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Ökostrom

Einordnung Energiepreissteigerungen

Sebastian Sladek zur aktuellen Situation beim EWS-Ökostrom-Angebot

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Hintergründe und Ursachen

Die Preissteigerungen an den europäischen Energiegroßhandelsmärkten ziehen auch an den EWS nicht spurlos vorbei. Der bereits seit Monaten andauernde Aufwärtstrend der Energiepreise beeinflusst neben (Bio-)Gas auch die Einkaufspreise für (Öko-)Strom. Diese Entwicklung sowie die ungewöhnlich hohe Volatilität der Preise stellen alle Marktteilnehmer vor große Herausforderungen. Wir haben vor diesem Hintergrund bereits im Herbst eine Anhebung unseres Biogas- sowie Ökostrompreises für Privatkunden vornehmen müssen. Die aktuellen Herausforderungen auf den Märkten zwingen uns nun aber, unser Ökostromangebot für Neukundinnen vorläufig auszusetzen. Die Versorgung der Bestandskunden ist davon nicht betroffen. Im Folgenden gehen wir kurz auf einige Ursachen für diesen Schritt ein und zeigen auf, wie eine solche Situation in Zukunft vermieden werden kann.

Wir hoffen, Sie als Neukunden sehr bald wieder mit unserem Ökostrom beliefern zu können. Wir informieren Sie gerne per E-Mail, sobald das wieder möglich ist. Bitte hinterlassen Sie dazu gerne Ihre Kontaktdaten

Was sind die Ursachen?

  • Einer der Hauptgründe für die weiter steigenden Energiepreise liegt in der nach wie vor unerwartet hohen Energienachfrage. Nach dem pandemiebedingten Rückgang in 2020 ist seit dem Frühsommer wieder eine steigende Nachfrage zu beobachten, die unter anderem auf eine zunehmende Wiederbelebung der Weltwirtschaft, insbesondere in Asien, aber auch in Europa und Nordamerika zurückgeht.
  • Diesem Aufwärtstrend steht ein im Verhältnis zur gestiegenen Nachfrage zu geringes Angebot auf dem globalen Energiemarkt entgegen – nicht zuletzt bedingt durch reduzierte Gaslieferungen aus erdgasexportierenden Ländern wie Russland. Ferner weisen in der laufenden Heizsaison mehrere europäische Länder vergleichsweise niedrige Gasspeicherstände auf. Dies wiederum resultiert auch aus der langen Heizperiode 2020 / 2021 in Europa und einem Sommer 2021 mit sehr hohem Klimatisierungs- und Kühlungsbedarf in Asien.
  • Diese durch Angebot und Nachfrage bedingte Preisentwicklung wird durch zusätzliche Effekte aktuell weiter verstärkt: Zum einen durch den Anstieg der Preise für CO2-Zertifikate im Rahmen des Anfang 2021 eingeführten Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) in Deutschland. Außerdem befinden sich die Zertifikatspreise im europäischen Emissionshandelssystem (ETS) auf einem nie da gewesenen Niveau von inzwischen über 80 € pro Tonne CO2. Zur Einordnung: Im Dezember 2020 lag der ETS-Zertifikatspreis bei 32 € pro Tonne CO2 – schon damals war dies ein Allzeithoch.

  • Manche Marktteilnehmer haben offenbar anfangs Käufe bei den stark steigenden Energiepreisen zurückgehalten, weil sie kurzfristig wieder sinkende Preise erwarteten. Da dieser Effekt bislang nicht eingetreten ist, müssen die Käufer nun zu höheren Preisen in den Kurzfristmärkten nachholen und drehen somit die Preisspirale weiter an. Zudem befeuern Spekulationen, insbesondere an den kurzfristigen Energiehandelsplätzen diese Entwicklung weiter. Dadurch ist beispielsweise der Beschaffungspreis von Strom (Baseload) binnen weniger Wochen von 150 € auf inzwischen bis zu 200  / MWh im Kurzfristmarkt angestiegen. Zur Einordnung: Ende 2020 lag dieser noch im Schnitt bei 40 bis 50  / MWh.
  • Die Volatilität im Energiemarkt ist ungewöhnlich hoch, das heißt, es gibt erhebliche Preisschwankungen bei den Beschaffungspreisen von einem Tag auf den anderen. Aktuell ergeben sich zum Beispiel in den kurzfristigen Strombeschaffungsmärkten Preissprünge von bis zu 50  / MWh (Baseload) binnen eines Tages. Diese kurzfristigen Veränderungen sorgen unter den Marktteilnehmern für Verunsicherung, weshalb einige Energieversorger ihre Tarife bereits mehrmals binnen weniger Wochen nach oben anpassen mussten.

Was heißt das für die EWS und ihre Kundschaft?

  • Die hohen Börsenstrompreise wirken sich auch auf unser Ökostromangebot aus, obwohl die EWS ihren Strom nicht an der Strombörse beschaffen, sondern direkt bei ausgewählten Anlagenbetreibern und Direktvermarktern. Der Ökostrom unserer Partner wird inzwischen aber auch stärker nachgefragt, weshalb diese am Markt höhere Preise verlangen können.
  • Als erfahrener Ökostromanbieter beschaffen wir unseren Ökostrom lange im Voraus und kalkulieren dabei mit den üblichen Preisschwankungen am Markt. Der unerwartet starke Anstieg der Energienachfrage, die hohe Preisdynamik im Markt und das fair berechnete EWS-Ökostromangebot haben bei uns zu einer Vielzahl neuer Kunden geführt. Um diese kurzfristig erhöhte Nachfrage bedienen zu können, sind auch wir auf kurzfristige Zukäufe zu aktuell stark steigenden Preisen bei unseren Partnern angewiesen.
  • Als genossenschaftlicher Energieversorger garantieren wir unseren Mitgliedern und unserer Kundschaft eine ökologische und preisgünstige Energieversorgung. Um unsere Bestandskunden nun vor weiteren extremen Preissteigerungen zu schützen, haben wir uns entschieden, vorübergehend das Ökostromangebot für Neukundinnen und -kunden auszusetzen.

Der Ausweg: Wir brauchen mehr Erneuerbare!

  • Die Entwicklungen am Energiemarkt verdeutlichen, dass es einen drastischen Ausbau dezentraler Erneuerbarer Energien braucht, um schnellstmöglich ein ausreichendes Angebot an echtem Ökostrom sicherzustellen sowie langfristig mehr Unabhängigkeit von globalen Energiemärkten zu gewinnen, die noch immer stark von Atomkraft und fossilen Energien dominiert werden.
  • Photovoltaik (PV)- und Windenergieanlagen (WEA) erzeugen in Deutschland schon heute an günstigen Standorten deutlich günstiger Strom als fossile Kraftwerke. Insbesondere die steigenden Preise für CO2-Zertifikate (siehe ETS) werden diesen Trend in den kommenden Jahren noch verstärken und die Kosten von konventionellen Anlagen gegenüber Erneuerbaren-Energien-Anlagen weiter erhöhen.
  • Laut einer Untersuchung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) sind die Stromgestehungskosten für erneuerbaren Strom in den letzten zehn Jahren stark gesunken: Bei PV zwischen 2010 und 2019 um 82 % und bei Wind an Land um 39 %. Die stetig steigende Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien sowie ihre Modularität, kurzfristige Skalierbarkeit und die Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen steigern nicht nur ihre Attraktivität für Investoren, sondern auch die Versorgungssicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher.
  • Die EWS setzen sich seit vielen Jahren gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern für einen beschleunigten dezentralen Ausbau insbesondere von  Photovoltaik- und Windenergieanlagen ein. So haben wir beispielsweise im Sommer 2020 ein Fachgutachten beim Analyseinstitut «Energy Brainpool» in Auftrag gegeben. Das Gutachten verdeutlicht das enorme Potenzial für den Ausbau von PV-Kleinanlagen und verweist auf eine drohende Ökostromlücke, falls der Erneuerbaren-Ausbau nicht schnell genug voranschreitet. Die Energiepolitik der Großen Koalition hat sich derartigen Erkenntnissen jedoch verweigert und den Erneuerbaren-Ausbau weiter verschleppt.
  • Das im neuen Ampel-Koalitionsvertrag angekündigte Ziel, den Ausbau der dezentralen Erneuerbaren Energien auf mindestens 80 % bis 2030 anzuheben, ist zumindest schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Diesen gilt es nun über eine Vielzahl an Maßnahmen (wie beispielsweise die Stärkung von Bürgerenergie, Mieterstrom und PPAs) schnellstmöglich in die konkrete Umsetzung zu bringen. Die EWS werden diesen Prozess auch im politischen Raum intensiv begleiten.

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Wir hoffen, Sie als Neukundinnen und -kunden sehr bald wieder mit unserem Ökostrom beliefern zu können! Wir informieren Sie umgehend per E-Mail, sobald das wieder möglich ist. Bitte hinterlassen Sie dazu gerne Ihre Kontaktdaten.