne fließen in den Klimaschutz – keine Dividenden, keine Ausschüttungen an Kapitaleigentümer. Darüber wacht die Purpose-Stiftung.

Über 100 Millionen Euro sind so bisher zusammengekommen – vor allem für Wiederaufforstungsprojekte in Biodiversitäts-Hotspots in 35 Ländern, also den gefährdetsten und artenreichsten Ökosystemen der Welt, aber auch für Erneuerbare-Energien-Anlagen oder für das Anstoßen des World Funds, den mit 300 Millionen Euro größten europäischen Climate-Venture-Capital-Fonds. 

Das Modell funktioniert. Jede Suche auf Ecosia finanziert diese Projekte. Nicht durch Spenden, sondern durch das, was ohnehin passiert – Menschen suchen im Internet. Bloß fließen die Gewinne nicht an die reichsten Menschen, die die Welt je gesehen hat, sondern an etwas, von dem wir alle profitieren.

Was kann jeder von uns tun, und wo findet man mehr Infos dazu?

Es gibt Alternativen zu den großen Big-Tech-Platzhirschen, und sie sind näher, als viele denken. Mastodon als Alternative zu X, PeerTube statt YouTube, Signal statt WhatsApp. Diese Dienste finanzieren zwar keine Klimaschutzprojekte, sind aber gemeinwohlorientiert und entziehen uns dem Zugriff der mächtigsten Medienmonopole, die die Welt je gesehen hat.

Wozu solche Monopole führen, hat die Geschichte oft genug gezeigt. Und wir erleben es gerade wieder.

Der Digital Independence Day ist eine tolle Initiative, die diese Alternativen monatlich vorstellt – und zeigt, dass es sie gibt, dass sie funktionieren und dass der Wechsel einfacher ist als gedacht.

Am einfachsten ist: Den Ecosia-Browser auf dem Handy herunterladen und in die Schnellzugriffsleiste verschieben – dann ist Ecosia immer einen Tipp entfernt. Auch für den Desktop gibt es einen eigenen Ecosia-Browser.

Alternativ lässt sich Ecosia in anderen Browsern als Standardsuchmaschine einstellen. Das wird von manchen Browserherstellern aber unnötig schwer gemacht, außerdem können dabei erhebliche Teile der Werbeeinnahmen an den Browserbetreiber fließen statt in den Klimaschutz.

Darüber hinaus: einfach weiterempfehlen. Im Freundes- und Bekanntenkreis, aber vor allem am Arbeitsplatz. 

Viele Unternehmen haben Ecosia bereits als Standardsuchmaschine eingeführt, darunter SAP, die Deutsche Telekom oder DHL. Ein kurzer Vorschlag an die Geschäftsführung oder die Nachhaltigkeitsbeauftragten kann also eine große Wirkung haben.

Ein paar Linktipps

Ecosia – Suchmaschine, Browser und sparsame KI 

Digital Independence Day – Jeden ersten Sonntag im Monat zusammen ein paar Dienste kündigen und zu den gemeinwohlorientierten Alternativen wechseln

Energiewende.social – Von den EWS betriebene Mastodon-Instanz

Euria – Datensparsame KI, betrieben mit Erneuerbaren