Visualisierung Klimagerechtigkeit: Stilisierte Grafik von Armen und Händen unterschiedlicher Hautfarbe, die alle zu einer Erdkugel ausstrecken
#KlimagerechtigkeitJetzt

Der Kampf gegen die Klimakrise geht Hand in Hand mit dem Kampf gegen soziale Probleme. Noch ist eine klimagerechte Gesellschaft möglich – packen wir es gemeinsam an!

Was bedeutet Klimagerechtigkeit?

Die, die die Klimakrise am wenigsten zu verantworten haben, leiden am meisten unter ihren Konsequenzen. Sie ist einerseits Folge sozialer Probleme, andererseits verstärkt sie diese. Der Kampf gegen die Klimakrise geht Hand in Hand mit dem Kampf gegen soziale Probleme. Wir glauben: Eine klimagerechte Wirtschafts- und Gesellschaftstransformation ist noch möglich. Aber dazu braucht es große Bemühungen – auf allen Ebenen!

Zum Start unserer Kampagne zur Klimagerechtigkeit wollen wir erklären, was der Begriff „Klimagerechtigkeit“ bedeutet und wie sie sich auf die einzelnen Ebenen, die zu ihr gehören auswirkt – und welche großen und kleinen Bemühungen es braucht, um eine klimagerechtere Welt zu gestalten. Was will Klimagerechtigkeit erreichen, was kann sie erreichen?

Im Mittelpunkt der Klimagerechtigkeit steht immer der Mensch, also die Betroffenenperspektive – nicht in erster Linie CO2-Werte oder sonstige Klimadaten. Es geht darum, unter ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten für eine faire Verteilung der Kosten und Auswirkungen der Klimakrise zu sorgen. Dabei soll sichergestellt werden, dass alle Menschen genügend Ressourcen und Möglichkeiten erhalten, sich an die durch den Klimawandel bewirkten veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

Verantwortung endlich anerkennen

Hier kommt insbesondere den Industriestaaten eine historische Verantwortung zu, da sie über Jahrzehnte hinweg den größten Teil an Treibhausgasemissionen verursacht haben. Das bedeutet, dass sie den Menschen und Ländern, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben und am stärksten unter deren Folgen leiden (werden), bei der Bewältigung der entstandenen Klimaschäden unter die Arme greifen müssen.

Es bedarf also eines Ressourcenausgleichs, um dem entstandenen Ungleichgewicht in Bezug auf die Verursachung der Klimakrise und dem Tragen ihrer Konsequenzen entgegenzuwirken. Dabei ist eine monetäre Bewertung nicht bei allen Schäden möglich, wie der Verlust von Kultur, Traditionen oder sogar Staatsgebieten. Zumal die Kosten der Klimakrise auch in ihrer ganzen Bandbreite betrachtet werden müssen ­– etwa Folgen für Gesundheit, Biodiversität, Soziales und Teilhabechancen. Wenn der Klimawandel den Ärmsten ihre Lebensgrundlage nimmt, werden Armut und Ungleichheit verstärkt. Es ist daher an der Zeit, dass Konzerne und Industriestaaten, die die Klimakrise in einem erheblichen Maße befeuert haben, die Folgen ihres Handelns anerkennen und für einen angemessenen Ausgleich der Ressourcen sorgen.

Untermauert wird dieser Befund durch eine aktuelle Studie der Wissenschaftler:innen Andrew Fanning und Jason Hickel. Kernaussagen dieser wurden hier visualisiert.

Danach haben 39 Länder des Globalen Nordens ihren fairen Anteil mit Blick auf das 1,5-Grad-Ziel im Durchschnitt bereits im Jahr 1986 aufgebraucht, während dies bei 129 Ländern des Globalen Südens erst in 2048 der Fall ist – auch dann, wenn diese keine weiteren Klimaschutzmaßnahmen mehr beschließen. Das spricht eine deutliche Sprache und muss endlich eine ausreichende Berücksichtigung finden.

Die Zahlen sind eindeutig

Prof. Dr. Sighard Neckel erklärt in einem Vortrag auf der Langen Nacht des Klimas 2023 sehr gut, was mit der Verantwortung für die Übernahme von Kosten für Klimaschäden gemeint ist: Demnach geht es darum zu berechnen, wer durch den Klimawandel die meisten Verluste an Wohlstand und Lebensmöglichkeiten erleiden wird, wer zu den Emissionen beigetragen hat und wer über die Kapazität verfügt, tatsächlich für den Klimaschutz zu zahlen.

Und da sind die Zahlen eindeutig: Von den ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung haben insgesamt 75 Prozent der Menschen den Verlust von Lebensmöglichkeiten durch den Klimawandel zu erwarten, obwohl sie nur zu 12 Prozent an dessen Entstehung beteiligt sind. Diese 50 Prozent halten insgesamt nur 2 Prozent des weltweit verfügbaren Vermögens. Dagegen besitzen die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung über 76 Prozent des verfügbaren Vermögens und sind zugleich für 48 Prozent aller Emissionen verantwortlich, wobei sie nur 3 Prozent Einbußen infolge des Klimawandels zu erwarten haben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Klimagerechtigkeit ist unsere Verantwortung für zukünftige Generationen, deren Leben von den Auswirkungen der klimapolitischen Entscheidungen und des gesellschaftlichen Handelns in der heutigen Zeit maßgeblich geprägt sein wird. Das hat übrigens auch das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil in 2021 festgestellt, wo es unter anderem heißt: »Auch der objektivrechtliche Schutzauftrag des Art. 20a GG schließt die Notwendigkeit ein, mit den natürlichen Lebensgrundlagen so sorgsam umzugehen und sie der Nachwelt in solchem Zustand zu hinterlassen, dass nachfolgende Generationen diese nicht nur um den Preis radikaler eigener Enthaltsamkeit weiter bewahren könnten.«

Auch und gerade vor diesem Hintergrund ist es geboten, dass die langfristige Perspektive bei der Bewältigung der Klimakrise im Auge behalten wird.

Verteilungsgerechtigkeit und Verantwortung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es bei der Klimagerechtigkeit immer um Verteilungsgerechtigkeit geht und die Frage, wer wie viel Verantwortung im Zuge der Klimakrise trägt. Dass also die Kosten und Belastungen, die die Klimakrise mit sich bringt, fair verteilt werden. So ist es z. B. wichtig, dass einkommensschwächere Menschen weniger finanzielle Belastungen bei der Bewältigung der Klimakrise erfahren als wohlhabendere. Alle Klimamaßnahmen müssen also immer sozial-ökologisch gestaltet sein, um klimagerecht zu sein.

Das gilt auch für die Energiewende – diese ist zwar alternativlos, darf aber keine Energiearmut mit sich bringen. Energiearmut ist jedoch kein Problem der Energieversorgung, sondern der sozialen Spaltung in arm und reich. Denn kommt es zu einer Steigerung der Strom- und Wärmekosten, werden Geringverdienende härter getroffen als Haushalte mit höherem Einkommen: Jeder Euro fällt hier doppelt so hart ins Gewicht. Geringverdienende haben hier keine Möglichkeiten, auf billigere Waren oder Verzicht auszuweichen – ohne Strom und Heizung geht es nicht.

Klimagerechtigkeit gehört zur DNA der EWS

Klimagerechtigkeit ist tief verwurzelt in der Gründungsgeschichte der EWS. Denn die Übernahme des Stromnetzes vom damaligen Stromversorger Kraftübertragungswerke Rheinfelden war nicht nur eine Erfolgsgeschichte der Stromrebell:innen als David gegen den Goliath in Form eines finanzstarken und alteingesessenen Netzbetreibers. Sie beinhaltete auch die Mobilisierung einer ganzen Region, um gemeinsam ein Stromnetz zu gestalten, das allen am meisten nutzt – nicht nur einem Strommonopolisten. Auch heute noch ist Klimagerechtigkeit sowohl Motivation als auch Vision für unser Handeln. 

Zusammen mit Energiewende, Suffizienz-Effizienz-Einsparung sowie Mobilitäts- und Wärmewende gehört die Klimagerechtigkeit zu den Klimaschutz-Schwerpunkten der EWS. Unser genossenschaftliches Geschäftsmodell und die Bürgerenergie können treibende Kräfte zu mehr Klimagerechtigkeit sein. Zudem unterstützen wir auch gemeinnützige Projekte, die sich für mehr Klimagerechtigkeit einsetzen. Ein Beispiel dafür ist die indigene Organisation «Alianza Ceibo», die wir im Rahmen unserer Weihnachtsaktion 2023 finanziell unterstützt haben.

«Alianza Ceibo»

Im Rahmen unserer Weihnachtsaktion 2023 haben wir mehrere zehntausend Euro an die zivilgesellschaftliche indigene Organisation «Alianza Ceibo» gespendet. Dabei handelt es sich um ein Bündnis vier indigener Gemeinschaften im ecuadorianischen Amazonas. Gemeinsam kämpfen sie gegen die Zerstörung des Regenwaldes und ihrer Lebensgrundlagen.

Hier ein Hintergrundartikel im Energiewende-Magazin


Klimaschutz geht nur solidarisch

Wir stehen am Kipppunkt: Eine sozial gerechte Ausgestaltung einer klimagerechten Wirtschafts- und Gesellschaftstransformation ist noch möglich. Wir überlassen nicht dem Hass und der Ausgrenzung von vulnerablen Gruppen die Macht. Klimaschutz geht nur solidarisch! Viele Länder und Menschen weltweit haben keine Zeit mehr für Kulturkämpfe um den Klimaschutz – für sie stellt die Klimakrise jetzt schon eine existenzielle Bedrohung dar.

Daher stehen für uns im Rahmen unserer Kampagne zur Klimagerechtigkeit viele Fragen im Raum, die wir zu beantworten versuchen: Geht der Kampf gegen die Klimakrise einher mit Verzicht, verschärft dieser die soziale Spaltung? Können eine kluge Politik, Wirtschaft und Bevölkerung sogar eine sozial gerechte Ausgestaltung einer klimaneutralen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung möglich machen? Gibt es sozialverträgliche Lösungsmöglichkeiten und wie lassen sie sich auch gegen widerstreitende Interessen politisch durchsetzen? Was kann die Klimabewegung von anderen Bewegungen lernen? Wie kann sie sich so aufstellen, dass ihre Strukturen und Forderungen zu einer klimagerechteren Welt beitragen?

Man sieht: Das Thema ist sehr vielschichtig und komplex. Doch nur, wenn wir uns an diese großen Fragen wagen, werden wir stimmige und wirksame Lösungen für die Bewältigung der Klimakrise finden! Dazu gehen wir im Rahmen unserer Kampagne in den kommenden Wochen ins Gespräch mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und geben ihnen Raum für ihre Ideen zu vielfältigen Aspekten der Klimagerechtigkeit. Zugleich wollen wir unsere Mitstreiter:innen animieren, selbst aktiv zu werden. Wir möchten handlungspraktische Tipps und Beispiele geben, wie jeder und jede zu mehr Klimagerechtigkeit in seinem oder ihrem Umfeld beitragen kann – denn so können wir Impulse setzen für den nötigen gesellschaftlichen Wandel, für den Planeten und für eine gerechtere (Welt)Gemeinschaft.
 

Literatur zum Thema

Am 17. Januar fand im Rahmen unserer Kampagne zur Klimagerechtigkeit das Webinar Eine Einführung aus rassismuskritischer Perspektive statt, in dem die Bildungsreferentin Nene Opoku erläuterte, was es mit dem Begriff der Klimagerechtigkeit auf sich hat und wie er entstanden ist. Dabei präsentierte sie weiterführende Literatur, die wir nun folgend auflisten:

Inhalte des Webinars:

Weiterführende Materialien zum Thema:

 

Bildnachweise

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