Als die EWS Schönau im April ihren Solarpark im niedersächsischen Lauenbrück eröffneten, herrschte passend zum Anlass strahlender Sonnenschein. Überhaupt präsentierte sich der zweite Frühlingsmonat laut Deutschem Wetterdienst als außergewöhnlich sonnig: «Durch lange Hochdruckphasen in Verbindung mit trockener Festlandsluft summierten sich bis Monatsende rund 245 Sonnenstunden auf. Damit wurde der vieljährige Mittelwert von 154 Stunden (Referenzperiode 1961 bis 1990) um mehr als 50 % überboten.»
Großartige Voraussetzungen also für den Betrieb von Solarkraftwerken. Entsprechend gut gelaunt waren die Besucher:innen, die den Tag der offenen Tür nutzten, um sich den Ort nachhaltiger Energieerzeugung aus der Nähe anzuschauen. Und um einen weiteren kleinen Schritt hin zur erneuerbaren Energiewende zu feiern.
Als die EWS Schönau Anfang August ihren Solarpark im baden-württembergischen Trichtingen eröffneten, war es wieder strahlend sonnig. Auch hier wieder beste Voraussetzungen für die solare Ökostromerzeugung. Der Deutsche Wetterdienst hatte über den gerade zu Ende gegangenen Juli 2026 vermeldet: «Deutschland erlebte einen außergewöhnlich warmen, sonnigen und trockenen Monat.» Im Süden entsprach die Niederschlagsmenge für das laufende Jahr gebietsweise noch nicht einmal der Hälfte des vieljährigen Mittels der Jahre 1991 bis 2020. Die Stimmung bei der kleinen Eröffnungsfeier war entsprechend deutlich weniger sonnig.
Die Sorge um sich ausbreitende Dürre, die Waldbrandgefahr und den deutlich zutage tretenden Klimawandel war greifbar. Jörg Dürr-Pucher war sichtlich frustriert angesichts der staubigen Böden im und rund um den Solarpark. «Wir haben großflächig Wildblumen ausgesät, die bis vor ein paar Wochen die ganze Fläche begrünt haben», so der Leiter Projektentwicklung des EWS-Partners solarcomplex AG, «jetzt ist hier alles vertrocknet.»
Die Aussaat von Wildblumen und standortgerechten Kräutern ist Teil des Konzepts der EWS-Solarparks, um die Flächen ökologisch aufzuwerten, indem Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere geschaffen werden. Bislang mit großem Erfolg: Im Solarpark Herten haben sich Eidechsen angesiedelt, im Solarpark Döggingen im Schwarzwald fühlt sich die Feldlerche ausgesprochen wohl, und im Solarpark Fröhnd hat ein Imker bereits mehrere Honigernten eingeholt, weil seine Bienen auf der Fläche und in der näheren Umgebung eine Unmenge an Blütenpflanzen vorfinden. In Trichtingen aber wird eine weitere Aussaat nötig sein, um neue Biotope zu schaffen. Zudem beweiden Schafe die Flächen aller EWS-Solarparks, wo die Tiere viel Nahrung und ausreichend Schatten unter den Solarpanelen finden.
Auch Thekla Walker zeigt sich hin- und hergerissen angesichts der offensichtlichen und bedrückenden Folgen des Klimawandels einerseits und der Aufbruchstimmung andererseits, die mit jedem neuen Solarpark zu spüren sei. Die baden-württembergische Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft ist gerade auf Sommertour im Land unterwegs und kam zur Eröffnung des EWS-Solarparks auch nach Trichtingen. Sie spricht offen über ihren Frust angesichts der Dürre, die am wasserarmen Rhein genauso zu erkennen sei wie an den vertrocknenden Feldern, Wiesen und Wäldern.
Und angesichts der politischen Tatenlosigkeit beim Klimaschutz, wenn die Bundesregierung künftig wieder Gaskraftwerke baue und die Förderung erneuerbarer Energien herunterfahre. «Wir spüren die Auswirkungen und Probleme durch den Klimawandel, die intensiven Wetterereignisse sind Ergebnisse der Klimaerwärmung», betonte Walker. Die Nutzung fossiler Energien sei angesichts der Waldbrände in Frankreich und auch hierzulande fortschreitender Folgen des Klimawandels nicht länger zu rechtfertigen.
Armin Komenda, Vorstandsmitglied der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG, machte deutlich, dass sich die EWS weder durch politisch auferlegte Hürden noch durch die Klimaerwärmung von ihrem Weg abbringen lassen, weiter Wind- und Solarparks zu projektieren und zu bauen. «Wenn wir die Klimaziele erreichen, Versorgungssicherheit stärken und Energie bezahlbar halten wollen, brauchen wir jetzt Tempo, Verlässlichkeit und den Willen zur Umsetzung. Der Solarpark Trichtingen zeigt, dass dieser Weg möglich ist.» Dabei komme es auch darauf an, den Ausbau der erneuerbaren Energien zukunftsfähig zu gestalten – durch bessere Stromnetze, durch vereinfachte Verfahren und nicht zuletzt durch den Bau von Speichern.
Die EWS werden künftig Batteriespeicher in ihren Solarparks errichten, um flexibler ins Netz einspeisen zu können. Mit dem nächsten Solarpark wird auch der erste EWS-Speicher eröffnet – gleich im Nachbarort von Trichtingen. Der Solar- und Batteriespeicherpark Eichwäldle wird mehrere Jahrzehnte lang sauberen Solarstrom für etwa 1.200 Haushalte erzeugen, wodurch pro Jahr 1.300 Tonnen CO2 eingespart werden. Daneben wird auf der Solarparkfläche ein Batteriespeichersystem mit einer Kapazität von 11 Megawattstunden (MWh) errichtet, um Strom aufzunehmen und zu einem späteren Zeitpunkt ins Netz einzuspeisen. Die Eröffnung ist für Frühling 2027 geplant – rechtzeitig vor der nächsten zu befürchtenden Trockenzeit.
Titelbild: Luftaufnahme vom Solarpark Lauenbrück | © Ulrich Mertens/EWS