Direkt zum Inhalt der Seite springen

Energiegenossenschaften – Aufbruch in die Zukunft

Ein Bericht von Petra Völzing

Neue Geschäftsmodelle bringen die Energiewende voran. Zum Abschluss eines Ideenwettbewerbs wurden nun drei zukunftsweisende Konzepte ausgezeichnet.

Um die Energiewende voranzubringen, ist es mit dem Zubau von Erneuerbaren Energien allein nicht getan. Themen wie der Eigenverbrauch von Strom, Wärmeversorgung oder Elektromobilität rücken heute immer mehr in den Fokus. Darum stellen sich auch Energiegenossenschaften breiter auf und initiieren neue Geschäftsmodelle.

Um diese Konzepte zu fördern und stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen, haben 2017 die Elektrizitätswerke Schönau gemeinsam mit dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV) und dem Landesumweltministerium den Ideenwettbewerb «Neue Geschäftsmodelle für Energiegenossenschaften» ausgelobt. Ende März 2018 wurden die drei Gewinner des Wettbewerbs auf dem Energietag des BWGV in Biberach an der Riß vorgestellt und mit einem Gesamtpreisgeld von 50.000 Euro ausgezeichnet.

Andre Baumann am Mikrofon und spricht.
Umweltstaatssekretär Dr. Andre Baumann auf dem «Energietag 2018» in Biberach Foto: Christian Kammer
Roma Glaser steht am Rednerpult, Blick durch die Zuschauerreihen
Die Willkommensworte spricht BWGV-Präsident Dr. Roman Glaser. Foto: Christian Kammer
Eine Frau im Publikum macht ein Handyfoto.
Das Publikum erwartet gespannt die Präsentationen der Preisträger. Foto: Christian Kammer
Martin Völle blickt auf die Projektion seiner Präsentation.
Martin Völkle von der Bürgerenergie Dreiländereck stellt sein Projekt vor. Foto: Christian Kammer
Ein Mann hat ein Mikrofon in der Hand und spricht.
Zu den vorgestellten Projekten gibt es jede Menge Fragen von interessierten Zuschauern. Foto: Christian Kammer
Roman Glaser, André Baumann und Armin Komenda verfolgen konzentriert die Veranstaltung.
Die drei Preisverleiher (von links): EWS-Vorstand Armin Komenda, Dr. Andre Baumann, Dr. Roman Glaser Foto: Christian Kammer
Im Foyer der Biberacher Stadthalle Menschen an Stehtischen, in Bewegungsunschärfe fotografiert.
Die Teilnehmer nutzen zum Abschluss des Energietages 2018 die Gelegenheit zu ausgiebigem Netzwerken.
Gruppenbild im Hof, im Hintergrund Fachwerkhäuser.
Gruppenbild mit Preisverleihern und Preisträgern: Dr. Andre Baumann (Staatssekretär Umweltministerium Baden-Württemberg), Dr. Roman Glaser (BWGV-Präsident), Armin Komenda (EWS-Vorstand), Hans-Peter Weber (OstalbBürgerEnergie), Martin Völkle (Bürgerenergie Dreiländereck), Andreas Gißler, Laura Zöckler und Nicolai Ferchl (Heidelberger Energiegenossenschaft), Kurt Abele (OstalbBürgerEnergie) Foto: Christian Kammer

Wir befinden uns gerade wieder in einer spannenden und entscheidenden Phase der Energiewende.

Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg

Auf der Veranstaltung hatten die Preisträger auch Gelegenheit, ihre Geschäftsideen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei zeigte sich die Kreativität, aber auch das große Engagement der Energiegenossenschaften hinsichtlich neuer Herangehensweisen und Konzepte im Bereich der Erneuerbaren Energien. Die prämierten Ergebnisse machen aber auch die ganze Bandreite der Ideen sichtbar, die zum Erfolg der Energiewende beitragen können. 

Platz eins für ein integriertes Quartierskonzept

Die drei jungen Leute in legerer Kleidung, stehen eng beieinander
Andreas Gißler, Laura Zöckler und Nicolai Ferchl von der Heidelberger Energiegenossenschaft Foto: Christian Kammer

Den mit 25.000 Euro dotierten ersten Platz belegte die Heidelberger Energiegenossenschaft (HEG). Sie hatte sich mit ihrem Konzept für eine ganzheitliche Quartiersversorgung beworben. Auf den Dächern von drei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 130 Bewohnern wurden Photovoltaikanlagen installiert. Der daraus gewonnene Strom wird im Rahmen eines Mieterstrommodells direkt in den Häusern verbraucht. Batteriespeicher optimieren den Eigenstromverbrauch.
 
Im Detail haben sich die Macher von der HEG einiges einfallen lassen: «Wir haben für die drei Häuser nur einen Netzanschluss vorgesehen, um Netzanschlusskosten zu sparen», erklärt HEG-Vorstand Andreas Gißler. Die PV-Anlagen sind in unterschiedliche Himmelsrichtungen ausgerichtet, haben gemeinsam eine Leistung von 100 kWp und sind zusammengeschaltet, sodass die unterschiedlichen Erträge der einzelnen Anlagen ausgeglichen werden und der Strom im eigenen Netz direkt dorthin fließt, wo er gerade gebraucht wird. Dies setzt ein ausgefeiltes Messkonzept im eigenen Netz voraus. Falls über die selbst erzeugte Energie hinaus Strom benötigt wird, kann Ökostrom über die Genossenschaft bezogen werden.

Quartierskonzepte können eine der führenden Zukunftsideen für Energiegenossenschaften sein.

Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands

Wichtig ist den Heidelberger Genossenschaftlern auch, dass die Mieter durch das Projekt sensibilisiert und zum Mitmachen bewegt werden. So ermöglichen elektronische Zähler, dass die Bewohner ihren Stromverbrauch detailliert nachverfolgen und kontrollieren können. Das Projekt soll so auch zum Einsatz von energiesparenden Elektrogeräten anregen. Zusätzlich stehen den Mietern ein Elektrolastenfahrrad und eine Ladesäule für Elektroautos zur Verfügung.

Bereits 2013 hatte die HEG ein Mieterstromprojekt realisiert. Auf diesen Erfahrungen konnten Gißler und seine Mitstreiter nun aufbauen: «Beim jetzigen Projekt war uns neben der Aktivierung und Sensibilisierung der Mieter der technologieübergreifende Ansatz wichtig», sagt HEG-Vorstand Nicolai Ferchl – wie beispielsweise die Einbindung der E-Mobilität.

Ziel der Genossenschaft ist es, die Energiewende ganz praktisch in den urbanen Raum zu bringen. «Die Technologien stehen bereit, und die Preise sinken», so Gißler. Was fehle, seien Konzepte, um eben diese Technologien gesellschaftlich und wirtschaftlich sinnvoll zu realisieren. Hier schließt die HEG mit ihrem integrierten Quartierskonzept eine Lücke.

Ein Kommunikationskonzept zeigt Mehrwerte durch CO₂-Einsparung

Der freundliche Mann mittleren Alters blickt erfreut in die Kamera.
Martin Völkle von der Bürgerenergie Dreiländereck Foto: Christian Kammer

Mit einer ganz anderen Idee wartete die zweitplatzierte «Bürgerenergie Dreiländereck» aus Binzen bei Lörrach auf, für die sie 15.000 Euro Preisgeld erhielt. Vorstand Martin Völkle erläuterte das von der Bürgerenergie Dreiländereck entwickelte Kommunikationskonzept, das anschaulich aufzeigt, welchen pekuniären Mehrwert die CO2-Einsparung durch eine Mitgliedschaft bei einer Energiegenossenschaft bringt. Die Genossenschaft betreibt 46 Photovoltaikanlagen und – gemeinsam mit den EWS und der «Bürgerwindrad Blauen eG» – den «Solarpark am Rhein» in Rheinfelden-Herten.

«Mit unserem Kommunikationskonzept wollen wir über die Veranschaulichung des CO2-Fußabdrucks pro Person die Menschen dafür sensibilisieren, dass sie selbst in erheblichem Umfang zum Klimawandel beitragen und als Lösungsansatz sehr konkret darstellen, welche Kosten über die Vermeidung von Kohlendioxid eingespart werden», erklärt Völkle.

Wichtig bei dem Ideenwettbewerb ist uns die Übertragbarkeit der Projekte auf andere Genossenschaften.

Armin Komenda, Vorstand der EWS

Mit dem Konzept verfolgt die «Bürgerenergie Dreiländereck» das Ziel, den in der Satzung geforderten wirtschaftlichen Förderzweck zu erweitern. Auf diese Weise, so Martin Völkle, wolle man das Bewusstsein für das Thema CO2-Ausstoß und Klimaschutz schärfen und mehr Menschen motivieren, bei einer Energiegenossenschaft aktiv zu werden, auch wenn vielleicht keine hohen Gewinne zu erwarten sind. Die Menschen sollen wissen, dass sie mit ihrem Verhalten einen wichtigen Beitrag zur CO2-Vermeidung leisten können – und dass durch bewussten Umgang mit Energie eben auch erhebliche Kosteneinsparungen möglich sind.

Ein Konzept für zwei energieautarke Wohngebäude

Die beiden Herren im Anzug schauen sehr freundlich in die Kamera.
Auf Platz drei: Die OstalbBürgerEnergie mit Hans-Peter Weber und Kurt Abele Foto: Christian Kammer

Den dritten Platz mit 10.000 Euro Preisgeld erreichte die «OstalbBürgerEnergie» aus Aalen für die Kooperation mit der «VR-Bank Ostalb» beim geplanten Bau von zwei energieautarken Wohngebäuden. Beim prämierten Projektvorhaben steht das Energiesparen im Mittelpunkt. Ausgangspunkt des Hauskonzepts ist die Tatsache, dass 88 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in privaten Haushalten auf die Erzeugung von Wärme entfallen.

Das Energiekonzept für die Häuser kombiniert konsequente Wärmedämmung mit der Nutzung von Sonnenenergie über Photovoltaik und Solarthermie in Verbindung mit Batteriespeichern. So gelingt es, 92 Prozent des Strom- und 75 Prozent des Wärmebedarfs selbst zu erzeugen. In 12 Kubikmeter großen Wärmespeichern kann die Wärme bis zu einem halben Jahr vorgehalten werden. Aber es sind auch die Details, auf die es ankommt: «Mit einem Warmwasseranschluss für die Geschirrspülmaschine lässt sich viel Energie sparen. Das dafür notwendige Ventil gibt es für wenige Cents im Baumarkt», so Hans-Peter Weber, einer der beiden Geschäftsführer der Aalener Genossenschaft. So einfach könne Energieeffizienz umgesetzt werden.

Bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder spielen Kooperationen für Genossenschaften eine wichtige Rolle.

Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands

Die Jury hob auch die erfolgreiche Kooperation der Energiegenossenschaft mit der VR-Bank Ostalb und dem Stiftungslehrstuhl für Erneuerbare Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Aalen hervor. Die Volksbank tritt in dem Projekt als Bauherrin und spätere Vermieterin auf. Die Genossenschaft soll die komplette Installation und den Betrieb der regenerativen Anlagen übernehmen.