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Standing Ovations für die Sladeks

Eine Ära geht zu Ende – aber die Bewegung kämpft weiter

Ursula und Michael wurden zum Abschied aus dem Vorstand der EWS mit «Standing Ovations» gefeiert.

Bei der Generalversammlung der Netzkauf EWS eG 2015 wurden die Mitbegründer der Elektrizitätswerke Schönau Ursula und Dr. Michael Sladek aus dem Vorstand verabschiedet. Landesumweltminister Franz Untersteller, Dr. Roman Glaser (Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands), Thomas Jorberg (Aufsichtsratsvorsitzender der EWS und Vorstand der GLS Bank) sowie Rolf Wetzel (Vorstand der Netzkauf EWS eG) würdigten den beispiellosen Einsatz der beiden Pioniere der Energiewende. Am Ende der Schönauer Stromnacht stattete der Kabarettist Georg Schramm in einem bewegenden Auftritt den beiden «Stromrebellen und Ökopionieren» noch seinen ganz persönlichen Dank ab. Ursula und Michael Sladek wurden von den mehr als 400 anwesenden Mitgliedern der Bürgerenergiegenossenschaft mit minutenlangen stehenden Ovationen gefeiert.

Ideengeber, Antreiber und Vorbild.

Minister Franz Untersteller
Minister Franz Untersteller
Minister Franz Untersteller

Minister Franz Untersteller bezeichnete Ursula und Dr. Michael Sladek als Vordenker, welche die Energiewende als Bürgerbewegung entscheidend mitgeprägt, mitgestaltet und vorangetrieben haben: «Im Kleinen wie im Großen brauchte es Persönlichkeiten, die eine Vorstellung davon hatten und haben, wie sich die Stromerzeugung und das gesamte Energiesystem hin zu einem umweltfreundlichen System ohne Risiken für die nachfolgenden Generationen verändern soll. Für ihren Einsatz haben sie und die EWS viele Ehrungen und viele Preise erhalten – und wer von uns kann von sich behaupten, schon einmal im Oval Office gewesen zu sein und über den Kampf gegen die Atomenergie geredet zu haben?» Am stärksten beeindrucke ihn jedoch ihr Wille und ihre Kraft, den Worten auch Taten folgen zu lassen: «Ursula und Michael Sladek haben bewiesen, dass es möglich ist, mit Einsatz, Beharrlichkeit und viel Kreativität das Unmögliche zu realisieren», betonte Franz Untersteller. In seiner eigenen, langen politischen Laufbahn seien ihm die EWS-Gründer immer Ideengeber, Antreiber und Vorbild gewesen.

Charmanter und dynamischer Störfall.

Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands

Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, verspürte bei dem Anlass «einen Hauch von Wehmut». Mit einem Zitat aus einer Zeitschrift von 1997 bezeichnete er Ursula Sladek als «charmanten Störfall» und Michael Sladek als «dynamischen Störfall» und betonte: «Sie haben Maßstäbe gesetzt – als Ikonen der Anti-Atom-Bewegung, als Ökopioniere und als Vorbilder.» Dr. Roman Glaser würdigte die Pionierleistung von Ursula und Dr. Michael Sladek für die Energiewende und stellte insbesondere ihren großen Verdienst für die genossenschaftliche Idee heraus. In Anerkennung dieser Leistung überreichte er ihnen die Ehrenurkunde des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands.

Ihr seid unvergleichbar.

Thomas Jorberg, Vorstand der GLS Bank
Thomas Jorberg und Dr. Michael Sladek
Thomas Jorberg gratuliert Dr. Michael Sladek

Thomas Jorberg, Vorstand der GLS Bank, zitierte ein Motto aus früheren Tagen: «Seid Realisten – verlangt das Unmögliche». «Ihr seid unvergleichbar, denn ihr habt immer das Unmögliche versucht, weil ihr euer Umfeld realistisch eingeschätzt habt.» Und als Banker frage er sich natürlich, wie man für das Unmögliche einen Businessplan macht. Das Erfolgsrezept sei gewesen, von Anfang an Freunde um sich zu scharen. «Menschlich habt ihr beide euch keine Feinde gemacht, wohl aber in der Sache», ergänzte Thomas Jorberg. Seit Gründung der EWS seien nun rund 21 Jahre vergangen, das «Kind» sei erwachsen und werde ins Leben entlassen. Er verglich die Arbeit von Ursula und Dr. Michael Sladek mit einer Komposition, bei der am Anfang keiner die Instrumente kannte und schon gar nicht wusste, wie man darauf spielen sollte. «Jetzt gehen die Instrumente in andere Hände über – die Bedeutung der Komponisten aber bleibt», so Thomas Jorberg. Und auch wenn die Kinder erwachsen werden, «die Verantwortung der Eltern schwindet nie».

Aus dem Kreis der Stromrebellen werden wir euch nicht entlassen.

Rolf Wetzel, Vorstand der Netzkauf EWS eG

In einer weiteren Ansprache würdigte Schönaus Bürgermeister Peter Schelshorn die Bedeutung der Familie Sladek für die Stadt und die immer gute Zusammenarbeit. «Für Sie beide gilt als oberstes Prinzip das Prinzip der Nachhaltigkeit, seine Leistungsfähigkeit auf Dauer, also das Ökosystem Erde auch den kommenden Generationen zu erhalten», schloss der Bürgermeister. Rolf Wetzel, Vorstand der EWS, dankte Ursula und Dr. Michael Sladek im Namen der Mitgesellschafter, der Vorstandsmitglieder und aller Mitarbeiter. «Ihr seid jetzt zwar nicht mehr im Vorstand, aber aus dem Kreis der Stromrebellen werden wir euch nicht entlassen», versprach er. Martin Halm und Waltraud Behringer überreichten den beiden stellvertretend für die Mitarbeitenden eine Fotografie mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Ursula Sladek

Die Verbreitung des ‹Schönauer Gefühls› ist eine der wichtigsten Aufgaben.

Ursula Sladek

Nach den Laudationen und Grußworten nahmen auch Ursula und Michael Sladek Abschied und ermunterten die rund 400 Teilnehmer der Gesellschafterversammlung, engagiert auf dem eingeschlagenen Weg voranzugehen. Im Vorfeld der Verabschiedung habe sie nachgedacht, was sie eigentlich bewogen habe, sich der Energie-Problematik zuzuwenden, erzählte Ursula Sladek. Angesichts der Katastrophe von Tschernobyl und der dramatischen Klimaveränderungen sei ihr stärkster Impuls gewesen, sich für die lebenswerte Zukunft aller Kinder, aller Enkel und generell aller Menschen einzusetzen. Jetzt blicke sie auf 30 Jahre – fast die Hälfte des Lebens – engagierter Arbeit zurück. Und nur durch Bürgerengagement sei es gelungen, fast 30 Prozent an Erneuerbaren Energien im Strommarkt zu erreichen. «Wir machen etwas sehr Wichtiges», betonte Ursula Sladek, nämlich überall Menschen für diese Sache zu begeistern und sie zu ermutigen, sich für die Energiewende zu engagieren. «Die Verbreitung des ‹Schönauer Gefühls› ist eine der wichtigsten Aufgaben», so Ursula Sladek, «denn wir können Projekte realisieren, die uns niemand zugetraut hätte.» Und zum Abschied stattete sie ihren Mitstreitern im Saal ihren Dank ab. «Ihr alle habt mein Leben bereichert, indem ihr gezeigt habt, dass Unmögliches möglich gemacht werden kann», erklärte sie unter dem Beifall der Versammlung.

In jedem von euch steckt das Stromrebellen-Gen.

Dr. Michael Sladek
Dr. Michael Sladek
Dr. Michael Sladek

Dr. Michael Sladek begann seine kurze Ansprache mit dem Dank an die Stromkunden der EWS, an die Gesellschafter, die mit ihrem Geld ihr Vertrauen bekundet haben, und den Mitarbeitern für ihr ganz außergewöhnliches Engagement. «Wir müssen die Basis dafür schaffen, dass das Leben lebenswert bleibt», betonte Dr. Sladek. «Wir dürfen nicht auf Kosten der folgenden Generationen leben, sondern sind verantwortlich, dass auch die Kinder und die Enkel und deren Enkel gut und freudvoll leben können », erklärte er. Und dafür lohne es, zu kämpfen. «In jedem von euch steckt das Stromrebellen-Gen», rief er den Zuhörern zu, und es habe sich gezeigt, dass man erfolgreich Widerstand leisten kann. Die Notwendigkeit für das Engagement der Bürger bestehe nach wie vor, meinte Dr. Michael Sladek. «Zur Zeit tobt ein Kampf um die Energienetze und auch hier stehen die Bürger gegen die Monopolisten.»  Der Kampf um eine atomfreie Zukunft und Energie in Bürgerhand geht weiter.

Ich habe darum gebeten, heute auftreten zu dürfen.

Georg Schramm, Kabarettist
Georg Schramm mit Ursula und Dr. Michael Sladek
Georg Schramm mit Ursula und Dr. Michael Sladek

Einen ganz persönlichen Abschied nahm der Kabarettist Georg Schramm von den beiden Ökopionieren. Schon gleich zu Beginn seines Auftritts bei der «Schönauer Stromnacht» hatte der Kabarettist, der im Jahr zuvor seinen Rückzug von der Bühne bekannt gegeben hatte, klargestellt: «Ich bin hier nicht engagiert, ich habe darum gebeten, heute auftreten zu dürfen.» Und als er nach seinem Auftritt den Saal verließ, klatschte ihn das begeisterte Publikum in den Saal zurück. «Sie machen alles falsch», ließ er das Publikum wissen. «Sie klatschen zu mir, dabei müssten Sie diesen beiden hier stehend Ovationen spenden.» Und er ging zu Ursula und Dr. Michael Sladek und erklärte: «In den vielen Jahren, die ich auf der Bühne stehe, hat es immer wieder Momente gegeben, in denen ich mich ernsthaft gefragt habe, ob ich mit dem, was ich tue, überhaupt etwas bewirken kann. Es war in diesen dunkleren Augenblicken, in denen Sie es waren, die mir durch Ihr Vorbild und Ihren Durchhaltewillen die Kraft und den Mut gegeben haben, weiterzumachen.» Die rund 400 Menschen im Saal erhoben sich spontan und spendeten Ursula und Michael Sladek minutenlang stehend Beifall.