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Klimaschutz im Klassenzimmer

Eine Reportage von Judith von Plato

Die Schülerfirma «energyECO» will Schulen energieeffizienter machen. Das junge Team deckt Energielecks auf, forscht und mischt sich auch politisch ein.

Das Klassenzimmer ist leer. Es riecht nach Schule: nach Büchern und Menschen, doch die sind längst zu Hause. Nur Frederik Schneider ist noch hier im Robert-Havemann-Gymnasium im hohen Norden Berlins. Und das hat etwas mit der Temperatur zu tun. Es ist stickig und warm in dem Zimmer. 27,6 Grad misst das Wandthermometer – und das an einem Apriltag. Das Zimmer ist hell, durch die hohen, modernen Fenster scheint die Sonne. Der 15-jährige Schüler kniet vor einer Heizung, das lange braune Haar fällt ihm ins Gesicht, in der Hand hält er Stift und Papier. Sein Blick haftet an einem kleinen Gerät, das am Heizkörper befestigt ist – genauer: an den Zahlen darauf.

Da kommt Levi Perner mit schnellen Schritten in das Klassenzimmer. Der 21-Jährige ist schlank und trägt eine Brille. «Irgendetwas stimmt mit den Werten nicht», sagt er. Er klingt ruhig, doch seine hastigen Bewegungen verraten die leichte Nervosität. Frederik Schneider arbeitet unbeirrt weiter, den Fokus auf die Heizung gerichtet. 

Die beiden stehen kurz vor dem Ende eines Experiments, das seit Wochen läuft. Es geht um eines der größten und oft übersehenen Energielecks an Schulen: ineffizientes Heizen. Wie viel Energie lässt sich einsparen, wenn Heizungen in den Ferien abgesenkt werden? Ihre Hypothese: Eine ferienbedingte Absenkung der Raumtemperatur würde den Energieverbrauch und die Kosten deutlich reduzieren.

Um das zu überprüfen, haben sie über mehrere Wochen die Heizungsaktivität, Temperatur und Luftfeuchtigkeit in vier Klassenräumen erfasst. In zwei davon ersetzten sie die Thermostate der Heizungen durch smarte Modelle, die sich aus der Ferne steuern lassen. In den beiden anderen Räumen ließen sie die Heizungen so arbeiten, wie sie hinterlassen wurden.

Vier Jugendliche in einem Klassenraum sitzen und stehen an einem Tisch mit Computer und Dokumenten und führen eine Besprechung durch.
Levi Perner, Frederik Schneider (stehend), Anton Wenske und Henrik Harms (sitzend) in ihrem Büro, einem kleinen Raum in dem Gymnasium in Berlin-Pankow, das die meisten der AG-Mitglieder aktuell noch besuchen. Foto: Monika Keiler
Drei Jugendliche stehen in einem Büro, ein Jugendlicher hält einen kleinen Gegenstand in den Händen, die anderen beobachten aufmerksam.
Hier treffen sich die Schüler (rechts neben Frederik Schneider: Hannes Braune und Henrik Harms), um ihre Experimente vorzubereiten. Sie wollen heute die Temperatursensoren an den Heizkörpern in ausgewählten Klassenzimmern installieren. Foto: Monika Keiler
Mehrere Jugendliche stehen in einem Klassenraum, einer wird vor Studiolicht und Softbox fotografiert, während andere zusehen.
Ihr kleines Büro ist auch Studio für Social-Media-Beiträge: Henrik filmt gerade einen Infoclip, in dem Anton über das bevorstehende Experiment berichtet. Foto: Monika Keiler

Deutschlands jüngste Energieberater:innen

Ob das Experiment geklappt hat, steht in diesem Moment auf der Kippe. Doch der Reihe nach: Vier Wochen zuvor sind Levi Perner und Frederik Schneider mit zwei weiteren Mitstreitern verabredet: Henrik Harms, 15 Jahre alt, Neuntklässler, und Hannes Braune, 22 und Student. Sie treffen sich in ihrem Büro im Erdgeschoss der Schule.

Es ist ziemlich dunkel, die Jalousien sind teilweise heruntergelassen, weil draußen die Sonne scheint. An den Wänden hängen Plakate – selbstgebastelte und gedruckte über richtiges Lüften oder über Recyclingmöglichkeiten, etwa für Druckertoner. Computer, Schreibtische und sogar ein Mini-Filmstudio zum Drehen von Informationsvideos finden in dem kleinen Raum Platz.

Sie kommen nach und nach herein, legen ihre Sachen ab, ohne große Begrüßung. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil sie konzentriert sind. Die vier sind kein loses Team, ihr geplantes Experiment keine spontane Aktion. Sie gehören zu «energyECO» und handeln mit Erlaubnis der Schule.

Wir wollen Schulen energie­effizienter gestalten.

Levi Perner, Aufsichtsratsmitglied bei «energyECO» in Berlin

EnergyECO ist eine Schülerfirma, organisiert nach dem Modell einer Aktiengesellschaft – solche von Kindern und Jugendlichen geführten Initiativen bieten die Möglichkeit, mit echtem Geld unternehmerisches Geschick zu lernen. Die Firma wirbt damit, die «jüngsten Energieberater Deutschlands» zu sein. Ihr großes Ziel: den Energieverbrauch von Schulen zu senken und so das Klima zu schützen. Dafür beraten sie, betreiben Lobbyarbeit und entwickeln eigene Ansätze, die sie direkt vor Ort testen.

Auf einem hangeschriebenen Aushang informieren die Schüler über ihren Aktivitäten. Eine gemalte Glühbirne schafft zusätzlich für Aufmerksamkeit.
Auf den Aushängen an der Pinnwand stellt die Schülerfirma ihre Projekte und Angebote vor. Foto: Monika Keiler

«Wir wollen Schulen energieeffizienter gestalten – nicht nur unsere eigene, sondern am besten in ganz Berlin, vielleicht sogar deutschlandweit», sagt Levi Perner. Bloß nicht zu klein denken, ist ihre Devise. Ein kurzes Lächeln huscht über sein Gesicht. Perner leitet die AG gemeinsam mit Hannes Braune – die beiden haben energyECO 2019 mitbegründet, bei dem Projekt mit dabei sind sie seit der siebten Klasse. Heute sitzen sie im Aufsichtsrat und studieren – Perner Maschinenbau, Braune Experimentalphysik.

Effizientes Heizen heißt nicht zu frieren

Auf einem Schreibtisch in ihrem Büro liegen kleine, cremefarbene Geräte. Frederik Schneider und Henrik Harms greifen nach einem der Heizkostenverteiler. Die Sensoren in den Geräten messen die Temperatur am Heizkörper und so dessen Wärmeabgabe – üblich in Mehrfamilienhäusern, um den Verbrauch einzelner Parteien zu berechnen. Dasselbe Prinzip nutzt energyECO. Sie installieren die Geräte in vier Klassenräumen an jedem Heizkörper. Die Daten sollen später zeigen, wie aktiv die Heizungen in jenen Räumen waren, in denen sie die Temperatur mithilfe der Smart-Thermostate aus der Ferne gesenkt haben. Die zwei anderen Räume dienen als Vergleich: Dort bleibt alles unverändert.

Zusätzlich wollen sie herausfinden, wie sich das Raumklima verändert. Deswegen bringen sie Thermometer und Luftfeuchtemessgeräte an. Denn es geht nicht nur ums Sparen, sondern auch um ein gutes Lernumfeld. Studien zufolge liegt die ideale Raumtemperatur zum Lernen zwischen 20 und 23 Grad. Bereits ab 25 Grad lässt die Konzentrationsfähigkeit nach. Zu kalt darf es allerdings auch nicht werden. «Uns geht es auch darum, zu zeigen, dass Lehrkräfte und Schüler:innen keinen Komfortverlust durch die Nacht- und Ferienabsenkung der Heizungen haben», betont Levi Perner. Entscheidend sei, dass die Räume rechtzeitig wieder auf angenehme Temperaturen kommen. Energieeffizient zu heizen bedeutet nicht gleich frieren.

Wenn wir das Klima nicht schützen und die Natur weiter ausbeuten, haben wir alle keine Zukunft.

Frederik Schneider, Vorstand bei «energyECO» in Berlin

Die Heizkostenverteiler hat Hannes Braune gebraucht gekauft. Wie zuverlässig sie messen, ist unklar. Zudem dürfen sie keine Spuren hinterlassen. Schrauben scheidet aus. Also greifen Frederik Schneider und Henrik Harms zu wärmeleitendem Klebeband und befestigen einen Verteiler an der Heizung vor ihrer Bürotür. Ein kurzer Test, dann die Erleichterung: «Das klappt schon mal», sagt Schneider.

Das Alter der jungen Forscher ist häufig ein Thema. «Für mich spielt das keine Rolle. Ich brauche manchmal ein, zwei Minuten, bis mir einfällt, wie alt ich bin», sagt Frederik Schneider mit leicht ironischem Unterton, der sich in fast alles mischt, was er sagt. Dann wird er ernst: «Jede Hilfe zählt. Wenn wir das Klima nicht schützen und die Natur weiter ausbeuten, haben wir alle keine Zukunft», erklärt er. Alles sei besser, als nichts zu tun. Damit möchte er auch andere Jugendliche und Lehrkräfte motivieren, zu einer Umwelt-AG zu gehen oder eine zu gründen. Dabei könne energyECO unterstützen.

Bevor es losgeht, ist noch einiges vorzubereiten: Während Henrik Harms einen Aushang verfasst, um die Lehrkräfte über das Vorhaben zu informieren, verbindet Frederik Schneider die Temperatur-Datenlogger mit seinem Computer und spielt Stück für Stück die nötige Konfigurationssoftware auf. Levi Perner und Hannes Braune packen derweil einen silbernen Metallkoffer. Dort kommt alles Nötige hinein – Werkzeug und Hilfsmittel wie Inbusschlüssel und Klebeband sowie die Technik, die später angebracht werden soll.

Vor geschlossenen Jalousien sitzen zwei Jungen jeweils an Computern, links steht ein Dritter und schaut auf sein Handy.
Die Vorbereitungen für die Installation der Sensoren laufen. Frederik konfiguriert vom Computer aus jedes einzelne Gerät, das die Temperaturen aufzeichnen soll. Foto: Monika Keiler

Experimentieren, analysieren und lobbyieren

Vier Wochen lang sollen die Geräte ihre Messungen aufzeichnen: vor, während und nach den Ferien. Wer experimentiert, braucht Geduld – das weiß Frederik Schneider nur zu gut. Auch bei «Jugend forscht» ist er aktiv. Er möchte nicht nur über Büchern sitzen, sondern anpacken. Genau das hat ihn auch von energyECO überzeugt. «Wir arbeiten hier praktisch daran, Sachen für die Zukunft zu verbessern.»

Mit dem Koffer ziehen die vier von Klassenzimmer zu Klassenzimmer. Die Aufgaben sind schnell verteilt: Frederik Schneider säubert den Bereich der Heizung, auf den er danach den Heizkostenverteiler klebt. Henrik Harms und Levi Perner schrauben die Thermostate der Heizungen ab und ersetzen sie durch per App steuerbare Smart-Thermostate, während Hannes Braune protokolliert und den Versuchsaufbau genau skizziert. Schon jetzt sind sie auf die Auswertung gespannt.

«Mit Zahlen können wir zeigen, dass das, was wir tun, wirklich einen Unterschied macht», sagt Frederik Schneider. Gerade auf Messen und in Gesprächen mit Politiker:innen seien sie ein Argument mehr, so der Junior-Energieberater. Inzwischen sucht das Team von energyECO auch den direkten Draht zur Politik – von den Bezirken bis in die Bundespolitik, so zuletzt bei einem Gespräch mit Lisa Paus, der Vorsitzenden des Haushaltsausschusses im Bundestag.

Solche Termine machen Frederik Schneider besonders Spaß. «Da habe ich das Gefühl, wirklich etwas bewirken zu können», sagt er. Denn – da sind sie sich einig – ihr Anliegen ist so simpel wie logisch. Viele Schulen haben sanierungsbedürftige Gebäude, das bremst jede Energieeffizienz. Nach einer Forsa-Umfrage von 2025 halten fast zwei Drittel der Schulleitungen Sanierungsmaßnahmen für notwendig. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beziffert den Investitionsstau im selben Jahr auf fast 68 Milliarden Euro.

In einem hellen Klassenzimmer stehen drei Junge Männer an einem Tisch und haben allerhand Utensilien aus einem Koffer auf den Tisch ausgebreitet.
Alles bereit? Vorbereitung der Arbeitsutensilien für die Installation der Thermostate und Datenlogger. Foto: Monika Keiler
Nahaufnahme der Installation des Messgerätes an der Heizung, die dort mit Klebeband befestigt wird.
Die Datenlogger zeichnen die Temperatur am Heizkörper auf. Als sogenannte Heizkostenverteiler sorgen sie in Mehrfamilienhäusern für eine gerechte Abrechnung. Foto: Monika Keiler
Vor den Heizkörpern unter den großen fesntern des Klassenzimmers arbeiten zwei junge Männer konzentriert an der Installation von neuen Heizungs-Thermostaten.
Vom Klassenzimmer in den Hörsaal – und trotzdem voll dabei: Die EnergyECO-Mitgründer Hannes Braune und Levi Perner bleiben dem Projekt treu und geben ihr Wissen an die Jüngeren weiter. Foto: Monika Keiler

Nur ein Grad bringt schon viel

Schon jetzt, sagen sie, lasse sich mit richtigem Lüften und Heizen viel erreichen: kurzes Stoßlüften, Heizkörper nicht unnötig aufdrehen, die Temperatur über die Ferien absenken. Auch Wasser könne man sparen, etwa mit Durchflussbegrenzern. Das verringere zugleich den Energieverbrauch, weil weniger warmes Wasser erhitzt werden müsse. Besonders wichtig sei es aber, zu Hause, in der Schule und im Freundeskreis ein Bewusstsein für energieeffizientes Heizen zu schaffen.

«Dort liegt auch das größte Einsparpotenzial», sagt Hannes Braune. Als Faustregel gilt: Senkt man die Raumtemperatur um ein Grad Celsius, sinkt der Energieverbrauch um sechs Prozent. Im vergangenen Winter führten sie hierzu ein Mammut-Experiment durch: In 14 Schulgebäuden maßen sie während der Weihnachtsferien die Temperaturen – und stellten fest, dass sie vielerorts kaum oder gar nicht abgesenkt wurde, die Heizungen also normal weiterliefen. «Das ist herausgeschmissenes Geld», kritisiert Braune. «Ein Privathaushalt würde auch nicht zwei Wochen lang durchheizen, wenn alle verreist wären.» Zumal 16 Grad ausreichen, um Schimmel- und Frostschäden zu vermeiden. Und das Aufheizen nach den Ferien dauert dann nicht allzu lange.

Mit relativ einfachen Mitteln könnten wir viel Energie sparen.

Hannes Braune, Aufsichtsratsmitglied bei «energyECO» in Berlin

Dass Schulen in den Ferien weniger heizen, ist allerdings schwieriger umzusetzen als gedacht. Oft beginnt das Problem schon bei der Zuständigkeit: Wer regelt die Heizungen überhaupt – die Schulen selbst, der Bezirk, die Gemeinde oder beauftragte Firmen? Und der Bezirk könne gar nicht genau beziffern, wie groß das Einsparpotenzial bei den Heizkosten an Schulen tatsächlich sei, so Braune. «Es gibt einen Mangel an Daten.»

Laut dem Unabhängigen Institut für Umweltfragen in Berlin verbraucht eine durchschnittliche Schule in Deutschland etwa eine Million Kilowattstunden Wärmeenergie für Heizung und Warmwasser. «Mit relativ einfachen Mitteln könnten wir viel Energie sparen», schlussfolgert der Student. «Das würde sich nicht nur positiv auf das Klima auswirken, sondern es ließe sich auch schnell viel Geld sparen.» Das Potenzial ist beachtlich: In Deutschland gibt es rund 30.000 Grund- und Oberschulen. Jede von ihnen hat aufgrund der Ferienregelung feste Schließzeiten von zwölf Wochen , die Hälfte davon innerhalb der Heizperiode. Das eingesparte Geld, so findet Frederik Schneider, könne dann zur Anschaffung neuer Lehrmittel genutzt werden. Hannes Braune stimmt zu – am liebsten würde er das eingesparte Geld in Klimaschutz- und Energiesparprojekte stecken.

Ein leerer Klassenraum mit mehreren aneinandergereihten Tischen und darauf gestellten Holzstühlen mit Metallgestell.
Großes Einsparpotenzial im Schulsektor

Schulen zählen zu den größten öffentlichen Energieverbrauchern. In Deutschland gibt es rund 30.000 allgemeinbildende Schulen – nimmt man die Berufsschulen hinzu, sind es sogar 35.000. Hochgerechnet auf die Angaben des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU) von etwa einer Million Kilowattstunden Wärmeenergie pro Schule und Jahr ergibt sich ein Jahresbedarf von 35 Terawattstunden. Das entspricht ungefähr dem jährlichen Heizbedarf von 2,8 Millionen Haushalten.

Kommunen tragen die Kosten
Während der Energieverbrauch maßgeblich durch das Verhalten in den Schulen beeinflusst wird, liegt die finanzielle Belastung bei den Kommunen. Bei Mitarbeitenden und Lehrkräften vor Ort fehlt daher im Schulalltag häufig das Bewusstsein für entstehende Kosten oder ein direkter Anreiz für effizientes Energiemanagement.

Hinzu kommt der schlechte Zustand vieler Schulgebäude: Undichte Fassaden, ungedämmte Außenwände und alte Heizungsanlagen, die obendrein oft mit klimaschädlichem Erdgas betrieben werden, führen zu hohen Wärmeverlusten. An besonders maroden Schulen ließe sich der Energiebedarf nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur um bis zu 70 Prozent senken. Solche Modernisierungen kosten jedoch viel Zeit und Geld.

Sofortmaßnahmen
Viele Energiesparmaßnahmen wirken allerdings sofort – ganz ohne großen Aufwand oder hohe Investitionen. Schon eine optimierte Einstellung der Heizanlage bringt oft Einsparungen von 10 bis 20 Prozent. Auch richtiges Lüften spart Energie: Statt Fenster dauerhaft zu kippen, empfiehlt sich kurzes Stoßlüften bei abgesenkter Heizung. Häufig werden Räume zudem voll beheizt, die kaum genutzt werden, etwa Keller, Flure oder Treppenhäuser. Dort reichen in der Regel 16 Grad. In Turnhallen genügen 17 bis 19 Grad.

Unterstützung für Schulen
Beim Energiesparen sind Schulen nicht auf sich allein gestellt, sondern können externe Unterstützung erhalten. So begleitet beispielsweise das UfU Schulen dabei, ihren Verbrauch systematisch zu senken. Die Energiesparprogramme werden bundesweit umgesetzt und sind für alle interessierten Schulen offen.

Im Mittelpunkt stehen sogenannte «fifty/fifty»-Projekte: Lehrkräfte, Hausmeister:innen und Schüler:innen bilden Energieteams, analysieren den Verbrauch und entwickeln Einsparungsmaßnahmen. Ein Teil der vermiedenen Kosten fließt zurück an die Schulen, wodurch ein direkter finanzieller Anreiz entsteht. Laut UfU könne man rund 5 bis 15 Prozent einsparen.

Ein besseres Lernklima schaffen

Die Stunden an diesem Nachmittag vergehen. Geredet wird nur, wenn es notwendig ist. Langeweile kommt keine auf. Frederik Schneider versucht gerade, einen der Thermostate mit dem Inbus abzumontieren. Seine Hand zittert leicht. «Durch die ganzen kleinen Stromschläge bin ich feinmotorisch etwas weniger geschickt», witzelt er. Denn zu Hause in seinem Zimmer, das mehr einer Werkstatt gleiche, experimentiere er gerne mit Elektrotechnik. Bei energyECO, betont Hannes Braune, stehe die Sicherheit der Schüler:innen natürlich an erster Stelle. Frederik Schneider möchte irgendwann vielleicht Elektrotechnik studieren. Aber das hat noch Zeit. Im Moment zählt nur das Hier und Jetzt. Und das ist voller Heizungen.

Wir arbeiten an einer Umgebung, in der man vernünftig lernen kann.

Frederik Schneider, Vorstand bei «energyECO» in Berlin

In einem der vier Klassenzimmer ist es besonders stickig. Am Ende ihres Experiments, nach den Osterferien im April, werden 27,6 Grad angezeigt. Jetzt, an diesem Märztag, sind es schon 26,6 Grad. «Heute früh war es hier noch wärmer», sagt Frederik Schneider. «Da mussten wir eine Englisch-Klassenarbeit schreiben.» Als ihre Köpfe von der Cartoon-Analyse rauchten, half die Hitze nicht gerade bei der Konzentration. «Mich motiviert, dass wir die Arbeit für unsere Schule und unsere Mitschüler:innen machen. Wir arbeiten an einer Umgebung, in der man vernünftig lernen kann – ohne dass wir davon gestört werden, dass der Raum zu warm oder die Luft verbraucht ist.»

Nach ein paar Stunden ist auch bei den vieren die Luft raus. Auf Frederik Schneider und Henrik Harms warten Hausaufgaben. Als der letzte Raum vorbereitet ist, kehren sie mit dem Metallkoffer in ihr Büro zurück. Die Verabschiedung fällt knapp aus. Jetzt heißt es warten.

An einer weißen Wand hängt eine schwarze elektronische Anzeigetafel mit mehreren digitalen leuchtenden Anzeigefeldern.
Für ein früheres Experiment hat energyECO zehn Klassenräume mit Messgeräten ausgestattet, die COCO2-Konzentration, Temperatur und Luftfeuchtigkeit anzeigen. Ein Smiley verrät sofort, ob das Raumklima stimmt. Foto: Monika Keiler

Mehr als Energieberatung

EnergyECO kann mittlerweile auf viel Expertise zurückgreifen. Das zeigt sich in ihrem Angebot: Für Interessierte gibt es Infomaterial, dazu Workshops zum richtigen Heizen und Lüften für eine gute und gleichzeitig klimafreundliche Lernatmosphäre. Außerdem schulen sie andere darin, wie Klassen und Lehrkräfte mit kreativen Methoden für das Thema sensibilisiert und zu energiesparendem Verhalten motiviert werden können. Und sie führen Energieanalysen für Schulen und in kleinerem Umfang auch für Privathaushalte durch, um Einsparmöglichkeiten aufzudecken. Weitere Schwerpunkte sind die Themen Kreislaufwirtschaft und Feinstaub – für letzteres entwickelten die AG-Mitglieder sogar eine eigene Messstation. Mit ihrer Arbeit haben sie schon einige Preise eingeheimst, etwa den Förderpreis der Stiftung Bildung und den Publikumspreis beim «Klimaschutzpartner-Wettbewerb».

Begonnen hatte die Schülerfirma als kleine Gruppe, unterstützt durch ein Berliner Energiesparprojekt. Irgendwann wollte sich die AG nicht mehr nur auf die eigene Schule konzentrieren, sondern ihr Wissen weitertragen. Dafür bildeten sich die Mitglieder selbst zu Junior-Energieberater:innen aus und entwickelten die Ausbildung gleich mit. Geprüft werden die angehenden Berater:innen von der Schulleitung und der Bezirksverwaltung. Inzwischen bieten sie die Schulungen auch für Schüler:innen anderer Berliner Oberschulen an.

Auf einem Schreibtisch steht einen gerahmte Urkunde, die den gewonnenen Förderpreis benennt.
Die Schülerfirma wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit einem Förder­preis der Stiftung Bildung – dotiert mit 3.000 Euro. Foto: Monika Keiler

Aus Rückschlägen lernen

Vier Wochen nach dem Versuchsaufbau kniet Frederik Schneider wieder vor einer der Heizungen. Die Gruppe ist zum Abmontieren gekommen. Doch dann macht Levi Perner die beunruhigende Entdeckung: Möglicherweise hat das Experiment nicht funktioniert.

«Das wäre ärgerlich», sagt er – und klingt dabei alles andere als verärgert. «Aber so läuft das. Aus den Fehlern lernen wir mehr als aus den Erfolgen.» Genau so funktioniert Experimentieren: ausprobieren, anpassen, verbessern. Und auch Frederik Schneider lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. «Es ist schwer, enttäuscht zu werden, wenn man keine klare Erwartung hat», sagt er und tauscht den Smart-Thermostat wieder gegen einen normalen aus.

Henrik Harms kommt dazu. «Wie lief’s?», fragt er seinen Mitschüler. «Ganz gut», erwidert der. Kein Wort verliert Frederik Schneider über das mögliche Scheitern des Experiments. Gewissheit gibt es erst später, als Hannes Braune die ausgewerteten Daten am Telefon durchgibt: Die günstig gekauften, gebrauchten Heizkostenverteiler haben nicht richtig gemessen, und die Smart-Thermostate haben die Heizungen nicht abgesenkt. Warum ist noch unklar. Vor dem Experiment im Winter hatten sie zahlreiche Probemessungen durchgeführt und diesmal darauf verzichtet – sonst wären die Probleme wohl früher aufgefallen.

Ein Flur in einer Schule mit vier Jugendlichen, die sich von der Kamera weg in Richtung eines hellen Ausgangs bewegen.
Auch wenn es schiefgelaufen ist: Die jungen Forscher lassen sich davon nicht entmutigen. Nach dem Experiment ist schließlich vor dem Experiment. Foto: Monika Keiler

Enttäuscht ist Braune deshalb genauso wenig wie seine Kollegen. «Wir haben ein gutes Projekt durchgeführt», sagt er. Auch wenn es noch Luft nach oben gibt. Bis zum nächsten Heizexperiment müssen sie auf den Winter warten. Die Zeit werden sie nutzen – ob für die Auswertung und Verbesserung des Experiments, für Workshops, für Gespräche mit Politiker:innen, auf Messen, in ihrem Büro, in ihren Klassenzimmern oder zu Hause. Ihr Ziel bleibt dasselbe: Schulen energieeffizienter und damit klimafreundlicher zu machen. Für energyECO heißt das: Nach dem Experiment ist vor dem Experiment!


Bild oben v.l.n.r.: Frederik Schneider, Levi Perner, Hannes Braune und Henrik Harms. | Foto: Monika Keiler

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24. August 2026 | Energiewende-Magazin