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Konsequent solidarisch: das Förderprogramm «Sonnencent»

Ein Bericht von Petra Völzing

EWS-Kunden bringen Energiewende und Klimaschutz voran – sie fördern Erneuerbare Energien, ökologische Speicher und vielfältige Projekte.

Das Förderprogramm «Sonnencent» ist seit dem Einstieg der EWS in den Stromvertrieb fester Bestandteil des Tarifsystems. Das Prinzip ist einfach – und bis heute einzigartig: Alle Kunden der EWS zahlen mit ihrem Tarif einen Aufschlag von einem halben bis zwei Cent pro Kilowattstunde bei Ökostrom; für Gas beträgt der Fördersatz 0,01 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Betrag, der Sonnencent, fließt in den Topf des Förderprogramms.

«Watt Ihr Volt»: der Vorläufer des Förderprogramms

Das Förderprogramm ist aber viel mehr als eine rein finanzielle Unterstützung: Es lebt von der starken Solidarität zwischen den EWS und ihren Kunden, die als Mitstreiter für das übergeordnete Ziel einstehen, gemeinsam und proaktiv für eine saubere Energiezukunft zu arbeiten und den Klimaschutz über Gewinnerzielungsabsichten zu stellen. «Der Sonnenpfennig, heute Sonnencent, ist von Beginn an ein Vertrauensvorschuss gewesen, den unsere Kunden uns bis heute geben, um sinnvolle Impulse für die Energiewende zu setzen», sagt Marissa Walzer, Leiterin des EWS-Förderprogramms.

Vorläufer des Sonnencents war das Programm «Watt Ihr Volt». In den Anfängen, vor der Liberalisierung des Strommarkts, konnten sich die Bürger ihren Stromanbieter noch nicht selbst aussuchen. Mit «Watt Ihr Volt» ermöglichten es die EWS ihren Mitstreitern in ganz Deutschland, einen Förderbeitrag zu leisten – auch ohne deren-Kunde zu sein. Mit diesen Beträgen bezuschussten die EWS schon damals Photovoltaikanlagen ihrer Kunden. Nicht wenige Menschen haben sich auf diese Weise engagiert. Viele Kunden begreifen sich bis heute als Mitstreiter der Schönauer, die über den Ökostrombezug hinaus ins Handeln kommen wollen. Das Förderprogramm bietet hier eine konkrete Möglichkeit. Es generiert über gemeinschaftliches und solidarisches Handeln hinaus zudem eine Dynamik, die mithilft, das Tempo der gesellschaftlichen Transformation zu erhöhen, die für wirksamen Klimaschutz notwendig ist.

Der Sonnencent war von Anfang an ein Vertrauensvorschuss.

Marissa Walzer, Leiterin Förderprogramm und Kooperationen

Handlungsfeld bei Klimaschutz und Energiewende

Symphatische junge Frau mit blonder Mähne und Brille, vor einem Kunstwerk fotografiert.
Foto: Marc Eckardt

Dabei ist das Förderprogramm – gemeinsam mit den EWS – kräftig gewachsen: 2018 konnten mit dem Sonnencent-Budget von rund 1,7 Millionen Euro viele Projekte und neue Anlagen gefördert werden. «Bei der Entscheidung über die Anträge ist nicht die Größe der Projekte entscheidend, sondern der konkrete Bezug zu Klimaschutz und Energiewende sowie die Ernsthaftigkeit, mit der auf diese Ziele hingearbeitet wird», so Marissa Walzer.

In den Bereichen Klimaschutz und Energiewende haben sich mit dem fortschreitenden Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Weiterentwicklung von Technologien und mit den sich verändernden politischen Rahmenbedingungen auch neue Fragestellungen und Handlungsfelder ergeben. «Die Gestaltung der nachhaltigen Energiezukunft hat an Komplexität zugenommen, entsprechend fördern wir heute eine sehr große Bandbreite an Projekten», sagt Marissa Walzer. Viele Projekte beschäftigen sich zunehmend mit der Wissensvermittlung und dienen der Ausgestaltung einer solidarischen und nachhaltigen Energiezukunft.

Förderprojekte entstehen im direkten Dialog

Förderprojekte kommen nicht über klassische Marketingmaßnahmen zustande. Tanja Gaudian, langjährige Mitarbeiterin im Team des Förderprogramms, macht regelmäßig Infostände und hält Vorträge über die EWS. «Bei diesen Gelegenheiten treffe ich viele Menschen mit tollen Ideen, aus denen dann manchmal Förderprojekte entstehen können», sagt sie.

Eine große Anzahl an Projektideen kommt zudem initiativ aus dem Kundenkreis. «Uns ist es wichtig, dass die Menschen, die hinter den Projekten stehen, unsere Ziele und Werte teilen», so Tanja Gaudian. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist, dass die Vorhaben auch in die Zukunft gedacht werden und auf positive gesellschaftlich-soziale Auswirkungen abzielen. «Aus unserer Sicht genügt es nicht, zum Beispiel einfach nur eine neue Technik zum Einsatz zu bringen», erklärt sie. Damit ein Projekt nachhaltig ist, sollten dessen technische Aspekte auch in das gesellschaftliche Umfeld eingebettet werden. Die Mitstreiter vor Ort werden motiviert und befähigt, damit das Projekt auch über den Förderzeitraum hinaus fortbestehen kann.

Stärker im Fokus: Innovationen und Energiewendekultur

Die Förderprojekte sind in sieben inhaltliche Cluster gegliedert: «So können wir die große Vielfalt besser organisieren», sagt Marissa Walzer. Der größte Teil der Förderung fließt weiterhin in die Finanzierung von Erneuerbare-Energie-Anlagen. Da die Bedeutung der Digitalisierung für die Energiewende stark gewachsen ist, ist in diesem Cluster beispielsweise die Förderung für intelligente Mess-, Steuer- und Regelsysteme hinzugekommen.

Weitere Mittel fließen in das Cluster «Innovation und Modellprojekte». Hier kommen zum Beispiel Start-ups zum Zuge, die mit innovativen Geschäftsideen die Transformation des Energiesystems hin zu Erneuerbaren mitgestalten. In diesem Jahr vergeben die EWS gemeinsam mit der Freiburger Gründungsplattform «Smart Green Accelerator» erstmalig den aus Sonnencent-Fördermitteln finanzierten «MakeItMatter-Award», einen Preis speziell für Green Energy Start-ups.

Klimaschutz als «New Normal»

Ein weiterer großer Bereich des Förderprogramms deckt die Bereiche Energiewendekultur, Bildung und mediale Kampagnen ab. Die Energiewende ist ein vielschichtiges Unterfangen, und der Bedarf an Information und Bildung in diesem Bereich wächst stetig. «Der Fokus des Förderbedarfs verschiebt sich von technischen Lösungen hin zu neuen gesellschaftlichen Fragestellungen, die sich aus der Transformation ergeben», erklärt Marissa Walzer. Ziel müsse sein, dass Klimaschutz zum «New Normal», das heißt zu einem neuen Grundkonsens für alle Menschen wird.

Mit dem Förderprogramm werden deshalb verstärkt Projekte unterstützt, die mit Informationen, Bildungs- und Kulturangeboten, aber auch mit politischen Kampagnen einen niederschwelligen Zugang zu den Themen Klimaschutz und Energiewende ermöglichen. So förderten die EWS das Buch «Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel» von David Nelles und Christian Serrer. Darin haben die beiden Studenten mithilfe von mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zahlreiche Fakten des Klimawandels mit kurzen Texten und anschaulichen Illustrationen verständlich auf den Punkt gebracht, um gerade junge Leserinnen und Leser für das komplexe Thema zu interessieren.

Ein traditionelles Schwarzwaldhaus am Hang. Auf dem Dache eine PV Anlage.
Rebellenkraftwerk trifft Tradition: Geförderte Photovoltaikanlage in Aitern im Südschwarzwald Foto: Daniel Schoenen
Blaues quadratisches Logo mit der Aufschrift Make It Matter Award
Mit Sonnencents gefördert: der «MakeItMatter-Award» – ein Preis für Start-ups mit pfiffigen Ideen im Bereich «Green Energy»
Ein Stapel Bücher.
Unterstützt von den EWS: Das Buch erklärt kurz und anschaulich die Ursachen und Folgen des Klimawandels.
Abbildung eines Kampagnenmotivs mit einer jungen Frau mit schwarz verschmiertem Gesicht.
Die Kampagne der BürgerEnergie Berlin – gefördert mit dem Sonnencent
vier afrikanische Männer auf einem Dach beim Installieren einer PV-Anlage
WECF-Projekt in Uganda: Die EWS unterstützen die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach einer Kaffeegenossenschaft. Foto: WECF - Women Engage for a Common Future

Neue Fördercluster

Im Cluster «Gemeinschaftliche Energieprojekte» geht es darum, andere Genossenschaften zu unterstützen. Eine enge Zusammenarbeit besteht beispielsweise mit der Genossenschaft «BürgerEnergie Berlin» (BEB), die – ähnlich wie die EWS in ihren Anfängen – dafür kämpft, dass das Berliner Stromnetz in Bürgerhand kommt, und außerdem die Nutzung Erneuerbarer im städtischen Raum vorantreibt. Aktuell unterstützen die EWS die BEB-Kampagne «Berlin hat #zuvielkohle» für einen raschen Kohleausstieg und die Beförderung der urbanen Energiewende.

«Es geht beim Förderprogramm aber nicht nur um Geldflüsse», erklärt Marissa Walzer. Wichtig sei es auch, mit den Förderprojekten beispielgebend zu wirken und die vielen Initiativen, Vereine, Genossenschaften und anderen Organisationen, welche die EWS fördern und unterstützen, besser zu vernetzen, um Projektideen weiterzutragen und auf diese Weise den gemeinsamen Zielen Schritt für Schritt näher zu kommen.

Ein sehr junges Fördercluster ist die «Nachhaltige Mobilität». Die Verkehrswende ist ein bedeutender Baustein für die Energiewende, und die EWS setzen hier auf einen ganzheitlichen Ansatz:«Die Fokussierung auf Elektromobilität kann nicht die Lösung sein», sagt EWS-Vorstand Sebastian Sladek. Die EWS bauen auf Verkehrsvermeidung, die Reduktion des Individualverkehrs, den Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, die Förderung des Fahrradverkehrs und auf Sharing-Modelle. Konkret fördern die EWS Lastenfahrräder in verschiedenen Städten – so in Stuttgart, wo der Verein «Zirkus Mutter Erde» das geförderte Lastenrad als alternatives Spielmobil nutzt. «Auch bei diesem Cluster steht der gemeinschaftliche Nutzen im Vordergrund. Das bedeutet, dass technische Lösungen im Rahmen des Projekts auch zu einem neuen Nutzerverhalten führen sollten», ergänzt Tanja Gaudian.

Sonnencents wirken weltweit

Zum Selbstverständnis der EWS gehört es auch, Fragen der globalen Auswirkungen des Klimawandels zu betrachten und entsprechend zu handeln. Im Cluster «Energiegerechtigkeit» werden deshalb weltweit Projekte gefördert, die Menschen mithilfe von Erneuerbaren überhaupt erst Zugang zu Elektrizität ermöglichen und dazu beitragen, die Folgen des fortschreitenden Klimawandels abzumildern, der in Afrika und Asien bereits viel deutlicher spürbar ist.

Das Förderprogramm ist unverzichtbar, denn es entspricht unserem Selbstverständnis, Klimaschutz und Energiewende auf allen Ebenen solidarisch voranzubringen.

Sebastian Sladek, EWS-Vorstand

Seit einigen Jahren fördern die EWS zum Beispiel Projekte der Organisation «Women Engage for a Common Future» (WECF), die in ehemaligen Ostblockstaaten und in Afrika die Gründung von Energiegenossenschaften unterstützen. Konkretes Ziel ist es, dezentrale Erneuerbare Energien für Menschen in netzfernen ländlichen Regionen nutzbar zu machen. Mit der Selbstorganisation in Genossenschaften schaffen sich die Menschen vor Ort darüber hinaus eine Struktur, mit der sie über Wertschöpfung ein Einkommen generieren und damit ihre Lebenssituation dauerhaft verbessern können.

In einem aktuellen Förderprojekt in Uganda wird beispielsweise eine Energiegenossenschaft in eine bestehende Kaffeegenossenschaft eingebettet. Die Fördermittel fließen in eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Kaffeegenossenschaft. Mit dem damit gewonnen Strom können die Kaffeebohnen getrocknet, geröstet und gemahlen werden.

Mit ihrem Förderprogramm unterstützen die EWS heute eine große Vielfalt an kleinen und großen Projekten. «Der Förderbedarf im Bereich Klimaschutz und Energiewende ist leider noch lange nicht obsolet», so Marissa Walzer. «Ein gutes Stück Arbeit liegt vor uns, damit die Klimaschutzziele erreicht werden können.» Die Herausforderungen des Klimawandels und die umfassende Transformation der Energiewirtschaft werden sicher noch viele neue, spannende und förderwürdige Projekte hervorbringen. «Wir sind davon überzeugt, dass der Sonnencent auch in Zukunft ein wichtiger Impulsgeber ist, um die Energiewende in der Gesellschaft zu verankern. Als Unternehmen gehen wir dabei gemeinsam mit unseren Kunden voran.»

 

Halbportrait einer symphatisch wirkenden jungen Frau mit blonder Mähne, im Grünen fotografiert
Förderprogramm «Sonnencent»

Weitere Informationen zum EWS-Förderprogramm finden Sie hier

Marissa Walzers Vortrag beim Schönauer Stromseminar 2019 finden Sie auf dem YouTube-Kanal der EWS.

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18. Juli 2019 | Energiewende-Magazin