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Ökostrom

Einordnung der Energiepreissteigerungen

Ursachen und Hintergründe

Warum unsere Angebote für Neukunden derzeit ausgesetzt sind

Die Preissteigerungen auf den europäischen Energiegroßhandelsmärkten ziehen auch an den EWS nicht spurlos vorbei. Der bereits seit Monaten andauernde Aufwärtstrend der Energiepreise beeinflusst neben den Einkaufspreisen für (Bio-)Gas auch die für (Öko-)Strom. Der Krieg in der Ukraine hat diese Situation noch verschärft und die Problematik der Abhängigkeit von russischem Erdgas mit in den Fokus gerückt. Diese extremen Entwicklungen stellen uns alle, auch die EWS, vor große Herausforderungen. So sahen wir uns bereits im Dezember leider dazu gezwungen, unser Ökostrom- und Biogasangebot für Neukundinnen und Neukunden vorläufig auszusetzen. Die Versorgung unserer Bestandskundinnen und -kunden ist davon aber nicht betroffen. Im Folgenden beantworten wir wichtige Fragen und gehen kurz auf einige Ursachen für den Neukundenstopp ein.

Wir hoffen, Sie als Neukundinnen und -kunden sehr bald wieder mit unserem Ökostrom und Biogas beliefern zu können! Sobald das wieder möglich ist, informieren wir Sie umgehend per E-Mail. Bitte hinterlassen Sie dazu gern Ihre Kontaktdaten.

    • Als erfahrener Energieversorger beschaffen wir Ökostrom lange im Voraus. Aufgrund dieser soliden und weitsichtigen Energiebeschaffung können wir jederzeit die Versorgung unserer Bestandskundinnen und -kunden mit Ökostrom sicherstellen.

    • Aufgrund der Gesetze des freien Markts orientieren sich auch die Ökostromlieferanten bei der Preisfindung an der Strombörse. Dort steigen die Preise seit Herbst 2021 und schwanken auch stark, was die Preissituation in hohem Maße unkalkulierbar macht. Das liegt unter anderem am sogenannten «Merit-Order-Effekt», der bewirkt, dass letztlich die Gaskraftwerke den Strompreis bestimmen. Durch den Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Unsicherheiten in der weltweiten Energiebeschaffung hat sich die Situation weiter verschärft. Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass sich der Markt kurzfristig beruhigen wird.

    • Sie müssen sich als EWS-Kundinnen und -Kunden keine Sorgen um Ihre Gasbelieferung machen. Wir haben uns hierzu mit ausreichenden Gasmengen eingedeckt. Auch die bundesweite Versorgungslage ist für Privathaushalte gesichert: Im Falle eines möglichen Engpasses sind diese durch die geltende Gesetzeslage privilegiert und genießen einen Versorgungsvorrang vor anderen Abnehmern – beispielsweise durch Drosselungen in der Industrie.

    • Aufgrund der Organisation der Erdgasvermarktung in Deutschland ist es nicht möglich, Erdgas von ausgewählten Herkunftsländern zu beziehen. Der deutsche Erdgasmix kommt derzeit zu 51 Prozent aus Russland, zu 27 Prozent aus Norwegen und zu 21 Prozent aus den Niederlanden, kleinere Mengen aus dem übrigen Europa. Herkunftsnachweise für Erdgas, wie wir sie vom Ökostrom kennen, existieren allerdings nicht. Die einzige Lösung besteht darin, den deutschen Erdgasmarkt in Gänze aus der Abhängigkeit von Russland zu lösen. Im Gegensatz dazu kann Biogas im deutschen Gasmarkt gesondert bezogen werden, hier sind die Mengen allerdings begrenzt.

    • Biogas ist in Deutschland nur begrenzt verfügbar. Nachdem die Erdgaspreise im Herbst 2021 stark gestiegen sind, haben deutlich mehr Kundinnen und Kunden als prognostiziert bei den EWS Biogas bestellt, sodass die beschafften Kontingente nicht mehr ausreichten und für Neukundinnen und -kunden zu einem sehr viel höheren Preis zusätzliche Biogasmengen hätten nachbeschafft werden müssen. Um das unternehmerische Risiko zu begrenzen und die Bestandskundinnen und -kunden zu schützen, sahen sich die EWS deshalb gezwungen, das Angebot für Neukundinnen und -kunden vorübergehend zu stoppen.

    • Die EWS haben ihre Strommengen im Voraus unter Bedingungen beschafft, in denen die derzeitige Ausnahmesituation naturgemäß nicht mit einbezogen werden konnte. Deswegen sind die Strommengen, die zum Vorkrisenpreis beschafft wurden, begrenzt. Tarifänderungen, zum Beispiel das Hinzubuchen von Wärmepumpenstrom, würden im Bereich der Bestandskundinnen und -kunden dazu führen, dass die Stromverbräuche steigen. Diese größeren Mengen sind im Beschaffungsportfolio nicht gedeckt und müssten zum aktuell sehr hohen Marktpreis nachbeschafft werden. In Abwägung von unternehmerischem Risiko und unternehmerischer Verantwortung wurde deswegen die Möglichkeit der Tarifänderungen für Bestandskundinnen und -kunden vorübergehend ausgesetzt.

    • Da die Entwicklung der geostrategischen Situation und damit eng verbunden die Situation auf den Energiemärkten derzeit nicht berechenbar ist, kann aktuell noch kein genauer Zeitpunkt benannt werden, ab dem die EWS wieder einen Ökostrom- und Biogastarif anbieten werden.

Der Ausweg: Wir brauchen mehr Erneuerbare!

  • Die Entwicklungen am Energiemarkt verdeutlichen, dass es einen drastischen Ausbau dezentraler Erneuerbarer Energien braucht, um schnellstmöglich ein ausreichendes Angebot an echtem Ökostrom sicherzustellen sowie langfristig mehr Unabhängigkeit von globalen Energiemärkten zu gewinnen, die noch immer stark von Atomkraft und fossilen Energien dominiert werden. Die in Deutschland aktuell wieder aufkeimende Debatte über eine Laufzeitverlängerung von Atom- und Kohlekraftwerken ist ein Irrweg, der die bestehende Problemlage nur weiter hinauszögern und damit verschärfen würde.
  • Photovoltaikanlagen (PV) und Windenergieanlagen (WEA) erzeugen in Deutschland schon heute an geeigneten Standorten deutlich günstiger Strom als fossile Kraftwerke. Insbesondere die im Durchschnitt weiter steigenden Preise für CO2-Zertifikate werden diesen Trend in den kommenden Jahren noch verstärken und die Kosten von konventionellen Anlagen gegenüber Erneuerbare-Energien-Anlagen weiter erhöhen.
  • Laut einer Untersuchung der «Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien» (IRENA) sind die Stromgestehungskosten für erneuerbaren Strom in den letzten zehn Jahren stark gesunken: bei PV zwischen 2010 und 2019 um 82 Prozent und bei Wind an Land um 39 Prozent. Die stetig steigende Wettbewerbsfähigkeit Erneuerbarer Energien sowie ihre Modularität, kurzfristige Skalierbarkeit und die Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen steigern nicht nur ihre Attraktivität für Investoren, sondern auch die Versorgungssicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher.
  • Die EWS setzen sich seit vielen Jahren gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern für einen beschleunigten dezentralen Ausbau insbesondere von Photovoltaik- und Windenergieanlagen ein. So haben wir beispielsweise im Sommer 2020 ein Fachgutachten veröffentlicht, dass beim Analyseinstitut «Energy Brainpool» in Auftrag gegeben wurde. Das Gutachten verdeutlicht das enorme Potenzial für den Ausbau von PV-Kleinanlagen und verweist auf eine drohende Ökostromlücke, falls der Erneuerbaren-Ausbau nicht schnell genug voranschreitet. Die Energiepolitik der damals regierenden Großen Koalition hat sich derartigen Erkenntnissen jedoch verweigert und den Ausbau der Erneuerbaren weiter verschleppt. Das ist mit ein Grund dafür, warum die Abhängigkeit der Stromerzeugung in Deutschland von konventionellen Brennstoffen nach wie vor so hoch ist.
  • Das im neuen Ampel-Koalitionsvertrag angekündigte Ziel, den Ausbau der dezentralen Erneuerbaren Energien auf mindestens 80 Prozent bis 2030 anzuheben, ist zumindest schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Dieses Ziel wurde seitens des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz Anfang 2022 noch einmal dahingehend bekräftigt, dass Deutschland bis 2035 eine vollständige klimaneutrale Stromversorgung anstrebt. Die neue Bundesregierung hat inzwischen auch erste konkrete Maßnahmen zur Diskussion gestellt (z. B. zur Stärkung von Bürgerenergie, Mieterstrom und PPAs), die es nun konkret zu definieren und umzusetzen gilt. Die EWS werden diesen Prozess auch im politischen Raum in den kommenden Monaten wie gewohnt weiter begleiten.

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Wir hoffen, Sie als Neukundinnen und -kunden sehr bald wieder mit unserem Ökostrom und Biogas beliefern zu können! Wir informieren Sie umgehend per E-Mail, sobald das wieder möglich ist. Bitte hinterlassen Sie dazu gerne Ihre Kontaktdaten.